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RISIKO MANAGER 24.2015

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6 Ausgabe 24/2015

6 Ausgabe 24/2015 Fortsetzung von Seite 1 by which market prices or model inputs are regularly verified for accuracy … (and which) should be performed by a unit independent of the dealing room, at least monthly (or, depending on the nature of the market/trading activity, more frequently).“) Der entsprechende Geschäftsprozess, um diese regulatorische Anforderung zu erfüllen, ist der sogenannte Marktdaten- End-of-Day (im folgenden MD-EoD). Dieser ist in der Regel im Bereich Marktrisiko angesiedelt, was die geforderte Unabhängigkeit (vom Handel) gewährleistet. Der MD-EoD hat zum Ziel, aus geeigneten Quellen beobachtbare Markpreise bzw. Input-Parameter für theoretische Preisberechnungen zu beziehen und zu prüfen, bevor sie im täglichen Fair Value Measurement der Finanzinstrumente eingesetzt werden. Der MD-EoD liefert das offizielle EoD-Preis-Set, das ein wichtiger Input für eine Reihe von Overnight-Prozessen einer Bank ist, so auch für den sogenannten Front-Office-EoD, in dem unter anderem die tägliche P&L-Entwicklung ermittelt wird. Bei der Bewertung von Finanzinstrumenten sind die Banken mit folgenden Herausforderungen konfrontiert: • steigende Volatilität der Finanzmärkte: Marktbedingungen können sich kurzfristig ändern und Risikofaktoren, die lange als vernachlässigbar galten, gewinnen plötzlich an Bedeutung. • inkonsistente Preisfindung: Marktdaten werden von zahlreichen internen und externen Quellen geliefert. Eine unpräzise Auswahl führt leicht zu inkonsistenter Bewertung von Finanzinstrumenten. Dabei sind Konsistenz über die Zeit sowie im Sinne von Arbitragefreiheit essentiell für Modell-Kalibrierung und Backtesting. • wachsender Druck durch Regulatoren: Die Anforderungen an die Qualität der Marktdaten sowie der Validierungs-/Bewertungsprozesse, aber auch an den Abdeckungsgrad des Instrumentenspektrums sowie die Häufigkeit der Prüfungen steigen zunehmend. In diesem Artikel wollen wir zeigen, wie mit einer eigenentwickelten IT-Plattform diese Herausforderungen bewältigt und die regulatorische Anforderung an eine unabhängige Preisvalidierung erfüllt werden können. Erfolgsfaktoren einer IT-Lösung Datenbanksysteme, die große Mengen von Intraday-Ticks und EoD-Zeitreihen verwalten können, sind auf dem Markt vorhanden. Eine geeignete Workflow-Applikation kann in der Regel nur mit einer Eigenentwicklung realisiert werden. Beim Design müssen die im Folgenden beschriebenen Features als Erfolgsfaktoren betrachtet werden. Central Market Data Repository: Ein konsistentes Set von qualitätsgesicherten Preisen wird täglich zentral erstellt und allen Marktdaten-Konsumenten der Bank zur Verfügung gestellt. Governance Model: Die Durchführung des IPV-Prozesses wird an Kompetenz- Center vergeben, die auf der Basis von vereinbarten Prüfregeln, Qualitätsstandards und Eskalationsprozessen arbeiten. Standardized STP (Straight-Through- Processing): Um die Software schlank zu halten sowie auf lange Sicht wart- und testbar, sollten alle Typen von Marktparametern (liquide/semi- /illiquide oder – anders ausgedrückt – einfache wie Spots, aber auch Strukturen, wie Zinskurven und Volatilitätsflächen) denselben standardisierten Prozess durchlaufen. Die Flexibilität wird dabei durch ein Configuration Framework gewährleistet: Der User parametrisiert Methoden und Funktionen und kombiniert diese zu sogenannten „Rule-Sets“, die eine Sequenz von Prüfungen, um einen Preis zu validieren, darstellen. Dieses „Rule-Set-Framework“ kann sowohl auf verschiedene Objekte angewendet werden, wie Instrumente, Kurven und Surfaces, als auch auf verschiedene Prozesse, wie IPV oder Liquidity- und Contributor-Scoring. Die Anpassungsfähigkeit des Systems wird durch eine weitere Komponente erhöht, den sogenannten Workflow-Builder: Der User kann damit (Gruppen von) zusammenhängenden Aufgaben definieren, die in den IT-Batch-Prozessen in der vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden. Ein typisches Beispiel ist die Konfiguration von Berechnungen, die sich aus dem Aufbau eines Aufrufs an die zentrale finanzmathematische Bibliothek mit allen erforderlichen Input-Parametern und den Regeln zur Weiterverarbeitung der Rückgabewerte zusammensetzt. Der Workflow muss sicherstellen, dass Abhängigkeiten zwischen Instrumenten, aber auch Asset Classes (FX/ IR/EQ/COM/CRD) konsistent behandelt werden. In der Tat werden viele Preise aus Preisen anderer Instrumente rechnerisch abgeleitet, und die Modifikation eines Input-Parameters muss über die gesamte Abhängigkeitskette repliziert werden können. Data Management: Um alle Marktdaten- Konsumenten eines Finanzinstituts mit einem kompletten und konsistenten Set von validierten Preisen versorgen zu können, muss das Instrumentenuniversum des IPV-Systems mit dem der End-User-Systeme übereinstimmen. Dazu müssen täglich Instrumente, Zinskurven und Volatilitätsflächen importiert werden und ein automatischer Abgleich die erforderlichen Anpassungen auslösen. Des Weiteren sind Schnittstellen erforderlich, die das IPV- System mit qualitätsgesicherten statischen Instrumentendaten, soweit sie bewertungsrelevant sind, sowie Exposure-Zahlen beliefert. Das IPV-System bietet ein User-Interface zur Instrumenten-Stammdatenpflege, mit dem der User Konsistenz-Checks durchführen sowie Instrumentenstrukturen anlegen kann, die als Ganzes validiert werden müssen, wie Blöcke (gleicher Instrumenten-Typen), Kurven und Surfaces. In dieser Weise ausgestattet ermöglicht das Tool einen vollautomatisierten IPV- Prozess, der im MD-EoD für jeden Marktparameter einen Preis ermittelt, der jeweils mit der Statusinformation PASS oder FAILED (fehlerverdächtig) gekennzeichnet ist. FAILED bedeutet, dass der Preis die (anspruchsvolle) Prüfung nicht bestanden hat und vom User nochmals gecheckt und ggf. korrigiert werden sollte. Ein User-Interface for Remediation ermöglicht, FAILED von liquiden und semiliquiden Instrumente direkt vor der Distribution zu korrigieren – wichtig vor allem für Preise, die große Auswirkungen auf die nachfolgende P&L-Berechnung haben. Die FAILED-Analyse von illiquiden Finanzinstrumenten hingegen ist anspruchsvoll und zeitraubend, weshalb Korrekturen vor Distribution kaum möglich sind. Stattdessen wird ein Preis der bestmöglichen Source (meistens Front Office) nach der maschinellen Prüfung grundsätzlich distributiert. Die Analyse der Ergebnisse des automatischen IPV erfolgt am nächsten Tag, muss aber nicht zwingend täglich, sondern kann – je nach Exposure – auch wöchentlich, monatlich oder auch vierteljährlich durchgeführt werden. Voraussetzung für einen vollautomatischen IPV bzw. EoD ist eine IT-Infrastruktur von hoher Stabilität und Performance.

7 Um auch im Notfall ein konsistentes Preis- Set bereitstellen zu können, muss ein gut durchdachtes Emergency Handling installiert werden, das im Fall eines totalen oder teilweisen Fallbacks alle Abhängigkeiten zwischen (Gruppen/Typen von) Instrumenten berücksichtigt. Das validierte EoD-Preis-Set wird auf einem Central Distribution Layer veröffentlicht, wo die Endnutzer die Preise abonnieren können, die sie benötigen. Idealerweise ist ein Transformation Service integriert, der die Preise in alle Darstellungen umwandeln kann, wie sie von den Empfangssystemen benötigt werden. Der IPV Workflow Im Folgenden wird der oben erwähnten Standard-STP am Beispiel der Asset Classes FX (Foreign Exchange) und IR (Interest Rates) durchgespielt. Er ist analog anwendbar auf EQ/COM (Equity, Commodity) and CRD (Credit & Bonds), wobei Abhängigkeiten berücksichtigt werden müssen (so sind beispielsweise für die Preisvalidierung von CRD-Instrumenten zuvor validierte Zinskurven erforderlich). Ziel des täglichen MD-EoD ist die Bereitstellung eines vollständigen und konsistenten Preis-Sets, das den Markt an dem Tag so gut wie möglich widerspiegelt. Normalerweise wird der MD-EoD in der Zeitspanne von 5 pm (definiert als Ende des Handelstags) und 7 pm (bevor die Handelssysteme mit der P&L-Ermittlung starten) durchgeführt. Die Zeitspanne ist eng, wenn man die hohe Zahl von zu validierenden Objekten (oftmals bis zu 100.000 Instrumente) mit teilweise zeitfressenden (Re- ) Kalkulationen bedenkt und dazu noch ein Zeitfenster für User-Interventionen (Korrektur von Ausreißern, zumindest von solchen mit großem P&L-Effekt) bereitstellen will. Straight-through-processing – Step by step: 1. Im Anschluss an den „5pm Snapshot“ von allen Marktpreisen startet die EoD- Preparation, in der die Input-Daten (Source- und Referenz-Preise von internen und externen Quellen) normalisiert werden, um sie im IPV vergleichen zu können. 2. Es folgt der automatische IPV mit dem Ziel, für jeden Marktparameter einen Preis zu bestimmen, jeweils gekennzeichnet mit der Status-Information PASS oder FAILED. FX Spots werden als erstes validiert, da sie als Input für den IPV vieler anderer Instrumente bzw. Asset Classes benötigt werden. Der sich anschließende IPV von Zinsprodukten muss einem bestimmten Workflow folgen (siehe auch t Abb. 01): • Zunächst werden alle Instrumente geprüft, für die Preise auf den Märkten zu beobachten sind. Die Prüfung erfolgt gemäß den konfigurierten „Rule-Sets“ mit Toleranzen, die aus historischen Zeitreihen kalibriert werden und idealerweise eine dynamische Komponente haben – entweder Bindung an einen geeigneten Index oder einfach ein Faktor, der im Fall von starken Marktbewegungen vor dem EoD adjustiert werden kann. Ausreißer werden von „Defaults“ ersetzt (z. B. Vortagespreis) und für die weitere Behandlung durch den User als FAILED gekennzeichnet. • Die so validierten Preise werden anschließend benutzt, um die sogenannten „derived“, abgeleitete Preise, gemäß den definierten Workflows (siehe oben) zu ermitteln. Sie erhalten jeweils die Status-Information ihrer Input-Parameter (beziehungsweise eines FAILED Input-Werts). • Danach können die Zinskurven als Struktur geprüft werden, wobei unangemessene Krümmungen von Kurven bzw. Sektoren mit FAILED gekennzeichnet werden. 3. Nun folgt die Phase der User Remediation: das Ergebnis des automatischen IPV wird dem User in sogenannten „Problem-Lists“ für Einzelinstrumente und Zinskurven auf dem Bildschirm präsentiert. Der User kann FAILED korrigieren und „mis-shaped“ Kurven glätten, z. B. durch Preise anderer Provider oder Interpolation. Jede Modifikation erfordert eine Re-Kalkulation der „derived“ Marktparameter. Das „Rule-Set- Framework“ zielt darauf ab, die Fehlerlisten so klein wie möglich zu halten und Korrekturen nur im Ausnahmefall nötig zu machen. Die Instrumente auf der „Problem-List“ sind idealerweise gemäß Wichtigkeit (Höhe des Exposures) sortiert. Die Phase endet mit dem offiziellen „Sign-Off“ des EoD-Sets durch den Kompetenz-Center-User. 4. Jetzt kann das EoD-Preis-Set komplettiert werden mit den „Volatility Surfaces“. Sobald die Zinskurven validiert sind, können die externen Surfaces berechnet und mit den internen verglichen werden. Es ist ratsam, die internen Surfaces (FO) als EoD-Set zu verwenden und zu distributieren. Der automatischen IPV wird zwar während des MD- EoD durchgeführt, aber die Analyse der Ergebnisse sowie erforderliche Korrekturmaßnahmen benötigen viel Zeit und werden sinnvollerweise erst am nächsten Tag vorgenommen. 5. Das gesamte Universum von EoD-Preisen wird in einem Central Market Data Repository gespeichert und auf dem Central Distribution Layer bereitgestellt, wo die Endbenutzer abholen können, was sie benötigen. Der IPV-Workflow ist in t Abb. 01 dargestellt. Zusatz-Module Das Kernsystem kann mit weiteren Modulen angereichert werden, die die Qualität des automatischen IPV erhöhen und zusätzlichen Nutzen generieren. Liquidity Scoring: diese Funktion klassifiziert Finanzinstrumente als liquide, semiliquide oder illiquide und erlaubt eine Zuordnung zu den durch IFRS 13 geforderten Bewertungsstufen 1,2 oder 3. Gleichzeitig können die Scores im IPV dazu verwendet werden, liquiditätsabhängige Toleranzgrenzen oder Prüfmethoden automatisch auszuwählen. Contributor Scoring: der automatische IPV zieht den Quell-Preis vom sogenannten „bevorzugten (besten) Lieferanten“ und vergleicht diesen mit einem Referenzwert – entweder dem Preis des zweitbesten oder dem Median/Mittelwert der Preise einer Gruppe von sogenannten „guten“ Lieferanten. Wenn täglich im Vorfeld des MD-EoD ein Contributor Scoring durchlaufen wird, können stets aktuelle Ergebnisse im IPV verwendet werden. Process Quality Scoring: der automatische IPV muss verlässliche Ergebnisse liefern. Deshalb muss die Qualität der „Rule-Sets“ fortlaufend geprüft und – falls erforderlich – verbessert werden. Prüfmethoden bzw. Parameter, die in untypischem Ausmaß FAILED oder auch konstante Werte liefern, müssen identifiziert werden. Ein Analyse-Modul, mit dem nach ausgewählten FAILED-Gründen, als standardisierte Texte vom System vergeben, selektiert werden kann, erlaubt dem User, systematisch Fehlerquellen zu beheben.

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