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RISIKO MANAGER 04.2017

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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8 RISIKO MANAGER 04|2017 tomatischen Prüfung. Erst wenn eine solche Prüfung positiv ausfällt, kann das eigentliche Collateral Management beginnen. Grundlage einer elektronischen Aufrechnungsprüfung ist die zentrale und parametrisierte Ablage der Vertragsdetails, der jeweiligen Rechtsgutachten sowie die standardisierte Anlieferung der Geschäfte. Die Nutzung von parametrisierten Verträgen und Gutachten erlaubt hier, wie heute schon oftmals umgesetzt, die Nutzung von konzernübergreifenden Lösungen. Im nächsten Schritt muss jedes OTC-Derivat eindeutig einem Besicherungsvertrag zugeordnet werden können. Dies bildet die Grundlage im Rahmen der Ermittlung des Nettomarktwerts aller Geschäfte und damit der Berechnung der VM. Die Zuordnung benötigt zum einen Informationen über die Art des Geschäfts, die Zulässigkeit und die jeweiligen Gegenparteien unter einem entsprechenden Vertrag. Insbesondere bei Instituten mit mehr als einem Handelssystem stellt schon die Standardisierung der Geschäftsarten zur Prüfung der Zulässigkeit unter einem Besicherungsvertrag eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere komplexe Produkte, das heißt Produkte aus mehreren Einzelkomponenten, müssen hierbei zerlegt, einzeln angefragt, geprüft, bewertet und die Ergebnisse wieder aggregiert werden. Mit dem Verweis auf den Besicherungsvertrag sind weitere Parameter, wie Mindesttransferbeträge, zulässige Sicherheiten und Bewertungsabschläge sowie andere Vertragsparameter aus einer Vertragsdatenbank der verwendeten Collateral-Management-Software abrufbar. Hierbei stellt insbesondere die Abbildung von zulässigen Wertpapiersicherheiten eine Herausforderung dar, da die rechtliche Definition in eine operativ umsetzbare Lösung mit automatisch prüfbaren Kriterien überführt werden muss. Nur wenn automatisiert erkennbar ist, ob die entsprechenden Sicherheiten als zulässig definiert worden sind und als rechtlich durchsetzbar in den jeweils betreffenden Jurisdiktionen gelten, kann die anschließende Berechnung des Bewertungsabschlags, die Prüfung der Konzentration sowie eine anschließend mögliche Optimierung stattfinden. Hierzu ist eine Verbindung von rechtlicher Definition in den entsprechenden Verträgen und der operativen Prüfung anhand von Wertpapierkennnummern und anderen Merkmalen notwendig. Die für das Collateral Management erstellte Zuordnung muss anschließend, zusammen mit den Sicherheitendaten an nachfolgende IT-Systeme weitergegeben werden. Hierbei müssen die Geschäfte und Sicherheiten einen Primärschlüssel tragen. Er erlaubt es, jederzeit die besicherten Geschäfte, die ausgetauschten Sicherheiten und die Verträge wieder zusammenzuführen. Nur durch einen solchen Schlüssel ist es möglich, die benötigten Vertragsparameter zur Berechnung der Eigenmittelunterlegung im Rahmen der SA-CCR eindeutig Geschäften und Sicherheiten zuzuordnen ( Abb. 03). Heutige Lösungen zur internen Bezeichnung der Verträge, meist basierend auf den Kunden- oder Bundesbanknummern, führen bei einer Vielzahl von Verträgen mit einem Kontrahenten zu einer nicht-eindeutigen Identifizierung. Dies bezieht sich zum einen auf klassische Besicherungsvereinbarungen für ungeclearte OTC-Derivate, jedoch auch auf Clearing-Broker-Verträge, Repo-Verträge und Verträge für besicherte Wertpapierleihegeschäfte. Insbesondere bei Gegenparteien, die neben dem normalen Kontrahentenstatus auch noch als Clearing Broker fungieren, ist eine Eindeutigkeit der Zuordnung essentiell – nicht zuletzt um von der möglichen geringeren Eigenmittelunterlegung beim Clearing zu profitieren. Ziel bei allen Prüfungen und Zuordnungen ist die Integrität und Nachverfolgbarkeit der Daten sowie getroffener Entscheidungen. Diese Datenintegrität bildet die Grundlage für die anschließenden Auswertungen und Berechnungen in den Marktfolgebereichen, insbesondere die bankenaufsichtsrechtlichen Meldungen an BaFin/ Bundesbank, EBA und EZB. Single Point of Truth als Schlüsselelement integrativer Datenhaltung Ein mögliches Zielbild beinhaltet zunächst nicht nur die zentrale, parametrisierte Ablage der Verträge und Gutachten, sondern auch deren Produktion und den Versand an den Kunden. Hierbei kann die Arbeit der Rechtsabteilung durch den Einsatz der Benutzeroberflächen zur Auswahl der Standardparameter basierend auf internen Vorgaben und technischen Möglichkeiten sowie Workflow-gesteuerte Verfahren zur internen Freigabe der Verträge unterstützt werden. Ein Vorteil dieser Art der Vertragserstellung ist die automatische Generierung der Parameter in elektronischer Form und damit die spätere automatische Überführung in die Vertragsdatenbank ohne manuelle Erfassung. Die Ablage der unterschriebenen Verträge in dieser Datenbank komplettiert den Prozess der Vertragsproduktion. In einer zweiten Stufe sollte, falls nicht oder nur teilweise geschehen, der vorhandene Altbestand an Rahmen- und Besicherungsverträgen elektronisch erfasst und in die Datenbank eingespielt werden ( Abb. 04). Ein vernetzter Datenhaushalt für Rahmen- und Besicherungsverträge, Geschäfte und Sicherheiten erlaubt nicht nur eine richtige und effiziente Meldung, sondern auch die Auswertung der Daten im Rahmen von Szenarioanalysen. Solche Analysen sind erforderlich, um zum Beispiel die aufsichtsrechtliche Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten bei Wegfall der Rechtsgutachten oder aktueller Gerichtsurteile zu bewerten. Ebenso sind für den Handel und das Treasury diese Daten von hohem Interesse, da die Parameter große Bedeutung für die xVA-Berechnung sowie die Liquiditätsplanung und Verwaltung des Bestands an qualitativ hochwertigen und liquiden Vermögensgegenständen haben. Die integrierte Vertragsdatenbank fungiert in diesem Szenario als „Single Point of Truth“ für alle Vertragsparameter und muss die vorhandenen Vertragsdaten anschließend nicht nur an die Handelssysteme, sondern vor allem auch an die Collateral-Management-Systeme sowie die Lieferstrecke für das Meldewesen weitergeben. Bidirektionale Schnittstellen erlauben hierbei nicht nur die aktive Übertragung von Informationen aus der Vertragsdatenbank heraus, sondern auch die Abfrage der Aufrechenbarkeit und der Besicherungsfähigkeit auf Einzelgeschäftsebene. Diese Real-Time-Fähigkeitsprüfung ermöglicht dem Handel, nicht

Marktrisiko 9 nur das Vorhandensein der Verträge und damit die Einhaltung der Vorgaben aus der Besicherungspflicht unter EMIR zu prüfen, sondern auch korrekte Informationen bzgl. der Anrechnung auf die Kontrahentenlimite zu erhalten. Neugeschäfte können somit, insbesondere bei größeren Gegenparteien, vor Abschluss geprüft und der mögliche Effekt auf Linienanrechnungen und Limitprüfung detailliert simuliert werden. Die heute oftmals vorhandenen Doppelerfassungen und damit notwendige elektronische Abstimmungsverfahren für die Vertragsdetails im Collateral Management können somit ebenfalls entfallen und sorgen somit für eine schnellere und sichere Datenverfügbarkeit in der Gesamtbank. Bei der notwendigen Konzeption einer solchen Vertragsdatenbank sind die neuen Anforderungen unter der SA-CCR und damit des Meldewesens ebenfalls zu beachten. Hierzu zählt unter anderem die automatische und mit einem eindeutigen Identifikationsschlüssel versehene Bereitstellung von Daten, wie der Besicherungsfrequenz, der Mindesttransferbetrag sowie Thresholds und Independent Amounts. Die Zulieferungen aus der Vertragsdatenbank an das Meldewesen und die aufbereitenden Systeme sind, wie heute bereits üblich, um Informationen zu den Geschäften, Sicherheiten und der Aufrechenbarkeit zu ergänzen. Ebenfalls zu beachten ist die notwendige Mandantenfähigkeit, das heißt die Möglichkeit zur Nutzung der Vertragsdatenbank im Konzern und für Tochtergesellschaften, aber auch für Kunden im Collateral Management. Die Vertragsdatenbank ist mit dem zentralen Data Warehouse zu verknüpfen, um die Integration in weitere Schnittstellen und damit eine automatisierte Verarbeitung zu gewährleisten. Dies erleichtert zudem individuelle und schnelle Auswertungen sowie benutzergesteuerte Reports. Durch den rechtzeitigen Aufbau einer solchen Datenbank lassen sich Verarbeitungsprozesse sachgerecht und effizient abbilden. Auch sind die Effekte durch die Umsetzung der neuen Anforderungen an die Eigenmittelunterlegung leichter simulierbar und eventuelle Optimierungsmaßnahmen möglich. Fazit und Ausblick Im Hinblick auf die gestiegenen Anforderungen an die Bereitstellung der Vertragsdaten unter SA-CCR und der Verpflichtung zur Besicherung von ungeclearten OTC-Derivaten, bietet eine zentrale Vertragsproduktion und Datenbereitstellung große Chancen in Bezug auf die Datenverlässlichkeit und Datenintegrität innerhalb der Gesamtbank. Die laufende Überprüfung der rechtlichen Durchsetzbarkeit wird zentralisiert und lässt sich durch parametrisierte Inhalt: und laufend aktualisierte Der adäquate Einsatz von Modellen zur • Mindestanforderungen an die Validierung, prozessuale Aspekte, Umgang Abbildung von Risiken ist heute wichtiger Gutachten denn je. Darüber kostengünstiger hinaus haben vor dem mit Modellrisiken, und regulatorische unternehmensgruppenübergreifenschen als auch die ökonomischen Anfor- von Kreditportfolio- darstellen. und Marktrisiko- Wei- Hintergrund der jüngsten Finanz- und Anforderungen Schuldenkrisen sowohl die regulatori- • Validierung von Rating-Verfahren, derungen an die Modellvalidierung sowie modellen sowie den Umgang mit Modellschwächen deutlich zugenommen. der Erstellungsprozess beschleu- • Modellen für Kontrahentenrisiken terhin wird Das Buch vermittelt ausführlich die Aspekte des Die Herausgeber und Autoren: nigt und kann, Modellrisikos durch bei Risikomodellen Prof. Dr. Marcus R. W. Martin ist seit 2014 Vorgabe von Rahmendaten seitens lage berücksichtigt des hierbei die Frontoffice, neuen regu- (THM) in Friedberg und Vorsitzender des und deren Validierung. Die nun vorliegende zweite, aktualisierte und erweiterte Auf- Technischen Hochschule Mittelhessen Professor für Finanzmathematik an der unter geringer latorischen Vorgaben. Es werden nunmehr Prüfungs- und Studiengangsausschusses sowohl Ansätze zur Quantifizierung von des Masterstudien-gangs Business Mathematics. Einbindung Modellrisiken als der auch Beispiele Marktbereiche zur Aufsetzung einer vollständigen Modellgover- Dr. Peter Quell leitet die Entwicklung und erfolgen. nace behandelt. Dabei zeigt das Buch die Validierung von Marktpreis- und Kreditrisikomodellen im Controlling einer in gro- der Heute vorhandene Verfahren und Methoden zur Validierung Doppelarbeiten von Marktpreis- und Kreditrisiko, Kontrahentenrisiko und operationellen Risiken ßen deutschen Bank. Rechtsabteilung sowie Liquiditätsrisiken und wirft einen Dr. Carsten S. Wehn leitet in einer großen im Collateral Management bei volle der Hinweise für Vertragserfassung die Praxis. Validierung von Bewertungs- Blick auf die regulatorischen Anforderungen. Darüber hinaus enthält es viele wertrung und verantwortet die unabhängige deutschen Bank die Einheit Modellvalidiewerden und Risikomodellen. Darüber hinaus leitet er die minimiert und risikos eine konzerneinheitliche und operationelle Risiken. Daten- Einheit Controlling Risikotragfähigkeit • Grundsätzliche Aspekte des Modell- • Validierung von Modellen für operationelle Risiken und Liquiditätsrisiken Beratungs- und Aufsichtspraxis. Die Autoren sind Experten aus der Bank-, basis geschaffen. Die Nachverfolgbarkeit der Art.-Nr. 22.496-1700 Daten von der Produktion bis zum Meldewesen und dem Postfach Collateral 45 02 09 I 50877 Köln Management ist je- ISBN 978-3-86556-470-2 Bank-Verlag GmbH Wendelinstraße 1 I 50933 Köln derzeit uneingeschränkt möglich. Durch eine zentrale Bereitstellung der für die SA-CCR notwendigen Vertragsparameter ist eine effiziente Umsetzung der erforderlichen Änderungen möglich und gestattet zielgerichtete Auswertungen mit Blick auf künftige Eigenmittelanforderungen. Mögliche Auswirkungen können somit vorab besser eingeschätzt und durch Gegenmaßnahmen in der Auswirkung begrenzt werden. Autoren: Christian Rump, CFA, Manager, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH. Dr. Silvio Andrae, Deutscher Sparkassenund Giroverband (DSGV). Ralf Backé, Senior Manager, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH. Andreas Hümmerich, FRM, Senior Consultant, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH. Martin | Quell | Wehn | Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen 2., überarbeitete und erweiterte Auflage Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen Regulatorische Anforderungen, Verfahren, Methoden und Prozesse Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage Jetzt Marcus R. W. Martin | Peter Quell | Carsten S. Wehn (Hrsg.) bestellen Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen Marcus R. W. Martin, Peter Quell, Carsten S. Wehn (Hrsg.) ISBN 978-3-86556-470-2 Artikel-Nr. 22.496-1700 79,00 € www.bank-verlag-shop.de medien@bank-verlag.de

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