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RISIKO MANAGER 10.2018

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34 RISIKO MANAGER 10|2018 13. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment Die nächste Krise kommt bestimmt Anfang November begrüßte Union-Investment-Vorstand Alexander Schindler mehr als 350 Investoren in Mainz, um über die Lage an den Kapitalmärkten, geopolitische Risiken und die Perspektiven für Anleger im kommenden Jahr zu diskutieren. Der Tenor der Experten aus Wissenschaft und Praxis war dabei eindeutig: Die Gefahren für die Kapitalanlage sind angesichts erheblicher, aus Politik und Wirtschaft resultierender Risiken so vielfältig wie lange nicht mehr. Das Risikomanagement wird damit noch wichtiger. „Die nächste Krise kommt bestimmt.“ Daran ließ der US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman bei seiner Bilanz zehn Jahre nach der Finanzkrise keinen Zweifel. Was genau die Krise auslösen werde, dazu mochte sich Krugman nicht festlegen. Er sehe derzeit keinen dominierenden, singulären Auslöser. Aber angesichts einer weltweit weiterhin hohen Verschuldung, der Zuspitzung von internationalen Handelsstreitigkeiten und einer insgesamt schwächer werdenden Weltwirtschaft schaue er nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Dies gelte auch mit Blick auf die Schwellenländer, deren Lage sich zuletzt erheblich verschlechtert habe. Auch was die Reaktionsmöglichkeiten auf eine pozentielle Krise angeht, zeigte sich Krugman skeptisch. Weder die hoch verschuldeten USA noch Europa seien wirklich vorbereitet. Vor allem in Europa sei kein Spielraum für zinspolitische Maßnahmen vorhanden. In den USA gebe es wenig Luft nach oben für weitere Steuersenkungen. Zudem weite US-Präsident Donald Trump das Haushaltsdefizit beständig weiter aus, obwohl in der derzeitigen Konjunkturphase das Gegenteil richtig wäre. Und noch etwas beunruhigte Krugman. Während die Krise von 2008 „nach dem Lehrbuch“ verlief, habe sich die Natur von Marktschocks und Rezessionen zuletzt verändert. Für eine künftige Krise gebe es daher keine Blaupause. Alexander Schindler | Mitglied des Vorstands Union Investment.

35 Weltordnung im Umbruch Für den Bereich der Weltpolitik schlug Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, in dieselbe Kerbe. Bei seiner Analyse geopolitischer Risiken konstatierte er einen „Verlust an Prognosefähigkeit in der internationalen Politik“. Ischinger sieht die Welt in einem epochalen Umbruch begriffen. Allerdings in einem ungeordneten Umbruch, was diesen so gefährlich mache. „Die globalen Machtverhältnisse ändern sich mit hohem Tempo, ohne dass wir wissen, wo die Reise hingeht“, sagte Ischinger. Multilaterale Plattformen wie die Vereinten Nationen oder die G 7-Konferenzen verlören die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Die internationale Politik sei nicht mehr in der Lage, Konflikte oder Kriege zu beenden. Aus der Sicht Ischingers ist diese Unfähigkeit eng mit dem Verlust an Vertrauen zwischen den internationalen Akteuren verknüpft. „Das Verhältnis der USA und Russland ist heute teilweise stärker belastet als in Zeiten des Kalten Krieges“, so Ischinger, der von 2001 bis 2008 zunächst deutscher Botschafter in Washington und dann in London war. Einen weiteren Aspekt zunehmender Unsicherheit führte Lord Jonathan Evans den Konferenzteilnehmern vor Augen. Und Lord Evans weiß, wovon er spricht: Von 2007 bis 2013 war der studierte Altertumswissenschaftler Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdiensts MI5. In seinem Vortrag skizzierte er die Gefahren der weltweiten Cyberkriminalität. Potenzielle und tatsächliche Ziele von Angriffen seien nicht nur die Sicherheit und Stabilität von Staaten, sondern auch deren Infrastruktur sowie Wirtschaftsunternehmen. Besonders gefährlich seien solche Angriffe, wenn sie von staatlicher Seite unterstützt und gelenkt würden. Dabei liege solchen Vorstößen von Staaten in der Regel keine persönliche Bereicherungsabsicht, sondern vielmehr der Wunsch Der US-amerikanische Ökonom Paul Robin Krugman, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Princeton University, Centenary Professor an der London School of Economics und Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 2008. Lord Jonathan Evans, in den Jahren 2007 bis 2013 Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdiensts MI5. Wolfgang Friedrich Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz und zuvor Staatssekretär im Auswärtigen Amt sowie Botschafter in Washington, D.C. und London.

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