Aufrufe
vor 3 Jahren

RISIKO MANAGER 13.2015

  • Text
  • Unternehmen
  • Risiken
  • Banken
  • Risikomanagement
  • Risiko
  • Deutsche
  • Regulierung
  • Mitglied
  • Studie
  • Deutschen
RISIKO MANAGER ist die führende Fachzeitschrift für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen.

12 12 firm Ausgabe

12 12 firm Ausgabe 13/2015 Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Franke, Universität Konstanz – einer der forschungsstärksten Betriebswirte im Bereich Bankbetriebslehre und Finanzierung. Dr. Wilfried Paus (Deutsche Bank AG) und Dr. Andreas Gottschling (Erste Group Bank AG). Prof. Dr. Wolfgang König, Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Mitglied des Vorstands bei FIRM, stellte während der FIRM-Vorstandssitzung die diversen Anträge auf eine Förderung von Forschungsprojekten durch FIRM vor. Entspannte Atmosphäre. Segeln ohne Steuerung Praxis und Theorie sind zwei Begriffe, in deren Verhältnis zueinander häufig ein Widerspruch vermutet wird, obwohl sie tatsächlich in einem rationalen Verhältnis zueinander stehen. Diejenigen, welche sich in Praxis ohne Wissenschaft verlieren, sind wie Schiffer, die ohne Steuerruder und ohne Kompass zu Schiffe gehen, so der italienische Universalgelehrte Leonardo da Vinci. Sie können nie sicher sein, wohin die Reise gehen wird. Sein Fazit: Die Praxis soll stets auf guter Theorie aufgebaut sein. Und der berühmte Universalgelehrte war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Nicht selten werden heute Theorie und Praxis als Gegensätze betrachtet, ohne dass ihr wechselseitiges Verhältnis begriffen würde. Vor diesem Kontext ist das Brückenbauen umso wichtiger, um von der scheinbar „grauen Theorie“ in die „bunte Welt der Praxis“ zu gelangen. Prozyklische Effekte bei der Kapitalregulierung Markus Behn (Universität Bonn), Rainer Haselmann (Universität Frankfurt) und Paul A. Wachtel (New York University) präsentierten in ihrem Vortrag ihre Forschungsergebnisse über die Prozyklizität der Kapitalregulierung und Kreditvergabe der Banken. Ein primäres Ziel der Bankenregulierung seit Einführung der Basel-I-Richtlinien im Jahr 1988 war vor allem eine stärkere Orientierung der Eigenkapitalanforderungen am tatsächlichen Risiko einer Bank. Eine solche Regulierung kann negative Nebeneffekte haben, da sich das tatsächliche Risiko einer Bank und damit die Eigenkapitalanforderungen an die Bank im Abschwung erhöhen werden. In der Konsequenz könnten die Banken ihr Kreditangebot im Abschwung verknappen. Die wissenschaftliche Studie analysiert die Auswirkungen modellbasierter Eigenkapitalregulierung auf die Kreditvergabe in einer Rezession. Es handelt sich um die erste Studie, die den Effekt modellbasierter Eigenkapitalregulierung auf die Kreditvergabe der Banken sowie die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen direkt quantifizieren kann. Die Untersuchung weist eine signifikante Einschränkung der Kreditvergabe im Anschluss an den Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 als Folge der prozyklischen Regulierung nach. Die Wissenschaftler konnten aufzeigen, dass Kredite, die den modellbasierten IRB-Ansatz verwenden, um 3,5 Prozent stärker reduziert werden als Kredite, die einen traditionellen Bewertungsansatz verwenden. Die Studie zeigt einen signifikanten Effekt: Banken, die einen höheren Anteil ihrer Kredite als (risikosensitive) IRB-Kredite beziehen, verzeichnen in der Krise einen stärkeren Rückgang der gesamten Kreditvergabe. Fazit: Die Mikroaufsicht Eigenkapitalregulierung kann beträchtliche reale Auswirkungen auf die Kreditvergabe haben.

13 Ausgabe 13/2015 Bernd Loewen, Mitglied des Vorstands und Chief Risk Officer der KfW-Bankengruppe sowie Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e. V., und Dr. Carsten Lehr, Geschäftsführer der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH sowie Co-Vorsitzender des FIRM-Beirats. Jörg Schauerhammer (Advent International) im Gespräch mit Wolfgang Hartmann (Vorsitzender des Vorstands, FIRM). Dr. Carsten Lehr, Geschäftsführer der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH (rechts). Pausengespräche. Mehr Augen reduzieren Risiken Tobias Berg, Juniorprofessor am Institut für Finanzmarktökonomie & Statistik an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, setzte sich in seinem Beitrag mit dem Einfluss des Vier-Augen-Prinzips auf die Ausfallraten im Kreditgeschäft auseinander. Es wurde dargestellt, dass die Beteiligung der Marktfolge bei Kreditentscheidungen die Ausfallraten um rund 50 Prozent reduzieren kann. Die vorgestellte Methodik erlaubt es außerdem, die Effizienz verschiedener Bankprozesse zu vergleichen, die durch eine klare und transparente Grenze definiert sind. Beispiele sind das Vier-Augen-Prinzip, Kreditausschüsse sowie die Abgrenzung des Privatkunden- vom Geschäftskundengeschäft. Expected Loss over Lifetime Schätzungen des erwarteten Verlusts über die gesamte Laufzeit eines Geschäfts werden sowohl in der Rechnungslegung als auch im Aufsichtsrecht zunehmend gefordert. Die Schätzung des kreditrisikoinduzierten erwarteten Verlusts ist insbesondere im Zuge von IFRS 9 (Phase 2 – Impairment), aber auch in Themengebieten wie der verlustfreien Bewertung des Bankbuchs nach HGB oder der mehrjährigen Kapitalbedarfsrechnung nach den aktuellen MaRisk BA von hoher Relevanz. So wird IFRS 9 im Jahr 2018 die Berechnung der erwarteten Verluste über die gesamte Lebenszeit von Finanzinstrumenten einfordern. Dies steht im Gegensatz zu der gegenwärtigen Praxis von einer einzigen Betrachtungsperiode, beispielsweise einem Tag oder einem Jahr. So müssen beispielsweise zukünftig erwartete konjunkturelle Entwicklungen bei der Berechnung des Lifetime Expected Loss berücksichtigt werden. Weder seitens des Regulators noch seitens des International Accounting Standards Board werden konkrete Methoden für die Schätzung des Lifetime Expected Loss für die Zwecke der Rechnungslegung festgelegt. Es wird lediglich ein grober Rahmen für die Schätzverfahren definiert. Ein von Steffen Krüger, Toni Oehme und Daniel Rösch (Universität Regensburg) veröffentlichtes Papier, beschreibt einen gemeinsamen Schätzansatz für den (erwarteten) Verlust und für seine Bestandteile, das heißt Standardzeiten, die Laufzeitstruktur der Verluste bei Ausfall und ihre Abhängigkeit mit Copulas. Einfluss von Finanzbildung auf Einlagenzinsen Florian Deuflhard von der Universität Frankfurt setzte sich in seinem Vortrag mit dem Einfluss von Finanzbildung auf die Einlagenzinsen auseinander. Hierbei stand die folgende Forschungsfrage im Mittelpunkt: Spiegeln die beobachteten Zinsdifferenzen nur Unterschiede in Produkteigenschaften wider oder können diese auch durch Investorencharakteristika wie Finanzwissen erklärt werden? Bereits veröffentlichte Studien zeigen auf, dass Haushalte mit einem hohen Finanzwissen besser auf die Pension vorbereitet sind

RISIKO MANAGER

 

Copyright Risiko Manager © 2004-2017. All Rights Reserved.