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RISIKO MANAGER 07.2015

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10 Ausgabe 07/2015 des

10 Ausgabe 07/2015 des Diskussionspapiers zu entnehmen ist, schwebt dem IASB ein Modell vor, das im Kern auf eine konsequente Neubewertung von finanziellen Vermögenswerten und Schulden abzielt. In aller Regel weisen Bankbilanzen eine Nettoposition mit einem Festzinsüberhang auf der Aktivseite auf, und diese Nettoposition kann beispielsweise mittels eines Payer-Zinsswaps geschlossen werden. Dass das IASB ausgerechnet eine Neubewertung von Bilanz und Zinsswap zur Diskussion stellt, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Derivate traditionell und mitunter aus Überzeugung zum Fair Value, originäre Kredite und Einlagen aber zu (fortgeführten) Anschaffungskosten bewertet werden müssen. Experten sprechen von einem Mixed Measurement Model – ein spätestens seit der jüngsten Finanzmarktkrise nicht sonderlich beliebter Begriff in Banken. Ganz offenkundig lässt sich die Frage nach dem „idealen“ Macro Hedge Accounting letztlich auf die Frage nach der „optimalen“ Bewertung von Finanzinstrumenten reduzieren. Nicht mehr und nicht weniger. Bei aller Wichtigkeit der Ausgestaltung eines Hedge Accounting, ob etwa Kundengeldeinlagen und Eigenkapital in die Nettoposition einbezogen werden dürfen, oder ob interne Sicherungsderivate den Anforderungen an ein Hedging-Instrument genügen, liegen die Ursachen, warum überhaupt Hedge Accounting betrieben werden muss, viel weiter zurück. Ursprung ist nämlich das die angelsächsische Rechnungslegung dominierende Fair- Value-Prinzip, insbesondere auch für Sicherungsderivate. Letztlich gibt es genau zwei Möglichkeiten, ein dadurch entstehendes Ungleichgewicht in der Buchhaltung effizient zu überbrücken: Entweder werden auch Sicherungsinstrumente dem Accrual Accounting unterworfen, oder aber – wie es der Portfolio Revaluation Approach vorsieht – auch Kredite und Einlagen müssen stets neu bewertet werden. Zurückkommend auf das eigentliche Anliegen des PRA, die Kluft zwischen internem Risikomanagement und externem Rechnungswesen zu überwinden, darf bezweifelt werden, dass ein Gleichschalten von Grund- und Sicherungsgeschäft mittels Neubewertung auf Fair-Value-Ebene tatsächlich praxis- und informationsgerecht sein kann. Würde man den verantwortlichen Treasurer einer Bank um seine Einschätzung befragen, so wäre zu erwarten, dass ihm die Volatilität all dieser Fair Values keineswegs zupasskäme. Denn vielmehr strebt er eine im Zeitablauf konstante Zinsmarge an, die dem Jahresabschlussadressaten transparent und leicht nachvollziehbar in der Gesamtergebnisrechnung präsentiert werden kann. Die der Neubewertung innewohnenden positiven wie negativen Wertschwankungen der Hedging-Positionen bieten dazu keine Hilfe. Ganz im Gegenteil – Investoren reagieren auf Fair-Value- Schwankungen skeptisch und zurückhaltend. Deshalb bewegt sich der volatilitätsträchtige Portfolio Revaluation Approach in die falsche Richtung. An seiner Stelle sind vielmehr Stabilität und Konstanz geboten. Accrual Hedge Accounting als Alternative zum Neubewertungsansatz Vor dem Hintergrund zunehmender Regelungen, im Bilanzrecht wie im Aufsichtsrecht, ist ein die Komplexität reduzierender, gleichwohl dem internen Risikomanagement angelehnter und insbesondere durch Vermeidung von Ergebnisschwankungen gekennzeichneter Ansatz vorzuziehen. Als pragmatischer, effizienter und auch zielgerichteter gilt eine einfache Hedge-Accounting-Konstruktion, die sich von Neubewertung und Fair Value Accounting distanziert und auf Basis eines Accrual Accounting funktioniert: Accrual Hedge Accounting. Die Idee eines solchen, sich auf die Bewertung zu (fortgeführten) Anschaffungskosten stützenden Vorschlags lässt sich weitgehend mit dem derzeit anwendbaren Macro Cashflow Hedge Accounting vereinbaren: Nicht länger erfolgt eine Absicherung von (Bilanz-)Werten, sprich Fair Values, sondern von ein- und ausgehenden Zahlungsströmen. Ein in Absicherung einer Nettoposition in Anlehnung an das PRA-Beispiel des IASB Bilanz zum 31.12.201x vielerlei Hinsicht schnörkelloser, aber sehr wirkungsvoller Ansatz. Basierend auf dem im Diskussionspapier das IASB angeführten Beispiel (DP/2014/1.6.1.16 ff.) wird aufgezeigt, dass ein Accrual Hedge Accounting – ohne eine Neubewertung von originären Positionen (Krediten und Einlagen) und derivativen Positionen (Zinsswaps) – zu deutlich stabileren Ergebnissen in der Gesamtergebnisrechnung führt als der Portfolio Revaluation Approach. Für das Asset Liability Management stellt sich im Beispiel die Bilanzstruktur wie in t Tab. 03 dargestellt und nachfolgend erläutert dar, wobei vereinfachend unterstellt wird, dass unterjährig keine Veränderungen innerhalb des Kreditportfolios und des Einlagenportfolios stattgefunden haben und damit die Nettoposition (Festzinsüberhang) gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben ist. In der beispielhaften Bankbilanz (siehe t Tab. 03) wird ein Portfolio aus festverzinslichen Krediten mit Nominalvolumen von 100 GE und mit einer Laufzeit von sechs Jahren über ein variabel verzinsliches Einlagenportfolio, ebenfalls mit Nominalvolumen von 100 GE, kurzfristig refinanziert. Der Kupon des Kreditportfolios beträgt vier Prozent, von denen ein Prozent auf die Marge entfällt. Die variable Verzinsung des Einlagenportfolios orientiert sich an dem Sechs-Monats-Libor. Das Management beabsichtigt, 80 Prozent der offenen Risikoposition abzusichern und schließt dazu einen Payer-Zinsswap ab, dessen erhaltene variable Zinszahlungen ebenfalls mit dem Sechs-Monats-Libor und dessen Festzinszahlungen mit drei Prozent bemessen werden. Bei Anwendung eines Cashflow-orientieren Accrual Hedge Accounting kann das t Tab. 03 Vermögenswerte GE Schulden GE Kredite festverzinslich (Kupon 4%) 100 Depositen festverzinslich 0 Kredite variabel verzinslich 0 Depositen variabelverzinslich (6-M-Libor) 100 offene Risikoposition / Nettoposition Festzinsüberhang 100 davon Absicherung 80% 80 Zinsswap Payer-Zinsswap (fix 3%, float 6-M-Libor) 80

11 Accrual Hedge Accounting und die Stabilisierung des Gesamtergebnisses (NII = NI) Stabilität (AHA) und Volatilität (PRA) im Gesamtergebnis Management dem Jahresabschlussadressaten die in t Abb. 01 zusammengefassten Ergebnisse präsentieren (im Kopf von t Abb. 01 ist die Zinsentwicklung der festen und variablen Zinssätze angegeben). Wie aus t Abb. 01 hervorgeht, weist die Bank in ihrer Gesamtergebnisrechnung ein im Zeitablauf sehr konstantes Nettozinsergebnis (NII) aus. Im Gegensatz zum Portfolio Revaluation Approach entstehen bei Anwendung eines Accrual Hedge Accounting gerade keine Neubewertungseffekte, die dem Jahresabschlussadressaten keine entscheidungsnützlichen Informationen an die Hand geben würden. Die vorliegende Sicherungsbeziehung ist im Treasury Management perfekt effektiv gesteuert, sodass auch der Ausweis eines künstlich erzeugten Neubewertungsergebnisses im Geschäftsbericht nicht gerechtfertigt erscheint. Isoliert betrachtet stimmen Nettozinsergebnis und Gesamtergebnis (NI) überein, der Bewertungseffekt (Fair-Value-Effekt) ist gleich null. Der dem Standardsetzer IASB durchaus für wichtig erachteten, transparenten Informationsversorgung des (potenziellen) Investors auf Basis eines Management Approach wird mit einem Accrual Hedge Accounting vollumfassend Rechnung getragen. Eine Gegenüberstellung des in t Abb. 01 skizzierten Zins- und Gesamtergebnisses mit denjenigen (in diesem Beitrag nicht im Detail vorgestellten) Resultaten des IASB auf Basis des Portfolio Revaluation Approach [vgl. DP 2014, 1.6.1.17 ff.], lässt erkennen, dass die dem Neubewertungsansatz innewohnenden Fair-Value- Effekte zu erheblichen Schwankungen des Jahresüberschusses führen können (vgl. t Abb. 02). Dies gilt gleichermaßen für die vom IASB zur Diskussion gestellten Darstellungsvarianten „Actual Net Interest Income“ und „Stable Net Interest Income“. Zur Implementierung eines Accrual Hedge Accounting in den internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 9 müsste zunächst das undifferenzierte Fair Value Accounting von Derivaten fallengelassen werden. Sofern offene Nettopositionen im ALM nicht über ein Replikationsportfolio oder auf andere „natürliche Art und Weise“ geschlossen werden können und deshalb ein Zinsswap abgeschlossen wird, ist dieser Swap „unverdächtig“ und muss folglich nicht zum Fair Value bewertet werden. So sollten derivative Instrumente grundsätzlich nach ihrer Halteabsicht und Dauerhaftigkeit klassifiziert werden – im internen Risikomanagement sowieso, aber speziell auch für Bilanzierungszwecke. Konsequenz ist, dass die Derivate des Bankbuchs/Zinsbuchs zu Anschaffungskosten ohne Buchung von Wertänderungen angesetzt würden. In der Rechnungslegung von Sicherungsbeziehungen folgte also das ALM-Sicherungsderivat dem gesicherten Grundgeschäft (Nettoposition) – und nicht umgekehrt, wie es der PRA postuliert – internes Risikomanagement und externe Rechnungslegung ließen sich auf diese Weise harmonisieren. Um sicherzustellen, dass ein Accrual Hedge Accounting tatsächlich in Banken gelebt werden kann, sind weitere Modifikationen an den derzeit gültigen Hedge- Accounting-Regeln vorzunehmen. Dies betrifft in erster Line den Umfang der einbezogenen Positionen in die Nettoposition. So ist etwa das erwartete Kundenverhalten adäquat abzubilden. Es sollte durchaus erlaubt sein, Kündigungsrechte in Kreditverträgen und Bodensätze an Einlagen in die t Abb. 01 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 0,1 0 -0,1 -0,2 1hy 2hy 3hy 4hy t Abb. 02 Net Income AHA Net Inocme PRA Buchhaltung einfließen zu lassen. So ist es im internen Risikomanagement gang und gäbe, dass Teile der variabel verzinslichen Kundengelder wie eine Festzinsposition aufgefasst und dementsprechend investiert oder abgesichert werden. Nicht minder essentiell ist, dass auch Eigenkapital zu einem bestimmten Anteil wie eine festverzinsliche Passivposition angesehen wird und ähnlich der Kundengelder als Bodensatz bewirtschaftet werden kann. An der Haftungs- und Verlustabsorptionsfunktion des Eigenkapitals wird dadurch nicht gerüttelt. Auch die bislang eingeschränkte bilanzielle Abbildung von internen Sicherungsderivaten zwischen Bankbuch/Zinsbuch und Handelsbuch könnte insofern entschärft werden, als lediglich eine seitens der Handelsabteilung veranlasste 1:1-Weiterreichung an den Markt sichergestellt sein müsste; ferner sollte gewährleistet sein, dass kein aus der womöglich unterschiedlichen Bewertung von Bankbuch/ Zinsbuch und Handelsbuch herrührender Ergebniseffekt zutage tritt. Nicht zuletzt

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