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RISIKO MANAGER 18.2015

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8 Ausgabe 18/2015 die

8 Ausgabe 18/2015 die Frage, ob die Rentenversicherung angesichts notwendiger Nachreservierungen zukünftig mehr und mehr zum Auslaufmodell tendiert. Sinkende Mortalität bei niedriger Fertilität führt zwangsweise zur Gerontokratie, der sogenannten „Herrschaft der Alten“. Im Jahr 2030 wird Deutschland mit einem geschätzten Rentneranteil von 46,2 Prozent das Land mit der ältesten Bevölkerung der Erde repräsentieren. Voraussichtlich acht Prozent der Bevölkerung der Bundesrepublik werden dann sogar über 80 Jahre alt sein. Mit der überproportionalen Entwicklung der Lebenserwartung der älteren Bevölkerung geht zugleich eine Veränderung der Arbeitswelt und Bedürfnissituation einher. Geriatrische Produkte gewinnen an Bedeutung, der Altersvorsorgebedarf steigt. Für die Versicherer entstehen mit der alternden Bevölkerung neue Risikowelten und neue Zielgruppen, bedarfsund bedürfnisgerechte Produkte rücken in den Vordergrund und entscheiden letztendlich über die Produktakzeptanz. Während die durchschnittliche Haushaltsgröße im Jahr 2012 noch 2,01 Personen betrug, wird sie für das Jahr 2030 voraussichtlich auf durchschnittlich 1,88 Personen absinken. Aktuell sind 64 Prozent der deutschen Haushalte Ein- und Zweipersonenhaushalte, nur noch vier Prozent sind Fünf- und Mehrpersonenhaushalte. Die Veränderung der Haushaltsgrößen bestimmt Werte- und Vorsorgeüberlegungen, ergo bieten sich als Maßnahmen Angebotsveränderungen (hin zu Single- und DINKS-Produkten) sowie Versicherungen als Lebensabschnittsprodukte an. Die demografische Entwicklung wird stark durch den medizinisch-technischen Fortschritt getragen, welcher das Langlebigkeitsrisiko katapultiert und zu signifikanten Kostensteigerungen der Diagnose-, Behandlungs- und Pflegemethoden führt. Die hieraus erwachsenden steigenden Risikokosten zeigen Änderungsrisiken für die Versicherer auf, denen durch eine mögliche Beschneidung des Leistungsprogramms begegnet werden kann, möglicherweise sogar muss. Unter demografischen Aspekten werden die Finanzmärkte insbesondere durch das Bevölkerungswachstum und die Altersstruktur beeinflusst. Das Bevölkerungswachstum bestimmt das Wirtschaftswachstum und folglich die langfristigen Gewinnerwartungen der Unternehmen. Die Altersstruktur determiniert langfristig Kapitalangebot und -nachfrage gemäß des Lebenszyklusmodells. Des Weiteren ist das demografisch bedingte Wirtschaftswachstum ein essenzieller Faktor für die Solidität der Staaten. Dass heißt letztlich ist, unabhängig von der gegenwärtigen Geldpolitik, langfristig mit einer sinkenden Kapitalnachfrage zur Finanzierung privatwirtschaftlicher Investitionen zu rechnen, hingegen steigen die Finanzierungsbedarfe der öffentlichen Haushalte als Folge von Kostenanstiegen für Gesundheitsversorgung und Pensionsverpflichtung. Sinkende Investitionen führen aber zu zurückgehenden Steuereinnahmen und Sozialabgaben. Diese auseinanderklaffende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird sich folglich in einer Verschlechterung der Schuldnerbonität der öffentlichen Hand widerspiegeln [vgl. Sal. Oppenheim 2015]. Regulatorische und betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen der Versicherungswirtschaft Die Diseconomies of Risk (zum Erhalt des Wohlstands müssen überproportional höhere Risiken eingegangen werden) lassen Risiken in Versicherungsunternehmen exponentiell ansteigen. Zunehmend steht die Frage nach der Versicherbarkeit von Risiken im Fokus des Risikomanagements. Die subjektiven Risikofaktoren (Moral Hazard) gewinnen fortwährend an Bedeutung und erschweren somit eine risikoadäquate Kalkulation. Ein stetig ansteigender globaler Wettbewerb innerhalb der Versicherungswirtschaft und internationale Verflechtungen auf dem Kapitalmarkt stellen die Risikomanager vor neue Herausforderungen. Als Konsequenz aus dem Niedrigzinsniveau sind Lebensversicherer seit dem Jahr 2011 angehalten, eine zusätzliche Risikoreserve aufzubauen. Bilanziell bildet die Zinszusatzreserve eine versicherungstechnische Rückstellung, die die wachsende Zinslücke zwischen Garantiezins und einem, aus dem zehnjährigen Renditedurchschnitt von Staatsanleihen ermittelten, Referenzzins schließen soll. In den Jahren 2011 bis 2014 wurden rund 21 Mrd. Euro dieser Zinszusatzreserve zugeführt – ein Betrag, dessen Volumen um circa 50 Prozent höher ist als das Eigenkapital der deutschen Lebensversicherer. Diese Zinszusatzreserve wird durch den Verkauf hoch verzinslicher Anleihen und der Realisation stiller Reserven finanziert. Unvermeidbar ist daraufhin die Aufnahme niedrigverzinslicher Anleihen in das Portfolio des Lebensversicherers, womit die Transaktionen zur Bestellung der Zinszusatzreserve das Niedrigzinsproblem der Versicherungswirtschaft verstärken. Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) wurde politisch als Reformgesetz zur Stärkung der Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer im anhaltenden Niedrigzinsniveau mit dem Ziel, die den Versicherten zugesagten Zinsgarantien auch langfristig aus der Substanz bedienen zu können, geschaffen. Im Rahmen des LVRG wurde der Höchstrechnungszins auf 1,25 Prozent gesenkt. Eine Kompensation der für die Versicherungsnehmer nachteiligen Absenkung des Garantiezinses soll durch eine erhöhte Beteiligung an den Risikoüberschüssen erfolgen (90 Prozent statt bisher 75 Prozent). Zudem wird die kontinuierlich kritisierte Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven in dem Maße gesenkt, dass lediglich der Teil der Bewertungsreserven ausgeschüttet wird, der ökonomisch tatsächlich vorhanden ist und den Sicherungsbedarf des Lebensversicherungsunternehmens nicht angreift. Damit wird die groteske Situation abgeschafft, die die Lebensversicherer zwingt, in Zeiten niedriger Marktzinsen und korrelierenden mageren Kapitalerträgen, wichtige Substanz zugunsten einer fünfzigprozentigen Beteiligung an den Bewertungsreserven zu verkaufen, womit zukünftige Bestandskunden benachteiligt würden. Verbunden mit einer Dividenden-Ausschüttungssperre und einer, die Versicherungsproduktion einschränkenden, Deckelung des Höchstzillmersatzes auf 25 Promille, stellt sich die Lebensversicherungswirtschaft mittlerweile die Frage, ob die mit dem LVRG verbundenen Auflagen nicht ein zur Ausschüttung der Bewertungsreserven überkompensierendes Wagnis darstellen. Die Tarifierung in der Lebensversicherung orientierte sich bislang, in Anlehnung an die Deckungsrückstellungsverordnung, an einer Mindestverzinsung über die Gesamtvertragslaufzeit. Der Schlüssel für eine zukunftsfähige Produktpolitik kann nur durch eine Abkehr von tradierten Garantiekonzepten erreicht werden. Es bedarf neuer Garantiekonzepte beziehungsweise Produkte ohne Garantie oder mit konditionierten Garantieansprüchen. Selbst die regulatorisch vorgesehene, minimale Beitragsgarantie, beispielsweise in der betrieblichen

9 Altersvorsorge, erfordert in Abhängigkeit der unternehmensindividuellen Kostensituation eine Sollverzinsung zwischen 0,5 und einem Prozent. Die klassische Versicherungsbetriebslehre definiert Versicherung einerseits als „Risikoübernahme gegen Entgelt“ beziehungsweise stellt andererseits das Prinzip des „kollektiven Sparens“ heraus. Im derzeitigen Umfeld bedeutet dies umso mehr, Produkte zu entwickeln, die dem Versicherungsnehmer (kostengünstigeren) Zugang zu Assetklassen und Investitionsmöglichkeiten bieten, zu denen der Durchschnittssparer allein keinen Zugang hätte. Durch die Etablierung von börsengehandelten Indexfonds (ETF) wurde die Messlatte für die Assekuranz implizit jedoch deutlich erhöht. Die Finanztransaktionssteuer wird aktuell nur noch von zehn EU-Ländern geplant, stellt aber eine weitere finanzielle Belastung für die Versicherungswirtschaft in ihrer Rolle als Kapitalanleger dar. Die EU verfolgt mit dieser Steuer das Ziel der Verhinderung des Hochfrequenzhandels sowie von unerwünschten Spekulationen. Diese Steuer beträgt 0,1 Prozent im Rahmen des Handels mit Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent bezüglich des Derivatehandels. Davon betroffen sind insbesondere jegliche Formen der privaten Altersvorsorge. Die Finanztransaktionssteuer führt somit unweigerlich zu einem Paradoxon, indem die Rendite notwendiger Altersvorsorgeverträge durch diese zusätzliche Steuer geschmälert wird. Zumindest einigte sich der europäische Trilog (Europäisches Parlament, Europäischer Rat, Europäische Kommission) auf eine Nicht-Berücksichtigung der Finanztransaktionssteuer bei staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten. Seit August 2012 greift mit der European Market Infrastructure Regulation (EMIR) eine EU-Richtlinie, die als Folge der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 einen transparenteren und sicheren Handel von außerbörslichen Derivategeschäften anstrebt. Künftig standardisierte OTC-Derivate müssen über zentrale Gegenparteien abgewickelt und an Transaktionsregister gemeldet werden. Rück- und Versicherungsunternehmen nehmen die Rolle als finanzielle Gegenpartei ein. Infolgedessen müssen bereits bei Vorliegen des ersten OTC-Derivatevertrags die entsprechenden Regulierungen berücksichtigt werden, unabhängig davon zu welchem Zweck das Derivat erworben wurde. Seit Februar 2014 sind Gegenparteien verpflichte, jeden Neuabschluss von Derivatekontrakten zu melden. Insofern nimmt der administrative, operationelle und ebenso der finanzielle Aufwand des Versicherungsunternehmens zu. Mit der Insurance Distribution Directive (IDD) werden Informationspflichten und Transparenzanforderungen für alle Wege der Versicherungsvermittlung eingeführt, um Versicherungskunden vor Falschberatung und Fehlverhalten zu schützen. Diese voraussichtlich im Jahr 2015 in Kraft tretende Richtlinie sieht eine Offenlegung der Vergütungsstrukturen von Versicherungsvermittlern gegenüber ihren Kunden vor. Konsequenzen ergeben sich nicht nur für das Berufsbild des Vermittlers, die Richtlinie führt ebenfalls zu einem zusätzlichen Aufwand durch die Anpassung der IT- Landschaft an die neuen Anforderungen. Die Sinnhaftigkeit dieser Richtlinie wird von Branchenverbänden kritisiert, zumal nur rund zehn Prozent der Kunden an einer Offenlegung der Vergütung interessiert sind. Seit nunmehr 14 Jahren feilt die europäische Versicherungswirtschaft am regulatorischen Jahrhundertwerk Solvency II. Durch seine Auswirkungen auf Kapitalausstattung, Prozesse und Offenlegung wird Solvency II eine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells der Versicherungswirtschaft provozieren [vgl. Romeike/Müller-Reichart 2011]. Die verbindliche Einführung von Solvency II im Jahr 2016 bringt die Versicherungswirtschaft schon jetzt im Rahmen der Vorbereitungsphase an den Rand ihrer personellen Ressourcen. Im Verlauf der Vorbereitungsphase sind neben der Etablierung geforderter Governance-Strukturen das Own Risk and Solvency Assessment (ORSA), die Berichterstattung der 3. Säule und die Vorantragsphase interner Modelle umzusetzen. Neben der hohen Ressourcenbindung sehen sich die Versicherungsunternehmen auch der Rechtsunsicherheit bezüglich der individuellen, nationalen Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen gegenüber. Die finalen Implementing Technical Standards werden seitens der EIOPA im Sommer 2015 erwartet. Vertriebspolitische Entwicklungen als Rahmenbedingungen des Geschäftsmodells der Versicherungswirtschaft Versicherungsprodukte waren, sind und bleiben Push-Produkte und müssen dem Versicherungsnehmer aktiv verkauft werden. Für den Verkaufserfolg ist das in die Branche und ihre Produkte gesetzte Vertrauen eine „conditio sine qua non“. Wie in der klassischen Versicherungsökonomie postuliert, ist unter anderem das Vertrauen in die eigene Währung sowie in die damit verbundene Geldpolitik konstitutiv für den Absatz langfristiger Sparprodukte mit Nominalwertversprechen [vgl. Farny 2011]. Neben der sogenannten Sparfähigkeit ist jene Sparbereitschaft ausschlaggebend für den Absatz langfristiger Sparverträge, wie beispielsweise insbesondere von Lebens- und Rentenversicherungen. Letztlich hat die stabilitätsorientierte Geldpolitik der Bundesbank einen unschätzbaren Beitrag geleistet, dass die Lebensversicherung zu dem erfolgreichsten Finanzprodukte in Deutschland mit (derzeit immer noch) mehr Verträgen als Einwohnern geworden ist. Jedoch nimmt die Bereitschaft zum langfristigen Sparen aufgrund einer veränderten EZB-Geldpolitik dramatisch ab, wie das GfK-Marktforschungsinstitut festgestellt hat [vgl. Pfeifer 2015]. Inwiefern sich damit die demografisch vergrößernde Vorsorgelücke in der gesetzlichen Rentenversicherung mittels der kapitalgedeckten zweiten und dritten Altersvorsorgeschicht schließen lässt, muss stark bezweifelt werden. Umso mehr ist nun der Versicherungsvertrieb gefordert, den Versicherungsnehmer von der Notwendigkeit einer Altersvorsorge zu überzeugen. Vor diesem Hintergrund fällt das Urteil der Kunden über ihre Versicherungsvermittler dramatisch aus. Der Vertrieb wird allgemein als teuer beschrieben, und grundsätzlich mangele es an einer bedarfsgerechten Beratung. Eine Entwicklung, die diesem Trend entgegenwirken könnte, ist der GDV-Verhaltenskodex, der für den Vertrieb des unterzeichnenden Versicherungsunternehmens bindend ist. In elf Punkten soll das Bewusstsein der Versicherungsunternehmen und des Versicherungsvertriebs für die Interessen der Kunden geschärft werden. Der GDV hat bereits damit begonnen, eine Liste der diesem Verhaltenskodex beigetretenen Versicherungsunternehmen zu veröffentlichen, um somit den eingangs erwähnten Vertrauensvorschuss zu dokumentieren. Mittlerweile sind weit über 80 Prozent aller deutschen Versicherungsunternehmen diesem Verhaltenskodex beigetreten. Zudem sollen Vertriebspraktiken, die den Belangen der

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