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RISIKO MANAGER 09.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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28 RISIKO MANAGER 09|2016 Erfüllung der regulatorischen Erfordernisse mit den notwendigen Steuerungsimpulsen kombinieren zu können. Für die Steuerung unter IRRBB empfiehlt sich also ein dediziertes IRRBB-Cockpit, das übergreifend von mehreren Abteilungen genutzt wird. Schematisch stellen wir dieses in Abb. 12 dar. Die Etablierung der neuen Maßzahlen für IRRBB, die höhere Genauigkeit der Simulationen und methodische Verbesserungen in den Steuerungsprozessen erfordern eine klare Kommunikation der vorgenommenen Änderungen gegenüber dem traditionell geprägten Status quo. Ferner empfiehlt sich eine nachvollziehbare Zuordnung der Ertrags- und Barwerteffekte aus Bilanzstrukturmaßnahmen im Rahmen der Anlagebuchsteuerung in einer Treasury P&L, um Verständnis sowohl über barwertige wie ertragsseitige Performance- Auswirkungen zu schaffen. Sollten Absicherungen aus anderen Motiven (beispielsweise generelle Ertragsstabilisierung oder Absicherung der Konditionenbeiträge) vorgenommen worden sein bzw. analysiert werden, bietet es sich an, diese im Rahmen einer sauberen Abbildung der Outperformance gegenüber einer Benchmark für das Treasury P&L zuzuordnen. Zinsbuchsteuerung und Geschäftsmodelle Verschiedene Banken legen ihre Schwerpunkte auf unterschiedliche Bankprodukte mit speziellen Charakteristika und weisen erhebliche Unterschiede in ihren Geschäftsmodellen auf. Dabei sind auch regionale Unterschiede zu erkennen, die sich in den folgenden drei Themenblöcken widerspiegeln: Abb. 14 Von welcher makroökonomischen Entwicklung würden Sie im Zinsertrag am meisten profitieren? 16 % Banken haben sich unterschiedlich gegenüber Zinsänderungsszenarien positioniert. 74 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass sie am meisten von langsam ansteigenden Zinsen profitieren würden. 5 Prozent sind auf ein anhaltendes Negativzinsumfeld ausgerichtet. 0 % 2 % 2 % 5 % 74 % Ausmaß der Fristentransformation Zunächst stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß die Fristentransformation betrieben wird. Neben dem Geschäftsmodell einer Bank spielen hierbei historische Marktgegebenheiten auf der Aktivseite eine große Rolle. Die aus dem Geschäft dominierende aktivische Zinsbindung mündet dann, je nach Stand der Zinsen, in höherer oder geringerer Fristentransformation. Die dargestellten veränderten Anforderungen an die Messmethoden können dazu führen, dass bestehende Geschäftsmodelle als risikoreicher als bisher eingeschätzt werden. Im Rahmen der dualen Steuerung von Ertrags- und Werteffekt ist dies in den Steuerungskreisen zu berücksichtigen und kann zur Folge haben, dass bestehende Absicherungs- und Fristentransformationsstrategien der Anpassung bedürfen. Verhaltens- und Cashflow-Modellierung infolge des Produktportfolios Die Behandlung von verhaltensabhängigen Optionen (z. B. die vorzeitige Rückzahlung von festen Einlagen oder Ausübung von Sondertilgungsrechten) sowie von finanzmathematisch modellierten Zinsoptionen sind je nach Produktcharakteristika unterschiedlich wichtig. In der Schweiz, wo kostenfreie Vorfälligkeiten praktisch nicht existieren (die in der Schweiz einstmals populäre „variable“ Hypothek ist ein aktivisches Bodensatzprodukt, das unter Einhaltung einer Frist gekündigt werden kann, aber ohne ein Fälligkeitsdatum auskommt. Die Verzinsung richtet sich nach dem aktuellen Zinsumfeld, enthält eine Prämie für die Kündigungsoption und ist i. d. R. teurer als ein Festkontrakt. Dieses Produkt ist aktuell aufgrund der Zinslandschaft sowie Änderungen am Mietrecht nicht mehr anhaltendes Negativumfeld leicht & langsam steigende Zinsen ansteigende Zinsvolatilität Inversionslage auf tiefem Niveau Andere: stark & langsam steigend marktgemäß bepreist, weshalb keine sinnvoll Kündigungshistorien für eine Modellierung einer – notwendigerweise anzunehmenden! – Vorfälligkeit existieren), erwarten wir zum Beispiel, dass die wesentlichen Unterschiede zwischen dem standardisierten Messansatz und einer internen Modellierung die Abbildung der Bodensatzprodukte und die angemessene Abbildung von Basisrisiken bleiben. Die Messung von Basisrisiken verlangt eine Abkehr von der Verwendung des standardisierten Messansatzes, da diese Risiken in diesem Messansatz nicht berücksichtigt werden. Wie unsere Umfrage zeigt, ist gerade in Deutschland ein erheblicher Ausbau der Modellierungen des Zinsertragsrisikos zu erwarten; in anderen Ländern mag dieser Effekt geringer ausfallen. Dabei ist freilich mit einer erhöhten Aufmerksamkeit auf die Replikationsmodelle für Bodensatzprodukte zu rechnen. In jedem Fall wird sich in der Praxis bei der Abbildung von Produkten ein Vergleich mit der Behandlung unter dem standardisierten Messansatz aufdrängen, weshalb letzterem die Rolle einer Benchmark zukommen kann. Einfluss der Refinanzierungsstruktur Schließlich muss in jedem Markt der Volatilität der Konditionenbeiträge Rechnung getragen werden. Volatile Konditionenbei-

Marktrisiko 29 träge ziehen volatile Margenbarwerte nach sich und beeinflussen dementsprechend den Unterschied zwischen den Barwerteffekten nach Innen- und Außenzins. Maßgeblich zeichnet dafür die Refinanzierungsstruktur einer Bank verantwortlich, wofür Banken mit hohem Anteil an (in den Margen-volatilen) Spargeldern besonders anfällig sind. Geeignete Bodensatzmodelle mit einer sinnvollen Volumenkorrektur können dafür – unter Einbezug von Controlling und Treasury – teilweise Abhilfe schaffen. Dies spiegelt sich auch in den Antworten wider, die in Abb. 10 dargestellt sind. Die regionalen Unterschiede manifestieren sich in der aktivischen Zinsbindung, den Produkteigenschaften sowie der Refinanzierungsstruktur. Deutsche Banken haben mit relativ langen Zinsbindungen, Sondertilgungsrechten sowie heterogenen Finanzierungsmodellen eine andere Ausgangslage als beispielsweise Retailbanken in der Schweiz. In der Schweiz spielt der standardisierte Messansatz trotz langer Zinsbindungen ohne direkt an den Kontrakt gebundene Tilgungen (analog zu Bullet-Bonds, was mit der steuerlichen Behandlung der Zinskosten zusammenhängt) in Ermangelung von kostenfreien Kündigungsrechten eine sehr kleine Rolle, während die Abbildung der Bodensatzprodukte aufgrund der durchweg hohen Kundengelddeckungsgrade ein zentraler Punkt in der Diskussion um IRRBB sein wird. Basieren Aktivzinsbindungen auf variablen Verzinsungen und ist die Refinanzierung von festen Kundengeldern mit Kündigungsrechten geprägt, spielen wiederum die Modellierung des Kündigungsverhaltens der Einlagekunden, die Abbildung von Basisrisiken sowie die Umsetzung der Aktiv-Passiv-Steuerung in die Fristentransformationsstrategie hinein (beispielsweise in Italien oder Österreich). Zusammenfassung und Fazit Fast täglich kann man der Presse entnehmen, dass Banken aufgrund der Niedrigzinsphase bzw. Negativzinsphase unter erheblichen Druck stehen. Diese Niedrigzinsphase wird nach Ansicht der Befragten zum Teil noch mehrere Geschäftsjahre anhalten ( Abb. 13). Sie schafft Sondereffekte – sei es bei den Tilgungsraten, sei es bei der Abbildung der Bodensatzprodukte oder aber bei den Absicherungsstrategien. Neben den Zinsen belasten Banken höhere Kapitalanforderungen und neue regulatorische Beschränkungen wie Leverage Ratio, Liquidity Coverage Ratio oder Net Stable Funding Ratio. Die zukünftigen Basler Standards (BCBS368) und die EBA-Leitlinien erlegen, wie oben dargestellt, den Banken neue Beschränkungen und Anforderungen auf. Aufgrund der sich damit einengenden Handlungsspielräume könnte man zunächst einen negativen Einfluss der regulatorischen Anpassungen als Abb. 15 zentrale Rückmeldung der Finanzbranche erwarten. Die Anpassungen sind aber nicht nur aus Sicht der Umfrageteilnehmer eine „gute Idee“ ( Abb. 02), sondern bieten aus unserer Sicht auch Chancen. Seit jeher ist die Gesamtbanksteuerung mit der Aufgabe betraut, das Spannungsdreieck Kapital, Ertrag und Liquidität unter Risikogesichtspunkten auszubalancieren. Der starke Fokus des Regulators auf die Barwertsicht behinderte aus unserer Sicht teilweise eine adäquate Berücksichtigung der Steuerungsachse Zeit. Das auch betriebswirtschaftlich gegebene Erfordernis, Risiken und Ertrag über die Zinsertragssimulation kurzfristig und über die Barwert- Umsetzung der regulatorischen Anforderungen und IT-Anwendungen stehen ganz oben auf der Maßnahmen-Liste. Mehrfachnennungen waren möglich. Wo sehen Sie in den nächsten zwölf bis 24 Monaten die drei größten Herausforderungen im Zinsrisikobereich? Regulatorische Anforderungen (IRRBB) Weiterentwicklung der zugehörigen Applikation Abstimmung Planungsrechnung mit IRRBB-Messung Einhaltung anderer regulatorischer Anforderungen (LCR,NSFR,...) Unterhalt der Infrastruktur Stresstests Prognose des Nettozinsertrags Reporting Substitution von Konditionenbeitragsverlusten durch Fristentransformation Abstimmung Buchführung mit ALM-Strategie Bewirtschaftung des Liquiditätspuffers Replikation der Bodensatzprodukte Ergänzung der internen Verrechnung um Kosten aus IRRBB Verfügbarkeit/Liquidität von Absicherungsinstrumenten (IRS) Unterhalt der zugehörigen Applikation Verfügbarkeit/Liquidität von Absicherungsinstrumenten (Swaptions, andere…) 0 2 3 3 4 5 5 8 8 10 12 12 12 15 17 31

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