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RISIKO MANAGER 23.2015

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RISIKO MANAGER ist die führende Fachzeitschrift für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen.

24 firm Frankfurter

24 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung Ursachen der heutigen Krise. Staatliche Einlagensicherungsfonds hätten dazu geführt, dass sich Manager und Investoren zu sicher gefühlt hätten und daher übermäßig Risiken eingegangen seien (Stichwort „moral hazard“). Ihrer Meinung nach ist das Risiko von Krisen in einem Land umso größer, je stärker die Finanzinstitute durch ein staatliches Sicherheitsnetz geschützt sind. Im Umkehrschluss heißt das: Banken müssen dem Risiko des Scheiterns ausgesetzt sein. Wolfgang Hartmann: Ich teile die Ansicht, dass zunächst einmal die Bankmanager, aber bei wiederholtem Management-Versagen, auch die Banken selbst dem Risiko des Scheiterns ausgesetzt sein müssen. Im Zuge der Innovationen, die leistungsfähigere Banken entstehen oder stärker wachsen lassen, sollten eben auch die „Dinosaurier“ aussterben und möglichst geräuschlos vom Markt verschwinden. Insofern darf das Scheitern regulatorisch nicht ausgeschlossen werden. Ich teile aber die Ansicht des Baseler Committees for Banking Supervision, wonach der Schutz der Anleger über den Schutz der Aktionäre einer Bank geht. Und hier sind eben die Kleinanleger mit Einlagen bis 100.000 Euro besonders schutzbedürftig. Im Rahmen des „bail-in“ sollten zunächst die Aktionäre und danach kaskadenförmig die Debitoren nach dem Risikogehalt ihrer Forderungen herangezogen werden. Zielsetzung ist dabei, die Bank möglichst effizient zu restrukturieren, in Teile zu zerlegen, diese zu verkaufen oder abzuwickeln. Und genau dies hat die Bankenabwicklungsrichtlinie BRRD zum Ziel. FIRM-Redaktion: Welche Herausforderungen des Risikomanagements schätzen Sie für die nächste Dekade als dringend bzw. intellektuell herausfordernd ein? Wolfgang Hartmann: Die Überwachung der „Non Financial Risk“ mit ihren vielen Ausprägungen, von der Geldwäsche über die Terror- Finanzierung bis zum Kreditbetrug und der Marktmanipulation, sind für Banken besonders schwer. Es birgt für das Management auch die größten persönlichen Konsequenzen. Dagegen gehören einzelne Kreditausfälle schon fast zum Tagesgeschäft und lassen sich – bis auf die Klumpenrisiken – inzwischen auch gut modellieren. Natürlich ziehen auch neue Gefahren am Horizont herauf. Hierzu gehören Cyberrisiken. Hier können durch das Ausspionieren von Kunden- und Kontoinformationen beachtliche Geldbeträge von den Banken zunächst „geräuschlos“ gestohlen werden. Ich schließe nicht aus, dass in Zukunft dadurch einmal auch Banken pleitegehen werden. Eine leistungsfähige und vor internen und externen Manipulationen sichere IT ist somit heute für eine Bank eine Top-Priorität. Ansonsten sehe ich in der weltweit in den Industrienationen anhaltenden Niedrigzinsphase eine große Gefahr für das Entstehen von Asset Bubble, die analog der Subprime-Krise 2008/2009 in Wellen die Finanzindustrie erschüttern können. Gleiches gilt für die weltweiten „hot money flows“ der großen Asset-Manager, die überwiegend in den USA zu Hause sind und deren Repatriierung von Liquidität bei ansteigenden Zinsen einzelne Entwicklungsländer erschüttern dürften. Insofern ist ein sorgfältiges Portfoliomanagement, ausgerichtet an makroprudentiellen Risikofaktoren, für jede einzelne Bank heute fast wichtiger als das Achten auf fundierte Einzelkreditentscheidungen. Und hierzu gehört neben der Bewertung der relevanten Portfolioparameter, inklusive Diversifikation und Korrelation, die Beobachtung des Länder-Risikos, der Transferrisiken, der Liquidität und der Währungsschwankungen. FIRM-Redaktion: Im nächsten Jahr feiert das FIRM seinen siebenjährigen Geburtstag. Was wurde in dieser Zeit erreicht? Wolfgang Hartmann: Wir sind in 2009 mit 19 institutionellen Mitgliedern mit Vereinsbeiträgen von 370.000 Euro jährlich gestartet. Heute sind es 47 institutionelle Mitglieder mit Vereinsbeiträgen von über 800.000 Euro. Diese Verdopplung der Mitgliedsbeiträge sehen wir als einen großen Vertrauensbeweis für die Arbeit von FIRM an. Zudem haben wir heute bis zu 22 Forschungsprojekte an deutschen Hochschulen mit Einzelbeträgen von bis zu 125.000 Euro unterstützt. Wir geben den Forschern Gelegenheit, im Rahmen der jährlichen FIRM-Forschungskonferenz ihre Ergebnisse mit anderen Wissenschaftlern und Praktikern kritisch zur Diskussion zu stellen. Mit der Frankfurt School und dem House of Finance der Goethe-Universität haben wir Ausbildungsprogramme speziell für Risikomanager entwickelt, die berufsbegleitend zum Abschluss des „Master of Finance“ führen. Wir entwickeln diese Ausbildungsangebote und die Curricula ständig weiter. Ich selbst habe an beiden Hochschulen in diesen Programmen Lehraufträge in Risk Governance und somit einen unmittelbaren Kontakt zu den Studenten. Dies hilft auch bei der Weiterentwicklung der Curricula. Aber auch die Verzahnungen über die beiden Präsidenten von FIRM, Udo Steffens, der gleichzeitig Präsident der Frankfurt School ist, und Wolfgang König, den Exekutivdirektor des House of Finance, hilft, um auf Fehlentwicklungen schnell zu reagieren und Anstöße für die Weiterentwicklung der Programmangebote zu geben. FIRM arbeitet eng mit Frankfurt Main Finance, der Vertretung des Finanzplatzes Frankfurt, zusammen und bringt als Mitveranstalter des Frankfurt Finance Summit sein Know-how bei dieser wichtigen Veranstaltung des Finanzplatzes ein. Nicht zuletzt wollen wir für alle Risikomanager in Deutschland eine „Heimat“ bieten und auch in der Regulierungsdiskussion unseren Beitrag zur Entwicklung von Best Practice leisten. Ich meine, dass wir als eine noch junge Organisation, die keine Lobby-Arbeit leisten will, hier auf einem guten Weg sind. FIRM-Redaktion: Welche Ziele hat sich der Vorstand für die nächsten Jahre gesetzt? Wolfgang Hartmann: Wir haben eine Strategiekommission damit beauftragt, sich Gedanken um die Weiterentwicklung von FIRM zu machen. Nicht alle Themen, die wir ins Auge gefasst haben, kann ich hier adressieren, da wir zunächst die Gremien noch davon unterrichten müssen. Zwei Themen möchte ich aber adressieren. So haben wir beispielsweise die Vergabe eines Forschungspreises für die beste Promotion aus dem deutschsprachigen Raum zu einem Thema des Risikomanagements in der Finanzindustrie eingeplant. Erstmalig wird dieser Preis am 30. Juni 2016 im Schloss Montabaur vom Vorstandsvorsitzenden der DZ-Bank, Wolfgang Kirsch, an den Preisträger am Ende der Forschungskonferenz überreicht. Außerdem sind wir derzeit bei FIRM dabei, eine eigene Alumni-Organisation aufzubauen und haben dazu auch ein spezielles Kommunikationsprogramm auf unserer Website entwickelt. Zudem planen wir zukünftig enger mit dem Center for Financial Studies (CFS) zusammenzuarbeiten. Insgesamt bin ich guter Dinge, dass wir bis zum Ende der zweiten Amtsperiode des FIRM-Vorstands im März 2017 noch einiges auf den Weg bringen können, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis beim Risikomanagement der Finanzindustrie zu vertiefen. Den Dialog mit den Regulierern der Finanzindustrie wollen wir dabei intensivieren.

25 Ausgabe 23/2015 Wissenschaft Bildquelle: obs/SAS Institute Studie zu Big Data in Banken und Versicherungen Nur 30 Prozent der befragten Banken- und Versicherungsunternehmen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Big Data. Zudem nutzen weniger als die Hälfte die zur Verfügung stehenden Daten für Analysen. Das ist ein Ergebnis der laufenden Studie „Wettbewerbsfaktor Analytics“, die der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam 2015/2016 zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit dem Softwarehersteller SAS durchführt. „Banken und Versicherungen im deutschsprachigen Raum befinden sich in einem harten Wettbewerb. Die Preise für Versicherungsnehmer und Bankkunden sinken kontinuierlich, die Renditen gehen zurück. Dennoch arbeiten Versicherungen und auch einige Banken nach wie vor noch viel zu konservativ. Sie halten an althergebrachten Methoden, beispielsweise bei der Analyse von Risiken oder Erstellung von Zukunftsprognosen, fest. Damit riskieren sie, von innovativeren Unternehmen abgehängt zu werden", erläutert Professor Dr. Norbert Gronau, Leiter der Studie und Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik an der Universität Potsdam. Ein Vorteil durch den Einsatz von Analytics für Versicherungen liegt in der individuellen Ansprache von Bestands- und potenziellen Kunden. Bei Banken sind die Einsatzmöglichkeiten sowohl im Studie der Universität Potsdam belegt: Viele Banken und Versicherungen arbeiten zu konservativ. Privatkunden- als auch im Geschäftskundenbereich sehr vielfältig. Für sie ist das Potenzial im Bereich des Risikomanagements, insbesondere des Liquiditätsmanagements, am größten. Denn durch gezielte Analysen können zum Beispiel Kosten für kurzfristige Kredite eingespart werden. Wie die Studie weiter zeigt, sind Banken und Versicherungen, auch bedingt durch gesetzliche Vorgaben und Regeln, etwa im Vergleich zur Fertigungsindustrie deutlich zukunftsorientierter ausgerichtet. Die Befragten würden künftige Analysen aus den verfügbaren Daten vor allem für Zukunftsprognosen (80 Prozent), für die Aufdeckung von Optimierungspotenzialen (70 Prozent) sowie für die Identifikation von Schwachstellen (60 Prozent) und für eine höhere Wertschöpfung (60 Prozent) nutzen. Befragt wurden Manager der ersten und zweiten Führungsebene von mehr als 1.000 Unternehmen der Banken- und Versicherungsbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weitere Informationen unter: www.sas.com Neues Paper zur Expansion von Banken Martin Götz, Professor für Regulierung und Stabilität von Finanzinstituten am LOEWE-Zentrum SAFE der Goethe-Universität Frankfurt, hat mit Luc Laeven (EZB) und Ross Levine (Berkeley) ein Paper „Does the Geographic Expansion of Banks Reduce Risk?“ veröffentlicht. Inhaltlich steht die Frage im Mittelpunkt, ob eine Expansion Banken sicherer oder anfälliger macht. Um den tatsächlichen Beitrag geografischer Diversifizierung zum Bankenrisiko zu ermitteln und gleichzeitig Aspekte wie Kosteneffizienz und Komplexität zu berücksichtigen, nutzten die Forscher dafür Änderungen in der Regulierung von US-Banken. Zwischen den 1980er und 1990er Jahren begannen immer mehr US-Bundestaaten, staatenfremden Banken das Eröffnen von Zweigstellen zu erlauben. Diese Gesetzesänderungen ermöglichten es den Forschern, eine Reihe von Analysen auf Basis von Daten US-amerikanischer Banken in unterschiedlichen Metropolregionen durchzuführen und so den Beitrag geografischer Diversifizierung zum Bankenrisiko zu messen. Ihr Ergebnis: Geografische Diversifizierung reduziert Risiken und hat keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der vergebenen Kredite. Nach den Worten von Martin Götz ist dieses Ergebnis von großer Bedeutung für die Bankenregulierung. Götz: „Regulierungsmaßnahmen sind Ergebnis einer Abwägung verschiedener Motive und Ziele. Aus Sicht der Regulierenden kann man beispielsweise das Anliegen verfolgen, die geografische Diversifizierung von Banken zu begrenzen, weil es einfacher ist, eine kleinere Bank zu überwachen als eine große. Vor dem Hintergrund unserer Ergebnisse muss der Regulierer dabei jedoch in Betracht ziehen, dass Banken dann das risikovermindernde Potenzial der Diversifikation nicht nutzen können.“ Weitere Informationen unter: www.hof.uni-frankfurt.de

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