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RISIKO MANAGER 09.2017

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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26 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung weiterbringen. Zu diesen Gesichtspunkten kommt dann aber noch hinzu, dass wir in unseren Krisenbewertungen ja immer von großer Ungewissheit begleitet sind. Wir wissen nie genau, was passieren wird und welche Auswirkungen unsere Handlungen haben werden. Es ist also objektiv fast nie feststellbar, was eigentlich die realistische Bewertung einer Situation ist. Unter den Bedingungen einer fundamentalen Ungewissheit ist es oft motivierender und stellt eine Art von Selbstschutz dar, wenn wir annehmen, dass es am Ende irgendwie schon gut ausgehen wird oder dass wir schon irgendwie mit der Situation zurechtkommen werden. Ohne diesen Optimismus und diese Selbstwirksamkeitserwartung fällt es uns schwer, den Mut nicht sinken zu lassen. Dies – aber keineswegs eine illusionäre oder naive Bewertung – ist mit „positive appraisal style“ gemeint. FIRM-Redaktion: Sie weisen in Ihrem Buch darauf hin, dass die Beschäftigung mit Literatur, Kunst, Religion oder Philosophie bei der Bewertung – zwischen Reiz und emotionaler Reaktion – einen positiven Einfluss hat. Können Sie dies genauer erklären? Raffael Kalisch: Der entscheidende Punkt der ganzen Theorie ist ja, dass unsere Reaktionen nicht primär von den objektiven Gegebenheiten in unserer Umwelt bestimmt sind, sondern davon, wie wir sie wahrnehmen. Vor der Reaktion liegt immer der Filter unseres Geistes, also die Bewertung. Was für den einen kaum der Rede wert ist, kann den anderen in seinen Grundfesten erschüttern oder zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Und wie oben schon diskutiert, werden unsere typischen Bewertungsmuster – also unser Bewertungsstil – auch stark von unserem kulturellen Umfeld geprägt. Und zu diesem Umfeld gehört eben auch all das, mit dem wir unseren Geist füttern. Ich denke, dass die Frage, wie wir mit den Schattenseiten des Lebens umgehen, eines der großen Themen von Literatur, Kunst, Religion oder Philosophie ist, wenn nicht das zentrale, und dass wir deshalb in diesen Gefilden viele Beispiele oder Möglichkeiten des produktiven Umgangs mit Krisen finden (unter anderem die Einsicht, dass es auch schon viele andere Menschen vor uns hart getroffen hat und wir nicht die Einzigen sind, denen das Leben übel mitspielt). Und ich denke darüber hinaus, dass wir mit ihrer Hilfe auch ganz grundsätzlich produktive Einstellungen zum Leben entwickeln können, die uns stärken. Ein ganz beeindruckendes Beispiel ist das von Viktor Frankl, einem der Gründerväter der Resilienzforschung, der in „... trotzdem Ja zum Leben sagen“ seine Holocausterfahrung wissenschaftlich-philosophisch verarbeitet. Ich kann mir jedenfalls nur schwer vorstellen, dass man ohne eine prinzipiell bejahende und positive Grundhaltung durch existenzielle Krisen hindurchkommt. Deshalb ist der einzige Rat, zu dem ich mich im Buch mit aller Vorsicht hinreißen lasse, dass man eine bejahende Haltung entwickeln, Sinn suchen und sinnvoll handeln soll. Und diese Grundeinstellung kombinieren mit dem Mut und der Neugier, die einen hinaus ins Leben gehen lassen. Denn bei aller Philosophie: Nur im echten Leben kann man die Bewältigungserfahrungen machen, die einem Zuversicht und Vertrauen schenken. FIRM-Redaktion: Im Risikomanagement spielt Prävention von Risiken eine dominierende Rolle. Gibt es seitens der Resilienzforschung präventive Ansätze, um eine höhere Resilienz zu erreichen? Raffael Kalisch: Diese versuchen wir natürlich zu entwickeln, wobei wir gerne noch etwas mehr über die eigentlichen Mechanismen der Resilienz wissen würden. Es ist ja immer ganz gut, das System zu kennen, das man verbessern will. Ich denke aber, die Zukunft liegt darin, dass man weniger im Vorfeld von Belastungen machen wird, sondern eher dahin geht, Menschen, die sich akut in belastenden Situationen befinden, zu unterstützen. Also sozusagen eine aktive und an die Bedürfnisse des Individuums angepasste Begleitung. Dazu müssen wir natürlich etwas über den gefährdeten Menschen und seine Situation wissen, das heißt wir brauchen Daten, und wir brauchen Computermodelle, die uns gute Vorhersagen über die psychische Stabilität eines Individuums geben und uns verraten, wie man ihm oder ihr in einer konkreten Situation am besten helfen kann. Wir müssen also sozusagen individualisierte Modelle der psychischen Gesundheit haben, um dann auf der Basis von Simulationen an denjenigen Knöpfen zu drehen – beispielsweise mit einer gezielten psychologischen oder sozialen Intervention – mit denen wir am wahrscheinlichsten verhindern, dass das hochkomplexe und dynamische System Mensch instabil wird. FIRM-Redaktion: Gibt es Berufsgruppen, die über eine höhere (antrainierte) Resilienz verfügen? Raffael Kalisch: Wissenschaftler. Die ganzen Frustrationen ertragen sie nur, wenn sie im Feuerbad gestählt worden sind. Bildquelle: Ralf Kalisch. Raffael Kalisch, geb. 1972 in Offenburg, ist Professor für Bildgebung des menschlichen Gehirns und Gründungsmitglied des Deutschen Resilienz-Zentrums (DRZ) an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er leitet dort die Abteilung für Genetische und Netzwerkmechanismen der Resilienz. Darüber hinaus ist er Vizesprecher des Sonderforschungsbereichs „Neurobiologie der Resilienz“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Sprecher der International Resilience Alliance (intresa). Raffael Kalisch erforscht mit Methoden der Neurowissenschaften und der Psychologie, wie Menschen Stress bewältigen. Seit Frühjahr 2016 begleiten er und seine Kollegen am Deutschen Resilienz-Zentrum in einer langfristig angelegten Studie junge Erwachsene bei ihrem Übergang ins Berufsleben. Sie wollen herausfinden, welche inneren Prozesse helfen, diese schwierige Lebensphase zwischen Jugend und Erwachsenenleben besser zu meistern.

27 Ausgabe 09/2017 Wissenschaft Mobile Banking kommt gut an Mobile Bankgeschäfte sind en vogue. Das zeigen aktuelle Umfrageergebnisse des britischen Marktforschungsunternehmens You- Gov zum Thema „Mobiles Banking per App“. Demnach tätigt rund jeder zweite Deutsche (56 Prozent) Bankgeschäfte inzwischen mobil oder kann sich eine Nutzung zumindest vorstellen. Zudem ist die Mehrheit der Nutzer (59 Prozent) mit ihrer Banking-App zufrieden. Zufrieden sind die Befragten vor allem mit den Mobile- Banking-Angeboten der Direktbanken. Doch trotz der hohen Zufriedenheitsquote nutzt die Banking-App der Hausbank nur jeder Zweite (55 Prozent). Ein Grund ist die Konkurrenzsituation mit Bezahlsystemen wie PayPal (nutzen 64 Prozent der Banking-App- User) oder anderen Apps. Für Nicht-Nutzer bestehen vor allem Sicherheitsbedenken. Demnach wollen zwei Drittel (63 Prozent) ihre Bankdaten nicht auf dem Smartphone hinterlegen. 32 Prozent haben Angst, dass bei Diebstahl oder Verlust auf das Konto zugegriffen wird. Für die Studie wurde auf die 100.000 Datenpunkte umfassende YouGov-Datenbank zugegriffen, für die im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierlich repräsentativ befragt werden. Kombiniert wurde die Analyse mit einer zusätzlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2.000 Personen. breite Schichten der Bevölkerung weder über steigende Arbeitseinkommen noch Vermögenserträge einen Anteil am jährlich wachsenden Wohlstand haben. Treiber der wachsenden Ungleichheit sind die starken Zugewinne der höheren Einkommensschichten. Im Gegensatz dazu profitieren die unteren Einkommensschichten kaum vom Wirtschaftswachstum. Das Einkommenswachstum der unteren 40 Prozent der Bevölkerung bleibt seit Ende der 1990er Jahre deutlich hinter dem Wachstum der durchschnittlichen Einkommen zurück. Ein wichtiger Faktor zur Erklärung der Ungleichheitsentwicklungen ist nach Ansicht der Forscher neben dem Einkommen die starke Heterogenität in den wirtschaftlichen Entwicklungspfaden einzelner Regionen in Deutschland. Trotz des Beschäftigungsbooms der vergangenen zehn Jahre hat sich die Armutsrisikoquote in Deutschland im betrachteten Zeitraum (1962 bis 2015) von 9,8 Prozent auf 15,4 Prozent erhöht und aktuell einen Höchststand erreicht. Bei Betrachtung der historischen Entwicklung sind in bestimmten Zeiträumen unterschiedliche Gesellschaftsgruppen von Armut betroffen: Während in den Jahren des Wirtschaftswunders vor allem alleinstehende Rentner/-innen von Armut bedroht waren, sind es am aktuellen Rand Einpersonenhaushalte im erwerbstätigen Alter. Besonders kritisch ist in diesem Zusammenhang auch die seit Ende der 1980er Jahre stark gestiegene Armutspersistenz zu bewerten. Lag die durchschnittliche Verweildauer unterhalb der Armutsrisikogrenze 1991 noch bei etwa 2,5 Jahren, so ist diese seit 2008 auf mehr als drei Jahre gestiegen. Weitere Informationen unter: www.zew.de Kurz notiert: Förderung für Forschungsprojekt zu Ungleichheit Befragte äußern auch Sicherheitsbedenken und Angst beim Thema Mobile Banking. Bildquelle: YouGov. Weitere Informationen unter: www.yougov.de ZEW-Studie zeigt: Ungleichheit wächst Eine neue Studie „Wohlstand für alle“ des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die deutsche Wirtschaft wächst seit Jahrzehnten stabil, und der materielle Wohlstand ist aktuell so groß wie noch nie. Allerdings trüben die zunehmend ungleiche Verteilung von Einkommen und eine höhere Armutsrisikoquote die Wohlstandsverteilung. Konkret heißt das nach Ansicht der Forscher, dass Alexander Ludwig, SAFE-Professor für Öffentliche Finanzen und Schuldenmanagement, und Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität, haben den Zuschlag erhalten für eine Förderung durch das NOR- FACE-Programm DIAL (Dynamics of Inequality Across the Life-course) für ein internationales Forschungsprojekt zum Thema „Trends in Inequality: Sources and Policy“. Das Projektteam hat sich zum Ziel gesetzt, die Wohlfahrtseffekte von Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen, Arbeitsstunden und Konsum zu untersuchen sowie die verschiedenen Ungleichheits-Trends quantitativ in ihre unterschiedlichen Ursachen zu zerlegen. Weitere Informationen unter: www.safe-frankfurt.de

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