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RISIKO MANAGER 25-26.2015

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16 Ausgabe

16 Ausgabe 25-26/2015 Eindrücke von der 10. Risikomanagement-Konferenz. Barroso empfiehlt einen Blick in die Vergangenheit, gerade wenn es um die Zukunft geht. tor Warren Buffet. „Regel Nummer eins: keine Verluste machen. Und Regel Nummer zwei: bloß nie Regel Nummer eins vergessen.“ Die Begründung für diese Investmenttugend liegt für Bossert auf der Hand: Verluste zersetzen die Kapitalbasis und erfordern überproportional hohe Gewinne, um diese wieder auszugleichen. „Gerade vor dem Hintergrund aktuell niedriger Kapitalmarktrenditen und unverändert hoher Kursrisiken wird sich der Zeithorizont, in dem Verluste wieder aufgeholt werden können, künftig vervielfachen“, mahnte der Wertsicherungsexperte von Union Investment. Auch habe die Vergangenheit gezeigt, dass extreme Situationen an den Märkten weitaus häufiger auftreten als von vielen Markteilnehmern bisher vermutet. Für Bossert sind Wertsicherungsstrategien durchaus nicht nur auf Verlustvermeidung ausgerichtet. „Moderne dynamischasymmetrische Ansätze zielen darauf ab, Verluste zu beschränken und gleichzeitig Gewinnchancen offenzuhalten sowie dabei das Risikobudget optimal zu steuern“, sagte Bossert. Mit Immuno und Konvexo bietet Union Investment hier erprobte Konzepte mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Sicherungsgrad. Interessant: Hatten Investoren bei Union Investment in der Vergangenheit vor allem die defensivere Immuno-Variante nachgefragt, so erfuhr in jüngerer Zeit das offensivere Konvexo-Konzept deutlich mehr Zuspruch. Das risikoreichere Konzept mit einem geringeren Konfidenzniveau hat häufig den konserva-

Immer im Bilde mit 17 tiveren Immuno-Ansatz abgelöst. „Wir erkennen daran, dass unsere Kunden deutlich risikoaffiner geworden sind“, erläuterte Bossert den Konferenzteilnehmern in Mainz. Für viele Anleger sei die Wertsicherungsuntergrenze heute nicht mehr in Stein gemeißelt, wenn die damit verbundene Flexibilität mit einem entsprechenden Mehrertrag belohnt werde. „Und diesen Mehrertrag gibt es in der Tat“, so Bossert. Die Lage an den Kapitalmärkten ist komplexer geworden. Bossert sieht darin auch eine Herausforderung für das Risikomanagement. „Früher galt das klassische Investmentdreieck. Da war es schon kompliziert genug, Risiko, Rendite und Liquidität in der Balance zu halten.“ Heute sei nicht nur das Investmentuniversum gewachsen, sondern die Kapitalanlage mit zusätzlichen Anforderungen konfrontiert. „Im Grund haben wir es jetzt mit einem Fünfeck zu tun“, erläuterte Bossert. „Denn zusätzlich müssen wir noch die Nachhaltigkeit integrieren und die Regulatorik beachten.“ Der Umgang mit dieser neuen Situation erfordere eine evolutionäre Entwicklung im Risikomanagement, bei der alle neuen Erkenntnisse fortwährend in die Prozesse eingebaut werden müssten. Neue Modelle im Risikomanagement Das aktuelle Investmentumfeld beeinflusst nicht nur die Risikosituation einzelner Investoren, sondern setzt auch das Finanzsystem zusätzlichen Risiken aus. Darauf wies Martin Hellmich, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management und Autor der diesjährigen Risikomanagement-Studie, in seinem Vortrag hin. Der Wissenschaftler hatte im Auftrag von Union Investment die Anlagestrategien institutioneller Investoren im Spannungsfeld zwischen Finanzmarktregulierung und Nullzinsumfeld untersucht. Besonders ging er dabei auf das Phänomen der gestiegenen „Connectedness“ ein. Darunter wird in der Wissenschaft ein System verstanden, in dem sich die Akteure durch stark vernetztes Verhalten wechselseitig beeinflussen und damit zur Verstärkung von gleichgerichteten Entwicklungen beitragen. Ein solches System erkennt Hellmich an den Finanzmärkten. So führen die massiven Interventionen der Zentralbanken zu hohen Korrelationen unterschiedlicher Assetklassen. Gleichzeitig reagieren große Investorengruppen aufgrund regulatorischer Vorgaben mit einem zunehmend gleichgerichteten Nachfrageverhalten, das sich auf die Vermögenspreise auswirkt und die Gefahr von Preisblasen erhöht. „Vor diesem Hintergrund beobachten wir gegenwärtig steigende Ansteckungsrisiken im Finanzsystem“, stellte Hellmich fest. Mit den gängigen Verfahren im Risikomanagement kommt man bei der Einschätzung von Connectedness-Risiken allerdings nicht weiter. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen werde vielmehr eine neue Generation von Risikomodellen benötigt, da klassische Risiko- und Portfoliooptimierungsmodelle im Wesentlichen nur lineare Phänomene abbilden. „Es geht darum, die mathematischen Verfahren im Risikomanagement weiterzuentwickeln, um komplexe Vorgänge als Ganzes beschreiben und simulieren zu können“, erklärte Hellmich. Für ihn steht fest: Die Wirtschaftswissenschaften werden sich in Zukunft dem ganzheitlichen Studium komplexer und dynamischer ökonomischer Netzwerke widmen müssen. Sie werden daher mehr denn je eine quantitative Wissenschaft sein. Die Voraussetzungen dafür seien gegeben. „Die massiv gewachsenen IT-Möglichkeiten verändern die Finanzwelt dramatisch“, sagte Hellmich. „Und mit den durch neue regulatorische Anforderungen stetig wachsenden Reporting-Pflichten und der weiter voranschreitenden Digitalisierung von Prozessen und Distributionskanälen werden wir in Zukunft über eine erheblich größere Datenmenge zur Kalibrierung neuartiger Modelle verfügen.“ Aus dem Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen am Kapitalmarkt und durch die Regulierung in der Anlagepraxis berichteten in ihren Vorträgen Michael Hepers, Bereichsleiter Treasury und Portfoliomanagement bei der Bank für Kirche und Caritas, und Jens Hennes, Geschäftsführer beim Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein. Abschließend berichtete Ralf Benna, Abteilungsleiter Sicherungseinrichtung beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, in seinem Praxisvortrag von seiner Vorgehensweise als Investor. Quo vadis, Europa? Prägten in den vergangenen Jahren vor allem US-amerikanische Gastredner wie Robert Shiller oder Joseph Stiglitz die Risikomanagement-Konferenz, kamen mit José Manuel Barroso und Tomáš Sedláč ek diesmal europäische Persönlichkeiten in der Mainzer Rheingoldhalle zu Wort. Als ehemaliger EU-Kommissionspräsident brach Barroso erwartungsgemäß eine Lanze für das sich in schwierigem Fahrwasser befindliche Europa. Einer der größten Fehler sei es, ausschließlich aus der aktuellen Lage auf die Zukunft Europas zu schließen. „Anstatt sich zu stark von den krisenhaften und dramatischen Ereignissen der Gegenwart leiten zu lassen, empfiehlt sich ein Blick in die Vergangenheit, gerade wenn es um die Zukunft geht“, riet Barroso seinen Zuhörern. Natürlich böten die gegenwärtigen Krisen Anlass zur Sorge. Ein Blick zurück auf die vergangenen zehn, extrem herausfordernden Jahre zeige jedoch, dass jede Krise die Europäische Union stets auch ein Stück nach vorn gebracht habe. „Trotz Finanz- und Verschuldungskrise sowie einer veritablen institutionellen Krise ist Europa in dieser Phase größer und stärker geworden“, so der ehemalige EU- Politiker. Die aktuelle Flüchtlingskrise betrachtete Barroso vor diesem Hintergrund aus einer chancenbetonten Perspektive. „Ja, es gibt Risiken“, gab er zu. „Aber am Ende sollten wir auch bedenken, dass Europa künftig weiterhin Zuzug benötigt, um die demografischen Ungleichgewichte auszugleichen.“ Sparen oder nicht sparen? In seinem Vortrag bezog der tschechische Ökonomieprofessor Tomáš Sedláč ek zu dieser Frage klar Stellung. Für Sedláč ek, der durch seinen Bestseller „Die Ökonomie von Gut und Böse“ international bekannt wurde, befindet sich die Wirtschaft nicht in einem Zustand der Depression, sondern weist vielmehr Anzeichen einer manisch-depressiven Verstimmung auf. Das Problem: In manischen Phasen handelt die Wirtschaft in der Erwartung, die Dinge kontrollieren zu können. Weitere Schulden sind kein Thema, da man zuversichtlich ist, diese in jedem Fall zurückzahlen zu können. Anstelle neuer Schulden als „Aufputschmittel“ empfiehlt Sedláč ek als Therapie ein Dämpfen der erratischen Stimmungsschwankungen. „Das ist in einer Volkswirtschaft jedoch höchst unpopulär, weil es einen Verzicht auf Wachstum bedeutet“, sagte der Ökonom. Schon in der Bibel sei über die erste verbriefte Wirtschaftskrise zu lesen, dass auf sieben fette Jahre ebenso viele magere Jahre folgen. Um sich für schwere Jahre zu wappnen, müsse man in den guten Zeiten entsprechend sparen.

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