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RISIKO MANAGER 19.2015

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10 Ausgabe 19/2015

10 Ausgabe 19/2015 vielfach Probleme in Verbriefungen sichtbar wurden. Es ist zu erkennen, dass das Idealbild einer „qualifying securitisation“ solche Transaktionen vor Augen hat, bei denen es nur um die Transformation von Bilanzaktiva in kapitalmarktfähige Wertpapiere geht, also der Investor nur Risiken auf sich nimmt, die im Zusammenhang mit den verbrieften Vermögenswerten stehen und diese Risiken ausreichend transparent ausgewiesen werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Hinweis des BCBS und des IOSCO [vgl. IOSCO 2015, S. 7], dass auf die Historie des Originators, Sponsors, Servicers und anderer Parteien zu achten ist, wenngleich dies auch kein Kriterium sein soll, weil sonst der Zugang zum Verbriefungsmarkt für neue Teilnehmer erschwert wäre. Sind qualifizierte Verbriefungen erst einmal definiert, dann sollen in einem zweiten Schritt die Eigenmittelanforderungen für sie reduziert werden. Dies setzt allerdings auch eine Mindest-Kreditqualität der zugrunde liegenden Assets voraus, um eine Anwendbarkeit der privilegierten Eigenmittelanforderungen auf sehr riskante oder volatile Assets zu verhindern. Die maßgebliche Identifizierung der qualifizierten Verbriefungen erfolgt nach einem Drei-Säulen-Modell. Säule 1: „simple“ • Bedeutet, dass die Verbriefung mit homogenen Assets unterlegt ist und hinsichtlich der Währung und des Rechtssystems keinen unüblichen Risiken unterworfen ist; • bedeutet die Vermeidung von Konstellationen, in denen sich das Kreditausfallrisiko durch strukturelle Faktoren erhöht. Säule 2: „standard“ • Bedeutet eine Übereinstimmung mit den Retention Rules nach Art. 405 der CRR (oder gleichwertigen außereuropäischen Regeln); • bedeutet eine Absicherung gegen Zinsänderungs- und Währungsrisiken; • bedeutet eine Beschränkung auf gängige/marktübliche Zinssätze; • bedeutet eine vertragliche Regelung der Pflichten des Trustees, des Servicers und anderer Beteiligter sowie bestimmter Prozesse und Verantwortlichkeiten. Säule 3: „transparent“ • Bedeutet, dass die Publizitätsanforderungen gewahrt sein müssen; • bedeutet, dass die Transaktionsdokumentation bestimmten Anforderungen genügen muss, und den Investoren Zugang zu den relevanten Daten gewährt sein muss. Weitergehende Spezifizierung der zuvor genannten Kriterien zur Identifizierung von qualifizierten Verbriefungen für ABCP Für den Bereich der ABCP-Verbriefungen gehen die Kriterien insofern noch einen Schritt weiter, als dass die Kriterien für Verbriefungen einerseits für die Verbriefungen, in welche das ABCP investiert, anwendet werden, andererseits aber auch auf Ebene der ABCP beziehungsweise anderer Risikopositionen am Conduit [vgl. European Banking Authority 2015, S. 65]. Die einzelnen Kriterien für qualifizierte ABCP werden auf den Seiten 69 bis 90 des EBA Reports dargestellt und stellen hohe Hürden auf, die nicht immer dem besonderen Charakter der ABCP-Verbriefungen (und der Praxis) gerecht werden. Kritikpunkte sind vor allem wie folgt: • Das Laufzeitlimit von einem Jahr (Kriterium 4(v)) erscheint unnötig, da ABCP- Verbriefungen das Liquiditätsproblem schon auf den Sponsor übertragen haben und dieser (in der Regel als Bank) schon anderweitig das Risiko der Fristentransformation beachten muss (beispielsweise im Rahmen der Liquidity Coverage Ratio). • Disclosure documents (unter anderem Kriterien 2, 14 und 16): Insbesondere bei „fully supported“ ABCP-Verbriefungen erscheint eine solche Informationsdichte auf Einzeltransaktionsbasis nicht notwendig, da der ABCP-Investor in erster Linie das Risiko des „Liquidity Providers“ trägt; • Limits bei den Risikogewichten (beispielsweise für Retail Exposures) sind extrem schwer zu überwachen und machen es Investoren nicht leicht, dauerhaft mit einer qualifizierten ABCP-Verbriefung zu rechnen. Vor dem Hintergrund, dass ABCP-Investoren in erster Linie „Money Market Funds“ sind, die nur in qualifizierte ABCP-Verbriefungen investieren werden, erscheinen die Kriterien teilweise als zu weitreichend. Anpassungen des Rahmenwerks des Basel Committee on Banking Supervision vom Dezember 2014 Der EBA Report [vgl. European Banking Authority 2015, S. 91 ff.] empfiehlt eine Reihe von Nachbesserungen gegenüber dem im Juli 2015 veröffentlichten Dokument des BCBS und des IOSCO mit dem Titel „Criteria for identifying simple, transparent and comparable securitisations“: • Halbierung des Kapitalaufschlags auf Verbriefungen unter IRBA; • Anpassung der Nachschlagetabellen für Risikogewichtungen; • Herabsetzung des Floors von 15 Prozent auf 10 Prozent für qualifizierte Senior- Tranchen unter IRBA und SA; unter ERBA Herabsetzung von 15 Prozent auf 10 Prozent für Tranchen mit einem Jahr Laufzeit, von 20 Prozent auf 15 Prozent bei 5 Jahren Laufzeit. Überarbeitung des Securitisation Rahmenwerks durch das BCBS Hintergrund Das Dokument wird flankiert von dem zeitgleich veröffentlichten Konsultationspapier zu den Kriterien von einfachen, transparenten und vergleichbaren Verbriefungstransaktionen [vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2015]. Grundlage für das Dokument sind Konsultationspapiere aus dem Dezember 2012 [vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2012] und Dezember 2013 [vgl. Basel Committee on Banking Supervision 2013]. Die Änderungen sollen Anfang 2018 in den jeweiligen Staaten umgesetzt sein. Die generelle Zielsetzung des Dokumentes ist eine Überarbeitung der Verbriefungsregeln und das Ausgleichen der Unzulänglichkeiten von Regeln auf Basel-II- Ebene, insbesondere bezüglich einer unzureichenden Kapitalausstattung bei bestimmten Risikopositionen, sowie der vorgenommenen Risikogewichtung. Zudem sollen Anreize für gutes Risikomanagement geschaffen werden. Konkrete Zielvorgaben für ein überarbeitetes Verbriefungsrahmenwerk sind wie folgt: • Reduktion der mechanischen Verwendung externer Ratings; • Verstärken des Risikogewichts für Risikopositionen mit hohem Rating;

11 • Verringerung des Risikogewichts für Senior-Risikopositionen mit niedrigem Rating; • Reduzierung von Klippeneffekten und Verstärkung der Risiko-Empfindlichkeit und Vereinfachung des Rahmenwerks; • Setzen von Anreizen für die Verbesserung des Risikomanagements; sowie • Herstellen von Transparenz und Vergleichbarkeit von Risikopositionen zwischen einzelnen Banken und verschiedenen Jurisdiktionen. Maßgebliche Veränderungen im Verbriefungsrahmenwerk Das vorgeschlagene Rahmenwerk sieht eine neue Ansatzhierarchie zur Berechnung der risikogewichteten Positionsbeträge vor (vgl. t Abb. 01), mit dem Ziel einer Reduzierung des Einflusses externer Ratings und der Vereinfachung des Verfahrens. SEC-IRBA Das SEC-IRBA ist anwendbar für alle Banken nach aufsichtsbehördlicher Genehmigung des jeweiligen IRB-Modells. Die Voraussetzung für die Genehmigung ist ein geeignetes IRB-Modell und das Vorhandensein von ausreichenden Informationen zur Bestimmung der IRB-Eigenmittelanforderungen für den Pool von verbrieften Assets. Der SEC-IRBA ist ab einer Schwelle von 95%-IRBA-fähiger Forderungen im Pool anwendbar. Er basiert auf dem „Simplified Supervisory Formular Approach“ (SSFA). Berücksichtigt werden die Dicke der Tranchen, die Laufzeit der Verbriefungstranche (mit dem Ziel der Vermeidung von Klippeneffekten) und die Kapitalanforderungen, die für die Forderungen gegolten hätten, wenn sie nicht verbrieft worden wären (= K IRB , Kapitalanforderungen der underlying Risikoposition im Pool: Summe der Risikoposition des Pools). SEC-ERBA Das SEC-ERBA basiert auf dem Kreditrating einer externen Rating-Agentur. Anhand von Nachschlagtabellen mit Risikogewichtungen für short-term- und longterm-Ratings für die Laufzeiten von ein und fünf Jahre sollen die entsprechenden Risikogewichte bestimmt werden (ggfs. auch durch Interpolation). Es ist grundsätzlich ein höheres Risikogewicht für Non-Senior-Tranchen vorgesehen. Dieses ist aber modifizierbar je nach Dicke der Tranche, wobei auch die Restlaufzeit der Verbriefungsposition berücksichtigt wird. Eine Anwendung in den USA ist unwahrscheinlich, da Bezugnahmen auf Ratings unter Dodd-Frank nicht erlaubt sind (vgl. Section 939A Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act). SEC-SA Veränderungen im Verbriefungsrahmenwerk Das SEC-SA basiert auf den Kreditrisikostandardansatz-Kapitalanforderungen (KSA, risikogewichtete Aktiva: Risikopositionswerte multipliziert mit acht Prozent), der Tranchendicke und dem Anteil der leistungsgestörten Positionen „W“ (Summe aller leistungsgestörten Positionen: alle t Abb. 01 Securitisation Internal Ratings-Based Approach (SEC-IRBA) Securitisation External Ratings-Based Approach (SEC-ERBA) (if permitted in jurisdiction) Securitisation Standardised Approach (SEC-SA) Quelle: Basel Committee on Banking Supervision, Revisions to the securitisation framework, 11.12.2014, S. 3. Positionen im Pool), das heißt alle Exposures mit Leistungsverzug von mindestens 90 Tagen oder solche, die Gegenstand eines Insolvenz- oder Zwangsvollstreckungsverfahrens sind oder nach der Vertragsdokumentation der Verbriefung als ausgefallen gelten. Es ist der einzige auf Wiederverbriefungen anwendbare Ansatz. Auffangrisikogewichtung Sofern die vorstehenden Ansätze nicht genutzt werden können, kommt eine Risikogewichtung von 1.250 Prozent zur Anwendung. Einführung von Floors und Caps für die Risikogewichtung Auf alle Ansätze findet ein Floor von 15 Prozent Anwendung. Für das Risikogewicht von Senior-Risikopositionen findet ein Cap Anwendung. Dieser entspricht dem Durchschnittsrisikogewicht, das auf die „underlying Assets“ Anwendung findet. Bei den Eigenmittelanforderungen für Banken, die als Originator oder Sponsor auftreten und SEC-ERBA oder SEC-SA nutzen, können die hypothetischen IRB-Kapitalanforderungen angewendet werden, die zur Anwendung gekommen wären, wenn das Underlying nicht verbrieft worden wäre, soweit die Banken, welche Originator, Sponsor oder Investor sind, SEC-IRBA, SEC-ERBA oder SEC-SA anwenden. Bei Re-Securitisations gilt ein Floor von 100 Prozent für das Risikogewicht, wobei keine Caps zur Anwendung kommen. q Quellenverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise Basel Committee on Banking Supervision [2012]: Revisions to the Basel Securitisation Framework – consultative document, December 2012, http://www.bis.org/publ/ bcbs236.htm Basel Committee on Banking Supervision [2012]: Revisions to the securitisation framework – consultative document, December 2013, http://www.bis.org/publ/bcbs269.htm Basel Committee on Banking Supervision und Board of the International Organization of Securities Commissions [2015]: Criteria for identifying simple, transparent and comparable securitisations, Juli 2015. European Banking Authority [2015]: Opinion of the European Banking Authority on a European framework for qualifying securitisations, 7 July 2015, EBA/Op/2015/14, http://www.eba.europa.eu/documents/10180/983359/ EBA-Op-2015-14+Opinion+on+qualifying+securitisation.pdf Autor: Andreas Lange, Rechtsanwalt, Partner, Mayer Brown LLP, Frankfurt am Main.

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