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RISIKO MANAGER 10.2015

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14 Ausgabe 10/2015

14 Ausgabe 10/2015 Erfolgsmessung im Schuldenmanagement des Bundes Bundes auf Transaktionsniveau geplant. Der Planungshorizont beläuft sich über insgesamt zehn Jahre. Als Planungsparameter gehen die geplante Nettoneuverschuldung, geplante Tilgungen sowie Neuemissionen, Sekundärmarktaktivitäten und der Einsatz sonstiger Finanzinstrumente ein. Auf Basis der Risikopräferenz des Bundesministeriums der Finanzen werden die erwarteten Haushaltsparameter berechnet. Steuerung des Liquiditätsrisikos Als Liquiditätsrisiko wird allgemein die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit verstanden. Konkret ist dies die Gefahr, aktuelle und/oder zukünftige Zahlungen nicht vollständig und/oder termingerecht leisten zu können. Für den Bund ergibt sich aus der Summe aller haushaltsrelevanten Zahlungen der Kassensaldo auf dem Zentralkonto des Bundes. Das Liquiditätsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass der aktuelle oder zukünftige Kassensaldo nicht vollständig finanziert werden kann. Dies hätte zur Folge, dass der Bund Zahlungsverpflichtungen nicht rechtzeitig nachkommen könnte. Grundlage für das Liquiditätsrisikomanagement ist die Liquiditätsplanung. Diese führt den aktuellen Planungsstand der Einund Auszahlungen aus dem Schuldenportfolio des Bundes mit den übrigen Haushaltszahlungen zusammen. Im Ergebnis ergibt sich der Kassensaldo im Zeitablauf entweder als Überschussliquidität oder als Finanzierungsbedarf. Zur Ermittlung des Liquiditätsrisikos wird täglich das Verhältnis von Finanzierungspotenzial an den Geld- und Kapitalmärkten und dem Finanzierungsbedarf bestimmt. Dieses Verhältnis wird als Liquiditätsdeckungsgrad bezeichnet. Um die Belastbarkeit der Liquiditätsplanung zu überprüfen, werden in Form von Stresstests die einzelnen Finanzierungspotenziale reduziert und die Auswirkungen auf die Liquiditätsdeckungsgrade abgeschätzt. Steuerung des Kontrahentenrisikos Der Bund betreibt kein klassisches Kreditgeschäft. Allerdings werden im Rahmen des Liquiditätsmanagements Geldanlagen bei Geschäftsbanken getätigt und im Rahmen der Optimierung der Zinsstruktur Zinsswapgeschäfte abgeschlossen. Die Finanzagentur verwendet ein Risikoklassifizierungsverfahren, um das damit verbundene Kontrahentenrisiko zu beurteilen. Auf der Grundlage der Beurteilung wird ein risikoadäquates Limit für die Kontrahenten vergeben, bis zu deren Höhe kreditrisikorelevante Geschäfte abgeschlossen werden dürfen. Erfolgsmessung t Abb. 02 Neben der Sicherstellung der Liquidität des Bundes ist die Schuldenmanagementstrategie vor allem darauf ausgerichtet, die Zinskostenbelastung des Bundes zu senken. Der Erfolg des Schuldenmanagements wird durch den Vergleich der tatsächlichen Kosten der umgesetzten Schuldenstrategie mit den hypothetischen Kosten des Referenzportfolios abgeschätzt (siehe t Abb. 02). Das Istportfolio beinhaltet alle offenen Positionen aus den Kreditaufnahmen am Geld- und Kapitalmarkt. Das Referenzportfolio spiegelte im Zeitraum von der Geschäftsaufnahme der Finanzagentur am 01.01.2002 bis zum 31.12.2012 eine Finanzierungsstrategie des Bundes auf Basis fortgeführter historischer Emissionswerte wider, wie sie vor dem 01.01.2002 angewendet wurde. Seit dem 01.01.2013 wird ein neues Referenzportfolio herangezogen. Dieses bildet die Präferenz des stabilitätsorientierten Emittenten für eine langfristige Finanzierung als Vergleichsmaßstab ab. Das Referenzportfolio stellt dabei eine langfristige Strategie mit minimalem Haushaltsrisiko dar, die am Markt noch umgesetzt werden könnte. In einem konstitutiven Gutachten für die Auslagerung des Schuldenmanagements aus dem Jahr 2000 wurde das Ziel einer Zinskosteneinsparung von 500 bis 750 Mio. Euro pro Jahr anvisiert. Dieses Ziel hat die Finanzagentur seither überschritten. q Zusammenfassung Die Finanzagentur ist der zentrale Dienstleister für die Kreditaufnahme und das Schuldenmanagement des Bundes. Obwohl die Finanzagentur formal von dem Regelungen des Kreditwesengesetzes und des Wertpapierhandelsgesetzes ausgenommen ist, orientiert sich die Ausgestaltung des Risikomanagements an den Vorgaben der MaRisk. Dabei stehen in der Finanzagentur vor allem die Risikoarten Zinsänderungsrisiko und Liquiditätsrisiko im Mittelpunkt der Risikosteuerung. Die Steuerung der weiteren mit dem Geschäftsbetrieb verbundenen Risiken, wie beispielsweise Kontrahentenrisiken und Operationelle Risiken, steht unter der Prämisse der bestmöglichen Risikoreduzierung. Das zentrale Ziel im Management des Bundesschuldenwesens liegt in der Optimierung der Zinskostenbelastung des Bundes. Die Erfolgsmessung der Finanzagentur zeigt einen signifikanten Einsparerfolg in der Zinskostenbelastung des Bundeshaushalts. Damit liefert die Finanzagentur auch einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung. Quellenverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2012): Rundschreiben 10/2012 (BA) - Mindestanforderungen an das Risikomanagement – MaRisk vom 14.12.2012. Autoren: Dr. Carsten Lehr, Dr. Carsten Lehr, Geschäftsführer, Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH sowie Co-Vorsitzender des Beirates der Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e. V., Frankfurt am Main. Matthias Reusch, Zentrale Steuerung, Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH.

15 10 . 2015 „Schlaraffenland“ für Baufinanzierer? Oder doch die Wurzel der nächsten Finanzmarktkrise? Mitte April erschien in der „Welt“ ein Artikel unter der Überschrift „Deutsche könnten bald für ihre Schulden bezahlt werden“. Hierin wird Frank Kohler, Vorstand der Sparda Bank Berlin, zitiert: „Negativzinsen sind sowohl auf der Anlage- als auch auf der Kreditseite möglich.“ Durch das „quantitative Easing“-Programm der EZB, die zunächst bis September 2016 monatlich im großen Stil Europäische Staatsanleihen aufkauft, wurden in der Tat die Zinsen deutscher Staatsanleihen auch für längere Laufzeiten temporär in den Minuszinsbereich gedrückt. Schaut man sich aktuell in Vergleichsportalen die Zinsen für erststellige Baufinanzierungen an, so bieten die besten Anbieter derzeit für 5 Jahre fest Zinsen von 0,65 bis 0,8 Prozent, für 10 Jahre fest von 0,9 bis 1,1 Prozent und für 15 Jahre fest von 1,3 bis 1,6 Prozent an. Seit dem 2. Weltkrieg, das heißt seit 70 Jahren, sind die deutschen Zinsen somit auf einem „all time low“ und viele Investments auf dem Immobilienmarkt erzielen dadurch bei ausreichender Fremdfinanzierung Traumrenditen. Banken, die noch ausreichend Bestände an Baufinanzierungen mit höherverzinslichen Zinsfestschreibungen in den Büchern haben, können sich glücklich schätzen. Aber diese Bestände schmelzen ab. Ich muss dabei immer an die Lottogewinner denken, von denen viele nur deshalb pleite gegangen sind, weil sie viel Geld in die Hände bekommen und dadurch noch mehr ausgegeben haben. Aber es gibt auch genügend Beispiele aus Börsengängen, in denen Unternehmen wenige Jahre später durch Fehlinvestments ihres Managements in die Pleite getrieben wurden. Auch in Niedrigzinsphasen wird die Saat ausgebracht, die zum einen zu blühenden Feldern und damit zu Wohlstand, zum anderen aber auch zu wucherndem Gestrüpp führt, das später vom Markt erbarmungslos ausgerissen wird. Die Subprime-Krise in den USA, die weltweit im Jahr 2008 die Finanzmarktkrise auslöste und später in die Europäische Staatsschuldenkrise führte, war das Ergebnis niedriger Zinsen in den USA – kombiniert mit den neuen „value chains“ des Investment-Banking. Die laxen Bonitätsstandards wurden in komplexen ABS-Papieren verpackt und zu Hauf an „dumme“ Europäische Investoren, wozu auch viele Banken ohne ausreichendes Aktivgeschäft (beispielsweise die Landesbanken) gehörten, verkauft. Als die Blase im Zuge der ansteigenden Zinsen in den USA dann platzte und auf „Schrottimmobilien“ basierte vermeintliche Triple-AAA-Papiere sich als wertlos erwiesen, brach das Vertrauen an den internationalen Finanzmärkten zusammen. Die Pleite von Lehman im September 2008 war nur der „Durchlauferhitzer“ dieser Krise und nicht deren Auslöser! INHALT 15 EDITORIAL 16 INTERVIEW 18 WISSENSCHAFT 19 REGULIERUNGSTRENDS 20 FIRM-NEWS UND TERMINE HERAUSGEBER Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. MAIN TRIANGEL Zum Laurenburger Hof 76 D 60594 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 94 41 80 97 Telefax: +49 69 94 41 80 19 Internet: www.firm.fm E-Mail: info@firm.fm Redaktion: Frank Romeike (V.i.S.d.P.), Wolfgang Hartmann, Andreas Eicher E-Mail: redaktion@firm.fm Erscheinungsweise: 8 x im Jahr als Einhefter in der Zeitschrift RISIKO MANAGER Viele Grüße, Ihr Wolfgang Hartmann

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