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RISIKO MANAGER 03.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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14 RISIKO MANAGER 03|2016 gen zwischen Kontrahenten gibt. Diese haben zur Konsequenz, dass sich die Barwerte der Derivate mit einem Kontrahenten (Geschäfte innerhalb eines Nettingsets) für den Zweck der XVA-Berechnung aufrechnen lassen. Somit werden die Berechnungen der XVA-Kennzahlen und damit der Barwert eines Derivats abhängig vom Kontrahenten bzw. Portfolio. Dies ist leicht am folgenden Beispiel erkennbar: Der Abschluss eines exakten Gegengeschäfts zu einem bestehenden Portfolios führt dazu, dass zu jedem Zeitpunkt der Barwert dieses Portfolios null ist. Somit sind auch CVA und FVA nicht existent, also null. Ein Abschluss des identischen Geschäfts mit einem neuen Kontrahenten würde allerdings positives CVA und FVA generieren und natürlich keine Änderung bei der XVA-Bewertung des bestehenden Portfolios implizieren. Diese Portfolioabhängigkeit hat wiederum ihrerseits weitreichende Konsequenzen. Ausgewählte Implikationen für Nichtfinanzinstitute Der einfache Preisvergleich von potenziellen OTC-Geschäften über potenzielle Vertragspartner (Banken) hinweg ist aufgrund der Portfolioabhängigkeit nicht mehr gegeben. Ein gesonderter Ausweis der Bewertungskomponenten (CVA und FVA) ist notwendig. Nur so können gestellte Preise verglichen werden, und bei Abschluss compliancetechnisch eine Marktkonformität nachgewiesen werden. Ein Verständnis des CVA und FVA ist also auch für Unternehmen der Realwirtschaft wichtig, nicht nur um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Die obigen Darstellungen haben den grundsätzlichen Zweck von Hedging und Überlegungen zu Fundingquellen im Nichtfinanzumfeld vernachlässigt. Mit dem finanztechnischen Hedging werden Zahlungsflüsse aus realen Produktionen, Zahlungs- und Lieferverpflichtungen abgesichert. Die Gegenposition ist in der Regel also kein Derivat. Entstehen durch das finanztechnische Sicherungsgeschäft Sicherheitenverpflichtungen, ist hierfür gesondert Collateral (Barvermögen oder Wertpapiere) vorzuhalten. Die vorzuhaltenden Sicherheiten sind bestimmt durch die potenzielle und unbekannte Wertentwicklung des Derivats. Den maximalen Collateralbedarf kann man nicht bestimmen, sofern der Barwert eines Derivats nicht beschränkt ist. Das Abschätzen des maximalen Collateral-Bedarfs zu einem gegebenen Konfidenzniverau ist sehr wohl möglich. Hierzu dient das Potential Future Exposure (PFE) 6 . Nicht geklärt ist aber hier die Quelle für das Collateral, falls der Sicherheitenbedarf über das berechnete Potential Future Exposure hinaussteigt. Die Sicherheiten sind also möglicherweise in nicht unerheblicher Menge vorzuhalten. Diese Mittel fehlen dann dem operativen Geschäft. Ein Cashflow Matching zwischen Derivat und gesichertem Grundgeschäft ist damit faktisch nicht mehr existent. Ursächlich sind hierfür genau die zukünftigen Szenarien, für die das Nichtfinanzinstitut keine Absicherung benötigt. Fazit Neben den umfangreichen Reportingpflichten und dafür notwendigen Infrastrukturen sowie Ressourcen im Zuge von EMIR und vergleichbaren Regularien hat sich auch die Absicherung über OTC-Derivate insgesamt ungleich komplexer entwickelt. Die XVA-Kennzahlen helfen, die neue Welt besser zu verstehen und zu bewerten. Die Instrumente zur Erzielung einer Finanzmarktstabilität schlagen sich diametral auf die Stabilität in der Realwirtschaft nieder. Um auch zukünftig unternehmensspezifisch adäquate Sicherungsstrategien zu entwickeln, ist die Berechnung und die Beurteilung dieser neuer Kennzahlen im bekannten Umfeld wie Derivatbewertung, Cashflowrisiko und Liquiditätsplanung unabdingbar. Diese Sicherungsstrategien bedingen mitunter komplexere strukturierte Produkte. Da die Kontrahentenstruktur sowohl die erfolgswirksame Bewertung als auch den Collateralbedarf bestimmt, ist neben dem Verständnis für die neuen Bewertungskomponenten auch eine aktive Steuerung des Kontrahentenrisikos inklusive Monte Carlo basiertem PFE und der XVAs anzudenken. Technisch und fachlich ist im Treasury hierfür aufzurüsten. Autoren Alexander Burck, Head of Corporate Financial Controlling, Bayer AG. Dr. Sven Ludwig, Managing Director, Head of SME Risk Management und Analytics EMEA, FIS/SunGard. Der Beitrag gibt die jeweils eigene, persönliche Meinung der Autoren wieder und darf nicht mit den Arbeitgebern der beiden Autoren in Zusammenhang gesehen werden. 1 Vergleiche hierzu IAS 39 bzw. IFRS 13. 2 Der CVA eines derivativen Instruments ist vereinfacht gesagt die amerikanische Option auf genau dieses, adjustiert um die Ausfallswahrscheinlichkeit des Kontrahenten und der Wiederverwertungsquote, vgl. Sven Ludwig/Marcus R.W. Martin/Carsten S. Wehn (Hg.): Kontrahentenrisiko: Bewertung, Steuerung, Unterlegung nach Basel III und IFRS, Stuttgart 2012. 3 Neben den rein technischen Herausforderungen ist z. B. das Kalibrieren der Monte-Carlo-Simulation eine fachlich anspruchsvolle Aufgabe. 4 Weit über das Hundertfache gegenüber einem perfekt besicherten Kontrakt ist möglich. 5 Es ist unmittelbar ersichtlich, dass man für die Bestimmung des Sicherheitenbedarfs den Barwert des Derivats über viele Zukunftspfade hinweg zunächst berechnen muss, ebenso wie für die Berechnung des CVA. 6 Diese PFE ist wiederum mit einer Monte-Carlo-Simulation analog zur CVA und FVA erreichbar. Je nach Risikostrategie ist allerdings eine andere (real-world) Kalibrierung nötig.

Marktrisiko 15 Alternative zum Raten In Risikoszenarien denken Risikomanager sind gefordert, unerwartete und extreme Situationen erfolgreich zu meistern. Eine allgegenwärtige, scheinbar perfekte Technik trägt dazu bei, eine Illusion der Gewissheit und Kontrollierbarkeit mit klaren Verhaltensregeln aufzubauen. Doch kann es diese Gewissheit allgemein nicht geben. Wie können Risikomanager ungewissen Extremsituationen begegnen? Die Standardmethoden des Risikomanagements lassen die Berechnung von Risiken einfach erscheinen. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass diese Methoden jedoch nicht ausreichen. Risikomanager benötigen ein Instrumentarium, das ihnen hilft, Risiken in kurzer Zeit kompetent und intelligent einzuschätzen. Die Analyse von Risikoszenarien und die Bewertung von extremen Ereignissen mit statistischen Methoden sind Ergänzungen zum klassischen Managementansatz. Einleitung Risiken begleiten unser Leben. In der Unternehmensführung ist das Management von Risiken eine wesentliche Aufgabe. Im Risikomanagementprozess werden Verantwortlichkeiten für die Erfassung, Bewertung und Steuerung von Risiken zugeordnet. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Risiken keine existenzbedrohenden Überraschungen sind. Das funktioniert jedoch nur insoweit, als Risiken kalkulierbar sind. Es ist daher natürlich, mathematische oder statistische Berechnungsformeln für Risiken zu verlangen. Zunächst im Bankmanagement für die Bewertung von Marktrisiken – später dann auch für die Abschätzung von operationellen Risiken in der Industrie – wurde in den 90er Jahren der Value-at-

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