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RISIKO MANAGER 10.2018

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4 RISIKO MANAGER 10|2018 Liquiditätsmanagement Vom ILAAP zur optimierten Gesamtbanksteuerung Im November 2018 veröffentlichte die EZB die aktualisierte Fassung der ILAAP-Guidelines. Aufbauend auf dem bereits im Februar 2017 skizzierten Mehrjahresplan detailliert die Bankenaufsicht ihre Erwartung an den internen Prozess der Überwachung der Liquiditätsadäquanz (ILAAP) der von ihr direkt überwachten signifikanten Institute. Die Guidelines sind für den SREP-Prozess im Jahr 2019 verbindlich anzuwenden. Bereits jetzt sind die Institute angehalten, die von der EZB skizzierten Anforderungen zu berücksichtigen. Von den Instituten wird erwartet, dass sie die sieben Grundsätze der Guidelines auf ihre individuelle Geschäfts- und Risikostrategie zurückspiegeln und geeignete Risikomaße sowie Projektionsgrößen für ihre individuelle Situation implementieren. Das Ambitionsniveau liegt hierbei sehr hoch, und die Umsetzung erfordert von vielen Instituten eine umfassende Weiterentwicklung ihres ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process). Auch, wenn viele Einzelkomponenten (Liquiditätsablaufbilanz, Stresstesting-Programm, LCR/NSFR, FTP, Bilanzplanung, etc.) bereits vorhanden sind, entsteht die Komplexität durch die geforderte Konsistenz verschiedener Perspektiven in der Steuerung, eine abgestufte Risk Governance und technische Fähigkeiten von der übergreifenden Anforderung an (Risiko-)Daten bis zu Simulationstools. In letzter Konsequenz bedeutet dies Konsistenz zwischen » dem Risiko-Governance-Rahmen über unterschiedliche Regime hinweg (fortlaufender Geschäftsbetrieb, Liquiditätsnotfall, Sanierungsplan), » normativer und ökonomischer interner Perspektive in Projektion (Plan) und interner Liquiditätskostenverrechnung (Ist), » unterschiedlichen Zeithorizonten und hierbei insbesondere der Verknüpfung klassischer Geschäfts-Prozesse des Cashund Liquiditäts(risiko)managements mit

OpRisk 5 Abb. 01 Instrument Konsistenz zwischen ILAAP, Liquiditätsnotfall- bzw. Sanierungsplan Fortlaufender Geschäftsbetrieb Aktives Risikomanagement: Überwachung und Limitierung des Liquiditätsrisikos Liquiditätsnotfallplan Strategien und Maßnahmen für den kurzfristigen Liquiditätsnotfall Sanierungsplan (Liquidität) Strategien und Maßnahmen in einer strukturellen Schieflage (near-default) Abwicklungsplan Gläubigerschutz im default MaRisk-Stressszenarien MaSan-Belastungsanalysen Abwicklung-Szenarien Se ve ri tät des Stressszenarios nimmt zu / Eintrittswahrscheinlichkeit des Szenarios nimmt ab neuen Anforderungen zur Steuerung der untertägigen Liquidität sowie » interner Kapital- (Risikotragfähigkeit/ ICAAP) und Liquiditätsadäquanz (ILAAP). Ziel dieses Beitrags ist es, eine Interpretation der ILAAP-Guidelines vorzustellen, mögliche Probleme und Schwierigkeiten bei der Umsetzung der aufsichtlichen Erwartungen zu benennen und anhand von Praxisbeispielen herauszuarbeiten, dass eine konsistente Umsetzung der ILAAP-Grundsätze auch die Chance bietet, die operative Steuerung weiterzuentwickeln. Über die Verdichtung von Informationen werden Steuerungsentscheidungen möglich und sind anschließend transparent in den Kennzahlen nachvollziehbar. Risiko-Governance-Rahmen Der ILAAP soll wesentlich zum Fortbestand der Institute beitragen, indem er die Angemessenheit ihrer Liquidität gewährleistet (Grundsatz 3). Ein Baustein ist hierbei der Liquiditätsnotfallplan, der Maßnahmen zur Behebung von Liquiditätsengpässen unter Stressbedingungen definiert. Der Liquiditätsnotfallplan soll den im ILAAP identifizierten Risiken Rechnung tragen und den Bezug zum Sanierungsplan aufzeigen. In Abb. 01 sind die geforderten Konsistenzbeziehungen über verschiedene Regime dargestellt. Der Liquiditätsnotfall kann sowohl aus dem fortlaufenden Geschäftsbetrieb (kurzfristiger, unerwarteter Notfall) als auch aus dem Sanierungsplan heraus aktiviert werden. Neben der Verbindung über die Prozess-Governance existiert noch die Verknüpfung über das Stresstesting-Programm. Die Institute müssen unterschiedliche Szenarien mit steigendem Impact simulieren. Bezogen auf ein Basisszenario (Going Concern) müssen MaRisk-Szenarien mit regelmäßiger Frequenz erzeugt werden. Im Rahmen der MaSan werden Belastungsanalysen zu qualitativen Indikatoren auf Kapital, Risikotragfähigkeit, Liquidität, Ertragskraft, Risikoprofil und Fortführung der Geschäftstätigkeit mit geringerer Frequenz gefordert. Über die Verbindung von Kapital- und Liquiditätsaspekten im Sanierungsplan werden ICAAP und ILAAP gleichermaßen im internen Steuerungsrahmen berücksichtigt. Über die im Liquiditätsnotfall- und Sanierungsplan definierten Frühwarnindikatoren und Trigger besteht eine Verbindung von normativer und ökonomischer Perspektive. Schwellenwerte werden üblicherweise nicht nur für ökonomische Stressszenarien, sondern auch für LCR oder NSFR definiert. 1 Auch wenn es nicht sinnvoll erscheint, den Liquiditätsnotfall ausschließlich aufgrund einer LCR-Verschiebung heraus zu aktivieren, kann das Zusammenspiel der unterschiedlichen Indikatoren das Lagebild vervollständigen. Die externe Kommunikationsstrategie im Liquiditätsnotfall- bzw. Sanierungsplan entscheidet darüber, ob eine Bank vorausschauend mit den Wechselwirkungen von zu veröffentlichenden quantitativen Anforderungen und der Realisierbarkeit der definierten Notfallmaßnahmen unter diesen Bedingungen umgeht. Beispiel » die Publikation von LCR-Daten findet statt (z. B. über den Geschäftsbericht), » der Liquiditätsnotfall tritt ein (Szenario A), wird erkannt und ausgerufen, » die Notfallmaßnahmen wurden im Liquiditätsnotfallplan jedoch auf Szenario B geschätzt, » das Krisengremium hat keinen Überblick über die zur Verfügung stehende Notfallliquidität, das Risiko-Reporting ist auf Szenario B abgestellt, » das Krisengremium trifft schließlich die Entscheidung für Notfallmaßnahme „Ausweitung der unbesicherten Refinanzierung am Kapitalmarkt“, » die Notfallliquidität kann nicht in erhofftem Maß gehoben werden, da der Markt Gerüchte in Verbindung mit der publizierten LCR negativ goutiert.

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