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RISIKO MANAGER 25-26.2015

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6 Ausgabe

6 Ausgabe 25-26/2015 Comprehensive Assessment offenbart Kapitallücken Von März bis November 2015 unterzog die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) neun Banken einer umfassenden Bewertung (Comprehensive Assessment, CA). Damit knüpfte sie an das 2014 durchgeführte CA an, bei dem sie in Vorbereitung auf die Übernahme der direkten Aufsicht über die größten Bankengruppen innerhalb des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) 130 Banken beurteilt hatte. Ein erstmaliges CA durch die EZB ist für alle Banken durchzuführen, die unter die direkte Aufsicht der EZB fallen oder voraussichtlich fallen werden. Es ähnelt der strikten Prüfung, der die direkt beaufsichtigten Banken 2014 unterzogen wurden. Fünf der Banken, die Gegenstand des diesjährigen CA waren, wurden bereits 2014 direkt von der EZB beaufsichtigt, bei den verbleibenden vier Banken wird dies ab Januar 2016 der Fall sein. Anzumerken ist, dass das CA, das bei allen Banken durchgeführt wird, die der direkten EZB-Aufsicht unterliegen oder voraussichtlich unterliegen werden, anders ausgestaltet ist als Prüfungen, die im Zuge der laufenden direkten Aufsicht stattfinden oder um welche die EZB ausdrücklich ersucht wird. Das diesjährige CA bestand aus einer Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review, AQR) und einem Stresstest. Aufgrund der Tatsache, dass bei der Durchführung jeweils die 2014 angewandten Methoden als Grundlage dienten, ähnelte die Prüfung in punkto Umfang und Tiefe dem CA vom Vorjahr. Die Auswirkungen von AQR und Stresstest zusammengenommen führten dazu, dass fünf Banken im adversen Szenario unter dem für die CET1- Quote geltenden Grenzwert von 5,5 Prozent lagen. Die für diese fünf Banken festgestellte aggregierte Kapitallücke beläuft sich auf 1,74 Mrd. ¤. Sie wird teilweise durch seit Januar 2015 vorgenommene Kapitalerhöhungen sowie andere zulässige Maßnahmen geschlossen werden. Wie bereits 2014 haben die Banken auch diesmal verbleibende Kapitallücken zeitnah zu beseitigen, entweder durch Begeben von Kapitalinstrumenten oder durch andere zulässige Maßnahmen, durch welche die Eigenkapitalpositionen der Banken wieder auf das erforderliche Niveau angehoben werden. Die fünf Banken mit Kapitallücken müssen zwei Wochen nach dem Veröffentlichungsdatum Kapitalpläne vorlegen, in denen sie die jeweiligen Maßnahmen darlegen. Die Korrekturmaßnahmen werden sich jedoch nicht auf das Schließen von Kapitallücken beschränken. Die Banken müssen auch Maßnahmen ergreifen, um im Zuge der AQR festgestellte qualitative Mängel, wie Schwachpunkte in ihren Systemen und Prozessen, zu beseitigen. Weitere Informationen sind auf der Website der EZB (www.bankingsupervision.europa.eu) in der Rubrik /Media & Publications verfügbar. Kontroverse um Geschäftsmodellanalyse nach SREP Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat die Praxis der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert, individuelle Eigenkapitalaufschläge im Rahmen des SREP-Prozesses auf Basis von Geschäftsmodellanalysen festzulegen. Die beim BdB für Bankenaufsicht und Bilanzierung zuständige Michaela Zattler verwies bei der Euro Finance Week in Frankfurt auf die Möglichkeit, dass Aufsicht und Bank bei der Beurteilung von Ertragsaussichten zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kämen. „Wir wissen, dass die Aufsicht dafür eine Note vergibt, die Einfluss auf die Eigenkapitalanforderungen hat. Wir haben unsere Zweifel, dass das die richtige Methode ist, mit der Unabhängigkeit des Bankmanagements bei der Formulierung von Geschäftsplänen umzugehen“, sagte Zattler im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Die EZB hat angekündigt, dass sie in ihrer Aufsichtsarbeit im kommenden Jahr verstärkt die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle von Banken analysieren will. Deutsche Banken leiden aufgrund ihres Geschäftsmodells besonders stark unter den niedrigen Zinsen und der flachen Zinsstrukturkurve. Bernd Wiesemann von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) forderte vor diesem Hintergrund eine tiefer gehende Analyse der Geschäftsmodelle. „Es kann Banken geben, die nur kleine Gewinne machen, und die man trotzdem weitermachen lassen sollte“, sagte er. Man müsse auch berücksichtigen, wie stabil die Gewinne seien und mit welchen Risiken sie einhergingen. Thomas Gstädtner, Chef der mikroprudenziellen Bankenaufsicht bei der Generaldirektion II der EZB, betonte die Unparteilichkeit der Aufsicht. „Die EZB ist vollkommen neutral gegenüber Geschäftsmodellen – wir nehmen sie, wie sie sind“, sagte er. Allerdings schaut die EZB im Rahmen des SREP-Prozesses nach seiner Aussage durchaus danach, „wo die Bank heute ihr Geld verdient und wo sie es morgen verdienen will“. Dabei analysiere sie auch die wichtigsten Schwachpunkte des Geschäftsmodells und erhalte ein umfassendes Verständnis des Geschäftsmodells. SREP ist der Supervisory Review and Evaluation Process, mit dem die EZB die individuellen Eigenkapitalaufschläge der Großbanken der Eurozone bestimmt. Nach Aussage von EZB- Direktorin Sabine Lautenschläger kommen auf die Institute durch SREP Eigenkapitalaufschläge von rund 50 Basispunkten zu. Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret wies bei der Euro Finance Week darauf hin, dass auch die Ergebnisse des im März beginnenden Stresstests bei der Berechnung individueller Eigenkapitalanforderungen „eine entscheidende Rolle“ spielen würden. Bisher habe die Bankenregulierungsbehörde EBA nur Richtlinien zum Stresstest veröffentlicht, der nach dem Top-Down-Ansatz verlaufen, aber auch einige Bottom-Up-Elemente enthalten werde. Foto: © iStockphoto.com/stevecoleimages

7 Fortsetzung von Seite 1 t Gleichung 01 einer signifikanten Verschlechterung der Bonität von Kreditnehmern müssen dann erwartete Verluste nicht auf Ein-Jahres-Basis, sondern für die gesamte Restlaufzeit der Geschäfte kalkuliert werden. Darüber hinaus wird auch die Berücksichtigung konjunktureller Einflüsse gefordert. Auch in der nationalen Rechnungslegung und im Aufsichtsrecht spielen solche Überlegungen eine Rolle. In der Stellungnahme zur HGB-Rechnungslegung RS BFA 3 „Einzelfragen der verlustfreien Bewertung von zinsbezogenen Geschäften des Bankbuchs (Zinsbuchs)“ des Instituts der Wirtschaftsprüfer wird der Ansatz von Risikokosten in Höhe der erwarteten Ausfälle gefordert, was in strenger Auslegung auch den Ansatz der erwarteten Verluste für die Restlaufzeit von Kreditgeschäften implizieren kann. Darüber hinaus wird in den MaRisk als Teil des Risikotragfähigkeitskonzepts ein zukunftsgerichteter Kapitalplanungsprozess beschrieben, der explizit auch Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds berücksichtigen soll [vgl. Großkord/Mach/Reher 2013]. Zentraler Bestandteil bei der Bestimmung des Lifetime Expected Loss ist die Schätzung von Mehrjahres-PDs sowie die Berücksichtigung konjunktureller Einflüsse bzw. Änderungen. Diesem Thema widmet sich dieser Artikel, wobei wir Mehrjahres- PDs verschiedener Zeithorizonte systematisch in sog. PD-Kurven zusammenfassen. Neben den bereits dargestellten, regulatorischen und bilanziellen Motivationen für die Bestimmung von konjunkturabhängigen PD-Kurven sollten diese allerdings auch Grundlage für ein ökonomisches und wettbewerbsfähiges (Kredit-)Pricing sein. Anforderungen an Ein-Jahres-PDs Gemäß Basel II Definition (Art. 178 CRR) liegt ein Ausfall vor, wenn ein Institut es als unwahrscheinlich ansieht, dass ein Kreditnehmer seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt, ohne dass das Institut auf Maßnahmen wie Sicherheitenverwertung zurückgreifen muss oder sich der Kreditnehmer mehr als 90 Tage im Zahlungsverzug befindet. An dieser Definition orientiert sich auch der IFRS 9 Standard, der festlegt, dass unter Berücksichtigung einer solchen 90-Tage-Linie prinzipiell diejenige Ausfalldefinition verwendet werden soll, die auch im internen Kreditrisikomanagement zur Anwendung kommt. Der Risikoparameter PD ist hier ein Schätzer für die aus einzelnen Ausfällen entstehende, unbekannte Ausfallrate der Kreditnehmer mit jeweils ähnlicher Bonität im Portfolio eines Instituts. In diesem Zusammenhang ist die Festlegung einer Interpretation von Ausfallrate und zugehörigem Schätzer-PD von Bedeutung. Der Through-the-Cycle (TtC) Philosophie folgend zielt die PD-Schätzung auf eine möglichst stabile und langfristige Bonitätsschätzung eines Schuldners über Konjunkturzyklen hinweg. Beim Point-In- Time (PiT) Ansatz gilt es im Gegensatz dazu, konjunkturelle Einflüsse zu jedem Zeitpunkt möglichst korrekt zu berücksichtigen. In der Praxis werden diese beiden Extremzustände zwar selten bzw. nie erreicht, die Modellierung nach IFRS 9 zielt jedoch auf die Anwendung einer Point-In- Time-Philosophie ab, womit auch die Berücksichtigung konjunktureller Einflüsse essentiell wird [vgl. Bosse 2015]. Konjunkturabhängige und ratingspezifische PD Kurven Im Rahmen der Bestimmung von Mehrjahresausfallwahrscheinlichkeiten erweist sich die Einführung verschiedener PD- Definitionen als zweckdienlich. Bezeichnet den Zeitpunkt des Ausfalls, so definieren wir mit PD(t) = P( t) eine kumulative Ausfallwahrscheinlichkeit als t-periodische Erweiterung einer herkömmlichen Ein jahres-PD, welche sich somit als Spezialfall PD(1) ergibt. Die marginale PD PD (s,t) = P(s t) quantifiziert die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls innerhalb des Zeithorizonts von s bis t, während die bedingte PD PD(t|s) = P( t| s) die Wahrscheinlichkeit beschreibt, dass ein Kreditnehmer bis zum Zeitpunkt t ausgefallen ist, unter der Annahme, dass dies zum Zeitpunkt s < t noch nicht der Fall war. Aufbauend lassen sich nun durch systematische Anordnung sog. kumulative PD- Kurven ((0,0),(1,PD(1),…,(t,PD(t))) bzw. sog. marginale PD Kurven ((0,0),(1,PD(0,1)), …, (t,PD(t – 1,t))) definieren. Die Schätzung solcher PD-Kurven bildet den Kern dieses Artikels und erfolgt durch Schätzung der jeweils einzelnen kumulativen oder marginalen PDs. Die einfachste Möglichkeit, um Mehrjahres-PDs zu schätzen, bildet der Ansatz, kumulative PDs als Summe der zugehörigen marginalen PDs aufzufassen, vgl. t Gleichung 01 (1), die sich – den oben eingeführten Definitionen folgend – auch in Form bedingter, einperiodischer PDs darstellen lassen, vgl. t Gleichung 01 (2), was dem in der Praxis regelmäßig vorliegenden Datenformat entspricht. Das Verfahren birgt jedoch einige Schwächen, da für sehr gut oder sehr schlecht geratete Kreditnehmer die abgeleiteten Mehrjahres-PDs die tatsächlichen (unbekannten) kumulativen PDs unter Umständen systematisch unter- bzw. überschätzen [vgl. Pfeuffer/Fischer 2015b]. Deshalb möchten wir im Folgenden eine Übersicht von verschiedenen Methoden aufzeigen, mit denen solche Schätzungen ggf. geeigneter realisiert werden können. Matrixmultiplikation Unter der Annahme, dass Ratingprozesse durch eine diskrete Markovkette beschrieben werden können, lassen sich Mehrjahres-PDs beispielsweise durch Matrixmultiplikation von bedingten, einjährigen Rating-Migrationsmatrizen P(t|t – 1) bestimmen (vgl. t Gleichung 02). Durch Multiplikation mit den entsprechenden Einheitsvektoren kann man mit diesem Verfahren anschließend ratingspezifische, kumulative PDs erhalten. Führt man mit dieser Methode Mehrjahres-PD-Schätzungen durch, lassen sich in den einzelnen Matrizen auch konjunkturelle Einflüsse t Gleichung 02 mit r = initiale Ratingkategorie, e = Einheitsvektor und t = mehrperiodischer Zeithorizont.

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