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RISIKO MANAGER 23.2015

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6 Ausgabe 23/2015

6 Ausgabe 23/2015 Aufrüsten für das digitale Zeitalter Während die IT führender Banken bereits auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters ausgerichtet ist, sind viele andere Finanzhäuser diesbezüglich noch deutlich im Rückstand. Dies zeigt die Studie „Neustart statt Altlast: Wie Banken ihre IT für die Zukunft rüsten“ der Managementberatung Bain & Company. Demnach befindet sich die Mehrzahl der Banken nach eigener Einschätzung seit vier Jahren in einer digitalen Transformation, um dem veränderten Kundenverhalten Rechnung zu tragen. Bain- Prognosen zufolge wird der Anteil digitaler Banktransaktionen bis 2020 auf bis zu 95 Prozent steigen. Die Kunden erwarten zunehmend ein digitales, voll integriertes Kundenerlebnis – und das stets auf dem neuesten Stand der Technik. Mit diesem rasanten Wandel können bislang nur einige Vorreiter mithalten. Zahlreiche IT- Manager hingegen kämpfen aufgrund knapper Budgets mit veralteten Systemen und Anwendungen. Darüber hinaus erfordern die höhere Komplexität des operativen Geschäfts sowie die verschärfte Regulierung umfangreiche Anpassungen der bestehenden IT. Ein wichtiger Baustein bei der digitalen Transformation ist der Abgleich der IT-Prioritäten mit der Gesamtstrategie einer Bank. Dies gelingt nur rund 40 Prozent der größeren Kreditinstitute vollständig und über Jahre hinweg konsistent. Die befragten Manager begründen Diskrepanzen vor allem mit fehlender Dialogkultur zwischen den Fachbereichen und der IT sowie dem mangelnden Verständnis der eigenen Mannschaft für die digitalen Prioritäten des Unternehmens. Auch bei der Umsetzung gibt es noch erhebliche Schwierigkeiten. Die Anwendung agiler Prinzipien wird in Zukunft erfolgskritisch sein. Gemeint ist damit die Abkehr von langen, starren Entwicklungszyklen hin zu einer wesentlich größeren Flexibilität bei der Vorbereitung und Markteinführung von Innovationen. Erst bei gut einem Viertel der Projekte kommen diese Prinzipien zum Einsatz. Bisher binden regulatorische Themen und veraltete Systeme einen Großteil der Investitionsbudgets. Digitale Vorreiter konnten jedoch die notwendigen Investitionen für den Neustart der IT zum Teil durch Einsparungen an anderer Stelle finanzieren. So lassen sich die Kosten der bestehenden Systeme senken – bei führenden Banken um 20 bis 30 Prozent. Spielraum ergibt sich unter anderem auch durch die Einstellung wenig wertschaffender Projekte und die Fokussierung der IT auf die Digitalisierung. Erfolgreiche Kreditinstitute stellen der Untersuchung zufolge drei zentrale Themen in den Mittelpunkt: Sie stimmen die IT-Prioritäten umfassend mit ihrer Gesamtstrategie ab, setzen konsequent auf die agile Weiterentwicklung neuer Applikationen und Dienste und achten dabei auf ein für sie nachhaltig akzeptables Budget. Weitere Informationen sind auf der Website von Bain & Company (www.bain.de) in der Rubrik /Presse verfügbar. Foto: © PureSolution – Fotolia.com Banken verringern Kreditvergabe Die Banken im Euroraum haben die Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte in den vergangenen Jahren reduziert, während sie mehr Geld in Staatsanleihen gesteckt haben. Das könnte gefährlich werden, wie der „Bankenmonitor 2015“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. Der Fehler liegt nach Meinung des IW im System: Noch immer dürfen Europas Banken Staatsanleihen der Euroländer kaufen, ohne dafür Eigenkapital aufzuwenden. Kredite an Firmen und Privatpersonen sind hingegen nur mit ausreichend Eigenkapital möglich. Zudem gibt es für den Kauf von Staatsanleihen keine sogenannte Großkreditbeschränkung, die Banken verbietet, zu viele Anleihen eines Staats zu erwerben. Die Niedrigzinsen tun ein Übriges, um den Kauf von Staatsanleihen rentabler als die Kreditvergabe zu machen. Der IW- Bankenmonitor zeigt auch, dass der staatlich verordnete Eigenkapitalaufbau der Banken dazu geführt hat, dass sie der Wirtschaft weniger Geld zur Verfügung stellen als früher. Dadurch kommt die Konjunktur im Euroraum nur langsam in Schwung: „Wenn sich Unternehmen nur schwer Geld leihen können, können sie nicht investieren, und das Wachstum bleibt auf der Strecke“, sagt IW- Finanzexperte Markus Demary. Für die Finanzexperten des Kölner Instituts gibt es nur einen Weg aus der Misere: Zum einen müssen Staatsanleihen risikoabhängig mit Eigenkapital unterlegt werden. Zum anderen ist eine Großkreditbeschränkung bei Staatsanleihen nötig. Das IW empfiehlt, das Engagement für einen einzelnen Schuldner auf 25 Prozent des Eigenkapitals zu deckeln, so wie es schon heute bei Krediten an Wirtschaftsunternehmen üblich ist. An anderer Stelle wäre es laut IW allerdings sinnvoll, die Regulierung zu lockern: Der Bankenmonitor belegt, dass einlagenstarke sowie profitable Banken mehr Kredite vergeben als die weniger profitable Konkurrenz. Denn die profitablen Banken sind den Risiken des Kapitalmarkts weniger stark ausgesetzt, und sie können leichter Eigenkapital aufbauen. „Die Bankenregulierung sollte deshalb die Profitabilität der Banken nicht zu sehr einschränken“, so IW-Experte Demary. Weitere Informationen sowie die vollständige Studie „Bankenmonitor 2015“ sind auf der Website des IW (www.iwkoeln.de) in der Rubrik /Presse /Pressemitteilungen verfügbar.

7 Fortsetzung von Seite 1 tion und zur grundsätzlichen Einführung in wesentliche Grundlagen von IFRS 9 Impairment sowie in die Transferlogik siehe auch Nußbaum, Maaß und Ringschmidt, 2015]. Ausgangslage Der ECL für Finanzinstrumente ist nach IFRS 9 definiert als unverzerrter barwertiger Betrag, der mittels unterschiedlicher wahrscheinlichkeitsgewichteter Verlustszenarien zu bestimmen ist (IFRS 9.5.5.17). Für Finanzinstitutionen, die einen ECL für die Einjahressicht etwa als das Produkt aus Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD), Verlustquote (Loss Given Default, LGD) und Forderungshöhe bei Ausfall (Exposure at Default, EAD) berechnen, lässt sich die ECL-Formel für die Mehrjahressicht gemäß t Gleichung 01 darstellen. wobei gilt: t Gleichung 01 PD t = marginale Ausfallwahrscheinlichkeit für Periode t; LGD t = LGD für Periode t; EAD t = Buchwert zu fortgeführten Anschaffungskosten in Periode t; D t = der Satz für die Diskontierung vom Zeitpunkt t auf den Bilanzstichtag; T = Restlaufzeit des Finanzinstruments. Bei der Berechnung des ECL sind IFRS- Bilanzierer angehalten, alle angemessenen und vertretbaren Informationen, die zum Bilanzstichtag ohne unzumutbare Kosten und/oder Aufwände verfügbar sind, zu berücksichtigen. Die verwendeten Daten sollen Informationen über vergangene Ereignisse und die aktuelle sowie prognostizierte zukünftige Konjunkturlage enthalten [IFRS 9.5.5.17, IFRS 9.5.5.4, IFRS 9. B5.5.49]. Die Schätzung des ECL soll die Veränderungen der beobachtbaren Konjunkturdaten von Periode zu Periode hinreichend widerspiegeln [IFRS 9.B5.5.52]. IFRS 9 erkennt an, dass eine zuverlässige Prognose der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung nur für Perioden von kürzerer und mittlerer Länge möglich ist. Daher sieht der Standard vor, Prognosen für weit in der Zukunft liegende Perioden durch die Extrapolation verfügbarer Informationen abzubilden [IFRS 9.B5.5.50]. Ein mögliches Vorgehen besteht in der Nutzung vorhandener Kreditrisikoparameter- bzw. ECL-Schätzungen, die dann mithilfe von Anpassungsfaktoren so erweitert werden, dass sie sowohl die aktuelle als auch die über einen definierten zukünftigen Zeitraum antizipierte Konjunkturlage reflektieren. Grundsätzlich sind dabei zwei Anpassungsebenen zur Berücksichtigung zukunftsgerichteter Informationen denkbar – die ECL-Ebene und die Ebene der einzelnen Kreditrisikoparameter. Bei Anpassung auf ECL-Ebene muss darüber hinaus die singuläre Auswirkung auf den Kreditrisikoparameter PD abgeleitet werden. Die Ableitung eines solchen PD-Anpassungsfaktors wird benötigt, da nach IFRS 9 ein Transfer nach Stufe II nicht auf Basis der Veränderungen des ECL beruht, sondern ausschließlich auf Basis der PD [IFRS 9.5.5.9]. Die Anpassung auf ECL-Ebene ist aufgrund der Berücksichtigung von Abhängigkeiten zwischen den Kreditrisikoparametern PD, LGD und EAD auf der ECL- Ebene vorteilhaft. Jedoch ist es weniger transparent und birgt das nicht-triviale Problem der Allokation des ECL-Anpassungsfaktors auf die PD. Bei der Anpassung auf der Ebene der einzelnen Kreditrisikoparameter wird dagegen für jeden einzelnen Parameter ein separater Anpassungsfaktor berechnet. Dieser Ansatz wiederum könnte zu einer Über- bzw. Unterschätzung der Auswirkungen zukunftsgerichteter Information führen, wenn die Korrelation zwischen den Parametern außer Acht gelassen wird. Allerdings wird letztere Methode aufgrund ihrer hohen Transparenz und Kommunizierbarkeit sowie meist vorhandener Modelle zur Prognose von Ausfallraten in Abhängigkeit von makroökonomischen Zuständen (z. B. für Stresstests) regelmäßig von den Instituten bevorzugt. Wegen des zusätzlichen Einflusses auf die Transferlogik ist die entsprechende Anpassung der PD bei weitem der bedeutsamste Teilaspekt der ECL-Modellierung. Aus diesem Grund liegt der Fokus dieses Artikels auf der Integration zukunftsgerichteter Informationen in die Schätzung der PD. Die bestehenden Ratingsysteme der Institute sind zumeist auf eine Verwendung im Rahmen der auf internen Ratings basierenden Ansätze (IRB) gemäß CRR (Basel II/III, nachfolgend kurz „Basel“) ausgerichtet. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass solche PDs im Wesentlichen aus folgenden Gründen oft nicht unmittelbar alle IFRS-9-Anforderungen erfüllen: 1. Kalibrierung auf langfristiges Durchschnittsniveau der Ausfallraten (aktuelle Konjunkturlage wird dabei meist nicht ausreichend berücksichtigt); 2. konservative Aufschläge z. B. für Modellunsicherheiten, die häufig implizit integriert sind und somit nicht einfach separiert bzw. entfernt werden können; 3. häufig keine (ausreichende) Berücksichtigung von makroökonomischen Informationen bzw. von die künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen reflektierenden Informationen (besonders evident im Retail-Segment). Am 2. Februar 2015 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) das Konsultationsdokument „Guidance on accounting for expected credit losses“ (vgl. BCBS, 2015) veröffentlicht, das aus aufsichtsrechtlicher Perspektive einen IFRS- 9-spezifischen Anhang umfasst. Das Dokument richtet sich insbesondere an international tätige sowie IRB-Banken und sieht u. a. die Verwendung bestehender Basel- Ratingsysteme als Ausgangspunkt für die ECL-Berechnung trotz der oben genannten Einschränkungen explizit vor (BCBS 2015, Art. 8). Für ein solches Vorgehen sprechen die folgenden Gründe: 1. Basel-PDs nutzen regelmäßig viele der grundsätzlich für eine trennscharfe Bonitätsprognose notwendigen qualitativen und quantitativen Informationen und erfüllen damit bereits einige der Anforderungen aus IFRS 9. 2. Eine Einführung völlig neuer Schätzmodelle für IFRS 9 parallel zu den bestehenden Basel-Modellen, deren Ergebnisse und Wirkungsweisen später wiederum validiert, analysiert und mit den Basel-Modellen abgeglichen werden müssten, widerspricht grundsätzlich dem Ansatz einer integrierten Banksteuerung. Somit ist es auch wenig überraschend, dass das BCBS empfiehlt, bestehende Ratingsysteme grundsätzlich auch für die ECL-Berechnung unter IFRS 9 zu nutzen, sie aber gemäß den abweichenden Anforderungen entsprechend anzupassen (BCBS 2015, Art. 8). Auf dieser Basis soll in diesem Beitrag dargestellt werden, wie eine solche Anpassung in der Praxis umgesetzt werden kann. Hierbei werden ver-

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