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RISIKO MANAGER 10.2018

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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8 RISIKO MANAGER 10|2018 Das untertägige Liquiditätsrisiko ist zusätzlich in das Stresstesting-Programm einzubeziehen (Grundsatz 7), und Banken sollen im allgemeinen stets über angemessene Liquiditätspuffer verfügen. Daraus folgt, dass das untertägige Liquiditätsrisiko separat zu betrachten und ggf. mit einem segregierten Liquiditätspuffer zu unterlegen ist. Die Banken stehen vor der komplexen Aufgabe, die Höhe des untertägigen Puffers zu quantifizieren. Bei Doppelnutzung entstehen in der Regel keine Opportunitätskosten, beim Aufbau eines separaten Puffers hingen schon. Daher sollte der Puffer einerseits ausreichen, um in einer Krisensituation weiter auf RTGS-Systeme zugreifen und den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können, und andererseits nicht zu groß bemessen zu sein, um keine unnötigen Kosten zu verursachen. Die PRA schlägt dafür z. B. die Verwendung der mittleren Netto-Verbindlichkeiten zuzüglich eines individuellen Stressaufschlags vor. 2 Die Stressszenarien sollen die individuelle Geschäftssituation der Banken widerspiegeln, sich aber an den in BCBS 248 formulierten Klassen von Stressszenarien orientieren. Die gleichzeitige Nutzung des „normalen“ ökonomischen Liquiditätspuffers zur Besicherung der eigenen Zahlungsverkehrsaktivitäten führt zum Effekt der Double Duty. Am Beispiel der Zahlungsunfähigkeit von Lehman Brothers kann der fatale Effekt einer doppelten Nutzung von hochliquiden Aktiva exemplarisch nachvollzogen werden. 3 ( Abb. 03) Vorteile für die Steuerung Durch die Optimierung der untertägigen Liquiditätssteuerung können Vorteile für die Banken entstehen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass die Aufsichtsbehörden im Rahmen des SREP einen Zwangsaufschlag auf den Liquiditätspuffer anordnen, sollte die interne Ableitung der Puffergroße nicht konservativ genug erfolgen bzw. sich aus dem Geschäftsmodell ergebende Risikotreiber nicht im Stresstesting berücksichtigt werden. ICAAP vs. ILAAP Grundsätzlich fordert der Regulator, dass Modellparameter und Stressszenario-Annahmen in ICAAP und ILAAP konsistent zu wählen sind (Grundsatz 6). Häufig haben Modellannahmen und relevante Szenarien einen anders gerichteten Fokus, so ist der Ausfall eines großen Kontrahenten aus Kapitalsicht wesentlich, hat aber aus Liquiditätssicht keine unmittelbare Relevanz, weil die Liquiditätswirkung des Ausfalls in der Regel verzögert eintritt und auch im Vergleich z. B. mit verstärktem Abzug von Kundeneinlagen einen deutlich geringeren Effekt verursacht. Trotzdem gibt es Fälle, in denen Konsistenz zu berücksichtigen ist. Ein Beispiel sind Risiken aus Marktwertschwankungen von Wertpapieren oder Derivaten, die zum einen über das Marktrisiko eine Kapitalwirkung ergeben und sich andererseits über den Liquiditätspuffer bzw. Margin-Zahlungen auf die Liquiditätssituation auswirken.

OpRisk 9 Abb. 03 Instrument Beispiel für die Problematik der Doppelnutzung eines einzelnen Liquiditätspuffers Freie HQLA Ökonomische Liquiditätsreserve Freie HQLA Freie HQLA Freie HQLA Gesperrt für Besicherung von Zahlungsverkehrslinien (RTGS, Nostrobanken) Stressdauer HQLA reichen aus, um Netto-Outflows zu decken HQLA reichen nicht mehr aus, um Netto-Outflows zu decken Ein anderes Beispiel sind makro-ökonomische Stressszenarien wie eine Staatskrise. Im Fall eines signifikanten Bestands an entsprechenden Staatsanleihen ergeben sich in einem solchen Fall sowohl erhebliche Kapitalrisiken als auch Liquiditätsrisiken, falls die Papiere als Teil des Liquiditätspuffers gelten. Hier sollte darauf geachtet werden, dass Szenarien, die wesentliche Auswirkungen sowohl auf Kapital als auch Liquidität haben, auch tatsächlich für beide Bereiche betrachtet werden. Vorteile für die Steuerung Die komplementäre Betrachtungsweise führt nicht zuletzt zu Vorteilen bei der Gesamtbanksteuerung: Wenn die handelnden Personen grundsätzlich Kapital- und Liquiditätsrisikoaspekte gleichermaßen berücksichtigen, lassen sich Fehlsteuerungen vermeiden. Aus reiner Kapitalsicht kann ein Hedge von Marktrisiken mit Derivaten sinnvoll sein, wohingegen fällige Marginzahlungen negative Auswirkungen auf die Liquiditätssituation haben. Nur durch gleichzeitige Betrachtung beider Aspekte kann das Treasury eine optimale Steuerung vornehmen. Somit kann der durch den Regulator „erzwungene“ Austausch zwischen den für Kapital- und Liquiditätssteuerung zuständigen Bereichen bzw. Personen durchaus in Vorteile für die Bank umgewandelt werden. Fazit Die Regularien des ILAAP sind umfangreich und lassen sich nicht allein durch zusätzliche Dokumentation erfüllen, sondern fordern weitreichende Anpassungen in den Prozessen der Banken. Um durch die benötigten Prozessumgestaltungen nicht nur Aufwand zu generieren, sollte man bei der Umsetzung der Anforderungen darauf achten, die damit verbundenen Optimierungspotenziale zu nutzen. So lassen sich etwa die Verrechnung von Liquiditätskosten oder der Austausch von Informationen zwischen den für Kapitalunterlegung und Liquiditätspuffer zuständigen Abteilungen auch positiv für die Gesamtbanksteuerung der Institute nutzen. Auf diese Weise können die regulatorischen Anforderungen zur besseren internen Ertragssteuerung genutzt werden und tragen somit zur Optimierung von Kosten-Nutzen- Potenzialen bei operativen und strategischen Geschäftsentscheidungen bei. Autoren Dr. Henriette Kröner ist Principal bei der Unternehmensberatung d-fine mit dem Schwerpunkt Liquiditätsrisiko und FTP. Dr. Nikolaus Löbl ist Manager im gleichen Unternehmen mit dem Schwerpunkt (Intraday-)Liquiditätsrisiko. 1 EBA/GL/2015/02 – Leitlinien zur Mindestliste der qualitativen und quantitativen Indikatoren des Sanierungsplans. 2 https://www.bankofengland.co.uk/prudential-regulation/publication/2018/pillar-2-liquidity. 3 https://www.bankofengland.co.uk/-/media/boe/files/ financial-stability-paper/2011/intraday-liquidity-risk-and-re- gulation.pdf?la=en&hash=910097411A914DBF- 2308332D1A9102A5669346DA.

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