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RISIKO MANAGER 08.2016

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42 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung FIRM OFFSITE UND FORSCHUNGSKONFERENZ 2016 Der Blick aufs Ganze ist entscheidend „Einfach offen sein für Land und Leute.“ So heißt es auf den Internetseiten der „Westerwald Touristik-Service“. Das war nicht immer so in der bewegten Geschichte des Westerwalds. Ein Beispiel liefert die Stadt Montabaur mit Sitz der Kreisverwaltung und Heimat des barocken Schlosses Montabaur. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss von unterschiedlichen Kriegsparteien besetzt und geplündert. Und das trotz massiver Wehranlagen, dem „präventiven Risikomanagement“ jener Zeit. Getreu dem Motto: „Viel hilft viel“. Das änderte sich spätestens mit den immer besseren Waffen und Geschützen, worauf im Laufe der Zeit die befestigten Burgen nach und nach ihre Bedeutung verloren und immer stärker zu repräsentativen Wohnsitzen umgebaut wurden. So auch das Schloss Montabaur. Heute vereinen sich hier Geschichte, anspruchsvolles Design und modernste Technik miteinander – ein nahezu perfekter Ort für die Forschungskonferenz sowie das Offsite des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) am 30. Juni und 1. Juli 2016. Risikomanagement- und Regulierungsexperten aus Wissenschaft und Praxis diskutierten an zwei Tagen über die aktuellen und zukünftigen Themen sowie Trends aus der Welt der Risiken und Chancen. Ihr Fazit: Der Blick aufs Ganze ist entscheidend. Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis bei der FIRM Forschungskonferenz.

43 Ausgabe 08/2016 Die schwierige Messung von Risiken Die von Professor Franke organisierte und moderierte FIRM-Forschungskonferenz wurde durch drei Vorträge der Finalisten aus dem Kreis der Kandidaten des FIRM-Forschungspreises 2016 eingeleitet. Die Auszeichnung ist deutschlandweit der erste Preis, der für wirtschaftswissenschaftliche Forschungsarbeiten in den Themenfeldern Risikomanagement und Regulierung einschließlich Compliance von Finanzinstituten vergeben wird. Josef Korte stellte die wesentlichen Ergebnisse seiner Promotionsarbeit „Wishful Thinking or Effective Threat? Tightening Bank Resolution Regimes and Bank Risk Taking“ vor. In diesem Forschungsprojekt wurde analysiert, inwieweit sich Änderungen der Bankinsolvenzregulierung auf die Risiko- und Investitionsentscheidungen von Geschäftsbanken auswirken. Konkretes Beispiel ist die Einführung der „Orderly Liquidation Authority“ (OLA) in den USA im Rahmen der generellen Überarbeitung des US-Bankregulierungsregimes nach der internationalen Finanzkrise (Dodd-Frank Act). Mit der OLA findet eine Ausdehnung eines geordneten (und in der Vergangenheit hundertfach angewendeten) Bankeninsolvenzverfahrens auf Finanzinstitute statt, für die es vorher kein spezialisiertes Abwicklungsverfahren gab. Unter Nutzung eines ausführlichen Datensatzes für rund 7.000 Banken in den USA (der von der Regulierungsbehörde zur Verfügung gestellt wurde) konnte von Korte empirisch nachgewiesen werden, dass Banken, die von der Einführung der OLA besonders stark betroffen sind, das Gesamtrisiko ihrer Geschäftsmodelle signifikant reduzieren. Damit scheint die reine Verfügbarkeit eines geeigneten Abwicklungsmechanismus das Risikoverhalten der Banken generell zu beeinflussen. Allerdings findet sich dieser Effekt nicht bei den größten und systemisch relevantesten Banken. Das vieldiskutierte „Too-big-tofail“-Phänomen scheint daher mit der Einführung der OLA nicht gelöst zu sein. Philipp Schuster analysierte schließlich in seinem Vortrag „Measuring Liquidity in Bond Markets“ die Liquidität von Anleihemärkten in den USA und Deutschland. In illiquiden Marktphasen sind Investoren sowohl mit höheren Handelskosten als auch mit Wertverlusten ihrer Anleihen konfrontiert. Ein effektives Liquiditätsrisikomanagement erfordert deshalb zum einen die genaue Erfassung und Messung von Liquidität, zum anderen sollen die Auswirkungen von Illiquidität auf Anleihepreise besser verstanden werden. Da bislang ein einheitliches Konzept zur Messung von Liquidität auf dem Anleihemarkt fehlt, wurden in der wissenschaftliche Untersuchung zunächst die etablierten Ansätze zur Liquiditätsmessung empirisch miteinander verglichen und Empfehlungen zur Wahl eines geeigneten Liquiditätsmaßes erarbeitet. Banken und Versicherungen werden damit in die Lage versetzt, die Liquidität ihres Anleihe-Portfolios kontinuierlich überwachen zu können. Das barocke Schloss Montabaur war Tagungsstätte für das FIRM Offsite sowie die Forschungskonferenz. Wissenschaftler unter sich (von links nach rechts): Prof. Dr. Wolfgang König (Präsident FIRM, Geschäftsführender Direktor, House of Finance, Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Franke (Beiratsvorsitzender FIRM, Professor für internationales Finanzmanagement i.R., Universität Konstanz), Prof. (em.) Dr. Dr. h.c. Wolfgang Bühler (bis 2009 Universität Mannheim; aktuell Full Professor an der Australian School of Business, University of New South Wales, Sydney, Australien). Dr. Wilfried Paus, Managing Director, Head of Operational Risk Management Framework, Deutsche Bank AG.

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