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RISIKO MANAGER 03.2018

RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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24 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung Von Führung im digitalen Zeitalter und Wargaming als Methode Interview mit Thorsten Kodalle, Oberstleutnant i. G., Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr Unsere Welt ist im Umbruch – sei es durch Kriege und Terror, die steigende Zahl an Umweltkatastrophen oder aufgrund von Cybergefahren und wirtschaftlichen Verwerfungen. Damit wird die Risikolandkarte größer. Für Entscheider im politischen wie im wirtschaftlichen Umfeld heißt das, sich auf eine Vielzahl möglicher Risiken einzustellen. Mehr noch gilt es, diese Risikofaktoren in die eigenen organisatorischen Planungen aufzunehmen. Die Redaktion von FIRM sprach mit Oberstleutnant i.G. Thorsten Kodalle, Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr, über die aktuellen geopolitischen Verwerfungen, Führung im digitalen Zeitalter und dem Wargaming als Methode zur besseren Entscheidungsfindung im Risikomanagement. FIRM-Redaktion: Herr Kodalle, Kriege Terror, Flüchtlingsdramen oder Cybergefahren. Die Risikolandkarte in unserer Zeit ist groß, und es scheint, als sei die Welt in vielen Bereichen aus den Fugen geraten. Wohin treibt unsere Welt im geopolitischen Kontext? Thorsten Kodalle: Wohin die Welt treibt, ist schwierig vorherzusagen und zu berechnen. Es gibt Experten, wie Robert D. Kaplan, die sagen, dass es eine Illusion sei, die Welt heute noch kontrollieren zu wollen. Vieles entsteht und überrascht uns in immer kürzeren Zeitabschnitten. So wundert es nicht, dass wir beispielsweise in der Außenpolitik einen Vorhersagehorizont von vielleicht drei Monaten haben. Mit Blick auf die Außenpolitik haben wir in den letzten Monaten Sachen erlebt, mit denen wir nie gerechnet haben. Ein Blick auf die Wahl von US-Präsident Trump genügt. Seine Innen- und Außenpolitik scheint in vielen Fällen weniger berechenbar als die seiner Vorgänger. Das fängt bei der Kommunikation via Twitter an und hört bei der gefühlten Demontage des internationalen Systems mit dem Rückzug aus Organisationen auf. Flankiert von der Aufkündigung nationaler und internationaler Verträge und der Art der Verhandlungsführung zurück vom multilateralen zu bilateralen Gesprächen macht das die Einschätzungen seiner Politik nicht leichter. FIRM-Redaktion: Können Sie Ihre Einschätzungen zur geopolitischen Lage Deutschlands etwas konkretisieren? Thorsten Kodalle: Deutschland steht geopolitisch in der Mitte, abhängig von Verflechtungen zu China, Russland und den USA. So bestehen beispielsweise starke Handelsverflechtungen mit China sowie enorme Verflechtungen im Energiesektor mit Russland. Und auch mit Blick auf die USA sehen wir nach wie vor verteidigungspolitische Verflechtungen und vor allem Abhängigkeiten von deren Fähigkeiten insbesondere innerhalb der NATO. Militärpolitisch ist der weitere Weg Deutschlands für die Zukunft schwierig einzuschätzen. Ein Ansatz könnte lauten, dass in diesen Zeiten der „Welt ohne Weltordnung“ zunächst mehr auf regionale Gegebenheiten geschaut werden müsste. Das heißt, regionale Lösungsansätze finden, um etwas mehr Stabilität zu schaffen, und nicht gleich alles durch die große geopolitische Brille zu betrachten. FIRM-Redaktion: Stichwort Digitalisierung. Sie lehren ja nun unter anderem als Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr. Wie muss Führung im digitalen Zeitalter verstanden und gelebt werden? Thorsten Kodalle: Führung im digitalen Zeitalter muss die klassischen Grundsätze berücksichtigen, die immer noch zählen, weil das menschliche Gehirn sich in den letzten 10.000 Jahren nicht verändert hat. Sprich, alles was früher Gültigkeit im Prozess der Entscheidungsfindung hatte, besitzt auch heute noch seine Gültigkeit. Denn beispielsweise ist der Umgang mit Ungewissheit und Emotionen etwas, das auch im digitalen Zeitalter noch zutrifft. Aber es braucht digitale Führungsintelligenz, um mit der Schnelllebigkeit umzugehen. Denn wir haben immer mehr Daten und gefühlt immer weniger Zeit. Wichtig ist eine wertebasierte Führungsfähigkeit, um richtige Entscheidungen zu treffen. Managen bedeutet die Dinge richtig zu machen, Führen bedeutet die richtigen Dinge zu machen - das ist ein wichtiger Unterschied. Und diese Führungsentscheidungen müssen immer wieder angepasst werden. Eine analytische Methode bildet das sogenannte Wargaming, um eigene Ideen zu reflektieren. FIRM-Redaktion: Was steckt hinter dem Wargaming als Methode? Thorsten Kodalle: Hinter dem Wargaming steht ein methodisches Analysetool, das die Entscheidungsfindung im Risikomanagement

25 Ausgabe 03/2018 Bildquelle: Stefan Heigl / RiskNET GmbH unterstützt. Als Ausbildungsmittel können mithilfe der Wargaming-Methode Risiken minimiert und die Awareness gesteigert werden. Ein Ziel ist es unter anderem, vermeidbare Fehler im Vorfeld auszuschließen. Eine Besonderheit am Wargaming ist, dass hier die Simulation einen spielerischen Charakter haben kann. Gleichzeitig erlaubt ein Wargame jedoch den Teilnehmern, ihre Emotionen und Neigungen mit einzubringen und die Entscheidungen zu erleben. Wir unterscheiden grundsätzlich das manuelle, qualitative Wargaming, das wir an der Führungsakademie zum Beispiel auf der operative Ebene ausbilden – und wo unser Leitfaden aus dem Jahr 2004 immer noch das Standardwerk innerhalb der NATO ist – vom quantitativen, rechnergestützten Wargaming. Das hat dann eher den Charakter einer konstruktiven Simulation. Aber beide Verfahren lassen sich sehr gut kombinieren – sowohl in in der Lehre als auch der Analyse. Im Januar 2017 haben wir zum Beispiel manuelles Wargaming des Kings College London (PhD Student Andreas Haggman) mit quantitativem Wargaming des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT, Professor Hagen Lindstädt) kombiniert. FIRM-Redaktion: Bleiben wir noch einen Augenblick beim Wargaming. Können Sie unseren Lesern, die ja überwiegend aus dem Bankenumfeld kommen, die Methode einmal an einem praktischen Beispiel im Bankenbereich kurz skizzieren? Thorsten Kodalle: Vorab: Ich bin kein Finanzberater oder Experte für den Bankensektor. Ich habe mich in den letzten Monaten aber intensiv mit Kryptowährungen beschäftigt. Kryptowährungen gehören neben Propaganda-Bots – es gibt 307 Millionen Propaganda-Bots auf Facebook – und Künstlicher Intelligenz zu den großen Treibern im Feld der Digitalisierung im Jahr 2018. Davon sind Banken direkt und fundamental betroffen. Da hier sehr viel Unsicherheit herrscht, welche Nation welche Regulierungen verfolgt und welche Möglichkeiten ein Anleger in welchen Ländern hat, in anderen Ländern Kryptowährungen zu handeln, und wo Banken Schnittstellen zu FIAT-Geld anbieten können/dürfen/sollten, sehe ich hier Material für eine interessante Szenarioanalyse und/oder ein Business Wargame. Eine Bank könnte also durchspielen, wie ihre „Kryptostrategie“ sich im Umfeld von Regulatoren und Wettbewerbern in bestimmten Regionen oder global auswirken könnte. Blau wäre dann die eigene Bank/Institution, Rot das Umfeld der Konkurrenz, mit vielleicht herausgehobenen Playern, Gelb dann zum Beispiel die Regulatoren in den USA, China, Russland oder Indien. Und dann entwickelt Blau einen Plan – zum Beispiel einen zusätzliche Exchange in Deutschland anzubieten – und alle anderen Beteiligten entwickeln ihre Gegenaktion. Das Besondere ist ja dabei, dass Rot tatsächlich authentisch versucht den Wettbewerber abzubilden und nicht einfach schönrechnet. Wargaming ist die härteste Form des Testens der eigenen Ideen. FIRM-Redaktion: Kommen wir noch einmal auf das Thema der Digitalisierung zurück. Wenn Sie als Experte einen kritischen Blick auf die Verwundbarkeit der Finanzbranche mit all ihren digitalen Angeboten, neuen digitalen Währungen und dem Versprechen der Sicherheit in unserer eng vernetzten Welt werfen. Wie sicher ist die versprochene Sicherheit, und welche Hausaufgaben müssen Banken dringend erledigen? Thorsten Kodalle: Ich kann hier nur eine sehr fundamentale Bewertung abgeben, da ich keine Expertise im Detail habe. Grundsätzlich gilt, dass alle zentralisierten Systeme mindestens einen „Single- Point-Of-Failure“ – einen zentralen Fehlerpunkt – haben, z.B. einen zentralen Server. In der Cybersecurity Community sagt man plakativ: es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: die, die gehackt worden sind,

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