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RISIKO MANAGER 08.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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40 RISIKO MANAGER 08|2016 im Vergleich zur Jahressicht ab und erreichen im Maximum nur noch ein R^2 in Höhe von 22 Prozent. Hier spiegelt sich deutlich die Unsicherheit der Makroprognosen insbesondere bei einem Zeithorizont von über einem Kalenderjahr und beim Vorliegen konjunktureller Wendepunkte wider. Ergebnis Die Auswirkungsanalysen auf Basis der RSU-Stresstestmodelle zeigen folgendes Ergebnis: Bei Verwendung der Stresstestmodelle und der vorliegenden Makroprognosen können die Ausfallraten in Sonderkonstellationen wie der Finanzkrise gut auf Einjahressicht prognostiziert werden. Dieser Sachverhalt ist unter anderem auch auf den zeitlichen Vorlauf der mittleren RSU- Merton-Modell-PDs vor den tatsächlich realisierten Ausfallraten auf Portfolioebene zurückzuführen. In normalen konjunkturellen Phasen zeigt sich hingegen kein Mehrwert gegenüber der direkten Verwendung der Ratings aus den IRB-Verfahren. Die Sonderkonstellation Finanzkrise wird durch die Kombination aus verfügbaren Marktdateninformationen (mittlere RSU-Merton-Modell-PDs) und Makroprognosen gut erkannt. Die tatsächlichen Ausfallraten können auf Sicht zwei Jahre hingegen nur deutlich schlechter prognostiziert werden. Hier spiegelt sich die Unsicherheit der Makroprognosen wider. Einjahressicht: Auf Basis der RSU-Stresstestmodelle kann ein optionales Tool bereitgestellt werden, das in Sonderkonstellationen, wie beispielsweise einer abrupten Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen, eine Plausibilisierung der Angemessenheit der aktuellen Ratings ermöglicht. Mehrjahressicht: Eine Anpassung der Mehrjahres-PD-Profile auf Basis von Konjunkturprognosen sollte – da sich deren Prognosegüte schon ab einem Zeithorizont von über einem Jahr deutlich verschlechtert – nur in den ersten Jahren der Profile vorgenommen werden. Hierfür können Shift-Parameter auf Basis der RSU-Stresstestmodelle ermittelt und verwendet werden. Bei Vorliegen einer Sonderkonstellation ergibt sich auch Anpassungsbedarf für die Mehrjahres-PD-Profile. Die Ergebnisse der vorgestellten Analysen zeigen, dass bei der Berücksichtigung von Konjunktur- und Marktinformationen im Kontext IFRS9 die Einschätzung des Managements weiterhin eine zentrale Rolle spielen muss. Nicht umsonst werden Konjunkturprognosen und die Prognosefähigkeit des Aktienmarkts in den Wirtschaftswissenschaften schon seit Jahrzenten kontrovers diskutiert: „The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable.“ (John Kenneth Galbraith, bedeutender Wirtschaftswissenschaftler und US-Präsidentenberater) „The stock market has predicted nine of the last five recessions.“ (Paul Samuelson, Wirtschaftsnobelpreisträger 1970) Fazit und Ausblick Die Risikoparameter der Ratingverfahren der RSU erfüllen grundsätzlich die Anforderungen der IFRS9-Regelungen und des BCBS-Dokuments „Guidance on credit risk and accounting for expected credit losses”. Für die Ratingerstellung werden alle relevanten zur Verfügung stehenden Informationen verwendet. Damit sind die resultierenden Ein-Jahres-PDs die besten erwartungstreuen Schätzer. In Sonderkonstellationen kann durch das Institut eine Adjustierung der RSU-Parameter auf Einzelkunden-/Geschäftsebene oder eine Anpassung der POWBs erfolgen. Aktuell arbeitet die RSU an der Umsetzung eines optionalen Tools auf Basis bestehender Stresstestmodelle, das die Institute, die die Ratingverfahren der RSU nutzen, im Kontext IFRS9 unterstützt. Das Tool soll etwaige Rückwirkungen materieller Veränderungen makroökonomischer Rahmenbedingungen auf das Kreditrisiko abschätzen und prüfen, ob die internen Ratings angemessen sind. Konjunkturanpassungen der Mehrjahres-PD-Profile sind nur in den ersten Jahren der Mehrjahres- PD-Profile bei konjunkturellen Wendepunkten sinnvoll und notwendig. Basis für die Ermittlung etwaiger Anpassungsparameter sind auch hier voraussichtlich die bestehenden Stresstestmodelle. Bei der Verwendung von Makroprognosen für IFRS9-Zwecke sollte berücksichtigt werden, dass diese mit sehr großer Unsicherheit behaftet sind. Zwar ist noch eine höhere Prognosegenauigkeit im aktuellen Jahr beobachtbar. Mit zunehmendem Zeit horizont (bereits ab einem Jahr) zeigt sich jedoch eine sehr starke Verschlechterung der Prognosegenauigkeit, insbesondere bei konjunkturellen Wendepunkten. Quellenverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise: Basel Committee for Banking Supervision (2015): BCBS 350: Guidance on Credit Risk and Accounting for Expected Loss. Black, F., Scholes, M. (1973): The Pricing of Options and Corporate Liabilities. Journal of Political Economy Vol. 81, 3/1973, S. 637-654. Blix, M. et al. (2001): How good is the forecasting performance of major institutions. In: Sveriges Riksbank Economic Review (2001 03), S. 38 -68. Börstler, D., Todorova, L., Ringschmidt, J. (2015): IFRS9 Impairment von Finanzinstrumenten: Forward Looking Information in der Lifetime-PD-Schätzung, in: Risikomanager (20/2014). Bosse, M. (2015): IFRS-9-konforme Modellierung der Ausfallwahrscheinlichkeit – Verwendung der aufsichtsrechtlichen Ausfallwahrscheinlichkeit für das neue Wertminderungsmodell nach IFRS. Demski, C. (2014): Stresstesting: Modellierungsanforderungen Kreditrisiko und Lösungsansätze, in: Risikomanager (23/2015). IASB (2014): IFRS9 Financial Instruments. Merton, R. (1974): On the Pricing of Corporate Debt: The Risk Structure of Interest Rates. Journal of Finance Vol. 29, 2/1974, S. 449-470. Autoren: Carsten Demski, Teamleiter Methodik Rating (Finanzinstitute, Länder) & Marktdatenbasierte Verfahren, RSU Rating Service Unit GmbH & Co. KG. Dr. Daniel Weiller, Risk Analyst, RSU Rating Service Unit GmbH & Co. KG. Dana Wengrzik, Geschäftsführerin RSU Rating Service Unit GmbH & Co. KG.

Liebe Leserinnen und Leser, erfolgreiche Unternehmenslenker wissen, dass Unternehmenskrisen und Insolvenzen in der Regel nicht durch die Wirkungen von Einzelrisiken ausgelöst werden, sondern durch die Interaktion einer Kombination von zwei oder mehr Risiken. In der Vergangenheit haben sich sowohl Aufsicht als auch Finanzdienstleister vor allem auf das Management einzelner Risikoarten konzentriert (Marktrisiken, Kreditrisiken etc.). Auch seitens der (traditionellen) Aufsicht hat man sich um die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Banken (mikroprudenzielle Aufsicht) gekümmert. Die Verflechtungen der Banken untereinander und das Finanzsystem insgesamt wurden eher stiefmütterlich behandelt. Nach den Turbulenzen in der Folge der Finanzkrise haben sich sowohl das Risikomanagement in den Instituten als auch die Aufsicht gewandelt. Marktteilnehmer haben in der Zwischenzeit verstanden, dass der Blick aufs Ganze zählt. Banken analysieren Risiken immer häufiger in einer systemischen Sicht und berücksichtigen komplexe Ursache-Wirkungs-Ketten zwischen den einzelnen Risiken. Und auch die Regulatoren haben verstanden, dass sich Schieflagen einzelner Institute oder Fehlentwicklungen in einzelnen Marktsegmenten auf das ganze Wirtschaftssystem ausbreiten können. So soll mit einer „makroprudenziellen“ Aufsicht beispielsweise das gesamte Finanzsystem (daher „makro“) analysiert werden, um so eine systemische Krise zu verhindern oder das Risiko zu reduzieren. Eigentlich eine triviale Erkenntnis – im Kern geht es um das vom Systemforscher Frederic Vester bereits vor Jahrzehnten geforderte kybernetische Denken, also das Denken in Systemzusammenhängen. Frederic Vester schreibt in seinem Buch „Leitmotiv vernetztes Denken“: „Dass viele Fachexperten die übergreifenden Systemzusammenhänge nicht erkennen, liegt daran, dass sie an isolierten Ausschnitten der Wirklichkeit ausgebildet wurden. Der Grund für diese so späte Entdeckung liegt damit in der Art unserer Ausbildung, in der Art, wie uns unsere Schulen und Universitäten die Welt präsentieren: als eine heterogene Menge getrennter Komponenten, die wir zwar alle einzeln kennen, ohne jedoch die Beziehungen und das Wechselspiel zwischen ihnen zu erfassen.“ Eine erkenntnisreiche Zeit wünscht Ihnen im Namen des gesamten FIRM-Redaktionsteams … INHALT 41 EDITORIAL 42 NACHBERICHT UND BILD- STRECKE FIRM OFFSITE UND FORSCHUNGSKONFERENZ HERAUSGEBER Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. MAIN TRIANGEL Zum Laurenburger Hof 76 D 60594 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 94 41 80 97 Telefax: +49 69 94 41 80 19 Internet: www.firm.fm E-Mail: info@firm.fm Redaktion: Frank Romeike (V.i.S.d.P.), Wolfgang Hartmann, Andreas Eicher E-Mail: redaktion@firm.fm Erscheinungsweise: 10 x im Jahr als Einhefter in der Zeitschrift RISIKO MANAGER Frank Romeike

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