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RISIKO MANAGER 08.2016

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4 RISIKO MANAGER 08|2016 Prozess- und Kontrollschwächen Settlement-Risiken bei Wertpapiergeschäften An der weitgehend als standardisiertes Massengeschäft betrachteten Abwicklung von Wertpapiergeschäften hat sich für Banken seit Jahren nichts geändert. Wettbewerbsvorteile für Finanzinstitute lassen sich mit den bisher als risikoarm eingestuften Dienstleistungen kaum erzielen. Dennoch können Prozess- und Kontrollschwächen in der Wertpapierabwicklung zu nicht vertretbaren Einzelrisiken führen: eine Entwicklung, die auch die Bankenaufsicht kritisch verfolgt. Die Sicherung von Kundenbeständen steht mehr denn je im Fokus interner und externer Prüfungshandlungen. Während Banken sich derzeit mit der Umsetzung von Marktstandards wie Target2-Securities und neuen Regularien wie MiFiD II beschäftigen, bleiben die wirklichen Risiken der Wertpapierabwicklung unberücksichtigt. Ein Fehler, der gravierende Folgen haben kann. Wertpapierabwicklung im Fokus der Bankenaufsicht Über Jahre wiegte man sich mit den bestehenden Verfahren in der Wertpapierabwicklung in Sicherheit. Aufgetretene Fehler in der Geschäftsbelieferung wurden als Einzelfall bewertet und einmal aufgesetzte Prozesse selten hinterfragt. Die Einhaltung der 1969 geltenden Anforderungen an die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren (Depotgesetz) wurde als gegeben unterstellt. Weitere Konkretisierungen, wie das Rundschreiben der BaFin aus dem Jahr 1998 [vgl. BaFin 1998] sind allerdings weit weniger bekannt. In jüngster Vergangenheit bestätigen konkrete Anhaltspunkte strukturelle Schwachstellen in den doch so „marktüblichen“ Verfahren der Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Im Auftrag der BaFin durchgeführte Schwerpunktprüfungen bei verschiedenen Banken aus allen Institutsgruppen haben bislang verborgene Defizite in der Einhaltung von Verhaltens- und Organisationspflichten im Verwahrgeschäft zutage gebracht. Eine Mehrheit der geprüften Institute weist Mängel in der Belieferungsdisposition sowie unzureichende interne Kontrollen und Sicherungsmaßnahmen auf. Die Siche-

Marktrisiko 5 rung von Kundenbeständen und die Verhinderung von Zugriffen auf Fremdkundenbestände ist eines der obersten Gebote im Anlegerschutz. Insofern ist es für alle mit der Abwicklung von Wertpapiergeschäften betrauten Banken – ob beim Geschäftsabschluss oder bei der Verwahrung – geboten, bestehende Prozesse und Kontrollen auf den Prüfstand zu stellen. „Settlement-Risiken“ – die bislang verborgene Bedrohung Während Spezialisten in der Wertpapierabwicklung die eingesetzten Verfahren und Marktusancen sehr wohl beherrschen, fehlen doch allzu häufig die methodische Expertise und das Risikobewusstsein, die damit einhergehenden Gefahren zu erkennen und Risiken adäquat zu bewerten. Im Gegensatz hierzu sind den Risikomanagern von Instituten logischerweise keine tiefgreifenden fachlichen Kenntnisse der Geschäftsabwicklung und deren Zusammenhänge im Clearing und Settlement in die Wiege gelegt. Ferner konzentrieren sich interne Kontrollmechanismen erfahrungsgemäß stets auf das institutseigene Umfeld – eine übergreifende Sicht auf die Transaktionen entlang der Wertschöpfungskette, und damit auf die Bewegung der Bestände von Kunden über das eigene Institut hinaus, ist nicht gegeben. Im Vertrauen darauf, dass vor- oder nachgelagerte Kontrollen effektiv implementiert sind, bleiben die potenziellen Risiken in der weiteren Prozesskette dem eigenen Institut verborgen. Somit ist es weit weniger verwunderlich, dass bisherige Risiken aus der Abwicklung von Wertpapiergeschäften – die sogenannten „Settlement-Risiken“ – in durchgeführten Risikoerhebungen oder internen bzw. externen Audits stets unberücksichtigt blieben. Die Ursachen für diese bislang unterschätzte Risikokategorie jedoch sind vielfältig und können entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen. Geschäftsbanken, auf die Abwicklung von Wertpapiergeschäften spezialisierte Finanzinstitute, Depotbanken und Zentralverwahrer sind in unterschiedlicher Weise von Risikotreibern betroffen (vgl. Abb. 01). Besonders schwerwiegend sind dabei strukturelle oder technische Schwachstellen in der Erfüllung von Wertpapiergeschäften, der sogenannten Belieferungsdisposition, welche die Stückebewegungen anhand von Handelstransaktionen oder Kapitalmaßnahmen vollzieht. Ein Verfahren, welches häufig die Einschaltung ausländischer Abwicklungsinstitute und Verwahrstellen umfasst, die nicht im Verfügungsbereich lokaler Geschäfts- und Depotbanken stehen. Zeitverzögerte oder fehlerhafte Informationen über den Abwicklungsstatus von Geschäften begünstigen dabei einen Zugriff auf Fremdkundenbestände. Ferner gefährden eingerichtete Zugriffsberechtigungen auf extern geführte Depots und vergebene Handelsvollmachten für Clearinghäuser die Sicherung von Kundenwertpapieren vor unberechtigten Zugriffen. Risiken bedrohen Marktreputation und Kundenvertrauen Abb. 01 Risikotreiber entlang der Wertschöpfungskette der Wertpapierabwicklung Kunde Potenzielle Risikotreiber in der Wertpapierabwicklung Geschäftsbank •Keine Zuordnung von Kunden- und Kontrahentengeschäften •Zeitverzögerte Informationen zu Abwicklungs- und Lieferstatus • Eingeschränkte Kontrollen auf nachgelagerte Prozesse • Vermischung von Kundenbeständen bei Sammelorders • Fehlende Überwachung der Belieferung von Short-Geschäften • ... ! Die aus mangelhaften Verfahren in der Belieferungsdisposition oder unzureichenden Kontrollmechanismen resultierenden Risiken bedrohen Institute in vielfältiger Form. Während der Verstoß gegen gesetz- Zentralverwahrer Abwicklungsinstitut (Asset Servicing) Depotbank Lagerstellen (In- und Ausland) • Kapitalmaßnahmen auf Bestand unabhängig vom Belieferungsstatus • Mängel im Dispositionsverfahren für in- und ausländische LST • Instruktion ungesperrter Lieferweisungen in ausländischen Märkten • Manuelle Eingriffe und unzureichende Kontrollhandlungen • ... • Handelsvollmachten für Clearing-Häuser auf Omnibus-Lagerstellen • Zugriffsrechte auf Omnibus-Lagerstellendepots (bspw. von Kunden) • Verzögerte Umlagerung zwischen in- und ausländischen Lagerstellen • Abweichungen zwischen Buchung und Belieferung von Geschäften • ... ! !

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