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RISIKO MANAGER 02.2018

RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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4 RISIKO MANAGER 02|2018 Risikovorsorgeplanung Das Expected Loss Model des IFRS 9 als Chance zur Optimierung von Planungsprozess und -qualität Die Kreditrisikovorsorge ist für die meisten Finanzinstitute eine signifikante Ergebnisdeterminante. Die bilanzielle Risikovorsorge beschreibt die Art und den Umfang der Abbildung nettovermögensmindernder oder -mehrender Risiken in der Bilanz. Der Begriff der Risikovorsorge beschreibt diesbezüglich die Bildung einer Rücklage eines Finanzinstituts für das Kreditgeschäft [Vgl. weiterführend Müßig 2007, S. 1]. Die entsprechenden Planwerte der Deckungsbeitrags-, Gewinn- und Verlust- sowie Bilanzgrößen im Rahmen der Planung hinreichend valide ermitteln zu können, ohne die Komplexität im Planungsmodell signifikant zu erhöhen, stellt die Institute jedoch vor eine große Herausforderung. Oft erfolgt die Risikovorsorgeplanung rudimentär in Form von Expertenschätzungen oder Extrapolation, während methodische Ableitungen angesichts der Relevanz der Ergebnisbeiträge deutliche Vorteile aufweisen. Die Einführung des IFRS 9 und die damit verbundene Umstellung vom Incurred Loss Model auf das Expected Loss Model bietet bei dem Vorgehen zur Risikovorsorgeplanung großes Synergiepotenzial. Werden die in jedem Fall zu etablierenden Ermittlungsmethodiken für externe Abschlüsse nach IFRS auch für Planungszwecke adaptiert, ist eine erhebliche Erhöhung der Planungsqualität für die Risikovorsorge (RiVo) mit vergleichsweise geringem Aufwand zu erreichen. In diesem Sinn thematisiert der vorliegende Beitrag die Entwicklung einer Planungsmethodik für die Risikovorsorge in Anlehnung an IFRS 9 zur Objektivierung und geschäftsfeldübergreifenden Standardisierung der Planergebnisse. Ausgangslage – Bilanzielle Risikovorsorge im Kontext der Geschäftsfeldplanung Die Geschäftsfeld- und Konzernplanung stellt seit jeher einen entscheidenden Bereich der Steuerungsprozesse dar. In der externen Sicht ist sie prädestiniert als (eine) Informationsgrundlage zukünftiger Entwicklungen der Vermögens-, Finanz- und

Kreditrisiko 5 Tab. 01 Ratingprozess Instrument Deutschland Österreich Schweiz ∑ bzw. ∅ Anzahl Institute 19 6 25 50 Risikovorsorge / Nettoergebnis 700 % 551 % 28 % 426 % Risikovorsorge / Nettoergebnis bereinigt 166 % 142 % 28 % 112 % Risikovorsorge / Nettozinsergebnis 30 % 29 % 9 % 23 % Quelle: Eigene Kalkulation auf Basis einer Auswertung aus Thomson Financial Datastream für 50 börsennotierte Kreditinstitute aus dem Raum Deutschland, Österreich und Schweiz für die Jahre 2006 bis 2015. Das Nettoergebnis (Konzernergebnis) ist definiert als Gewinn oder Verlust eines Unternehmens nach Abzug von Steuern und anderen Gesellschaftern zustehenden Gewinn- oder Verlustanteilen. Ertragslage im Rahmen des Lageberichts und der Prognose der Ergebnisentwicklung [durch eine Externalisierung der internen Unternehmensplanung im Sinn eines Management-Approach wird die in DRS 20 formulierte, zentrale Funktion des Prognoseberichts forciert, die voraussichtliche Entwicklung des Konzerns mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken ist aus Sicht der Konzernleitung zu beurteilen und zu erläutern. Vgl. Knauer/Wömpener 2010, S. 483f.] sowie etwaiger Meldeanforderungen (u. a. Basismeldewesen), Ratinggespräche und des Investor-Relations-Management. In der internen Steuerung bildet die Geschäftsfeldund Konzernplanung insbesondere die strategische und operative Erwartungshaltung der Geschäftsentwicklung ab, sodass eine kurz- und mittelfristige Zielfestlegung vom Management bis zum Vertrieb quantifiziert wird. Weiterhin dient sie als Rahmen für Investitionen und zur Allokation verfügbarer Budgets, als Benchmark für Soll-Ist-Vergleiche (operative Leistungsmessung) sowie als Basis der Incentivierung. Hierbei verfolgt die Geschäftsfeldplanung das Ziel einer Segmentierung der Konzern-/ Gesamtbankplanung, um dadurch erwartete Ergebnisbeiträge aus Kundengeschäft, Handel und Treasury transparent und verantwortungsbezogen darzustellen, sodass eine effiziente Übersetzung der Gesamtbankziele in die Planungen der Geschäftsfelder erfolgt und steuerungsrelevante Informationen für weitere vertriebliche Maßnahmen zur Verfügung stehen [Vgl. Simanek 2013, S. 10-15 sowie Hahn/Taylor 2013, S. 652]. Angesichts ihres prospektiven Charakters ist der Planung eine Unsicherheit inhärent, jedoch hat diese durch die volatile Marktentwicklung in den vergangenen Jahren überproportional zugenommen. Zugleich haben steigende Vorgaben der Rechnungslegung und Regulatorik sowie die Erwartungshaltung externer wie interner Stakeholder die Komplexität des Planungsprozesses und die Anforderungen an die Planungsergebnisse gleichermaßen stetig erhöht. Sowohl Komplexität als auch Unsicherheit bzgl. eines spezifischen Planungsfelds sind dabei umso höher, je schlechter dieses kurzfristig (innerhalb des Planungszeitraums) durch operative Maßnahmen beeinflussbar ist [Vgl. Klein/Scholl 2012, S. 3]. Dies trifft in besonderem Maßeauf die Risikovorsorge zu, die sich in aller Regel lediglich mittel- bis längerfristig über das Pricing und Neugeschäftsabschlüsse beeinflussen lässt. Dem Bestandsgeschäft, das üblicherweise den überwiegenden Teil des Gesamtvolumens darstellt, kann nur indirekt mittels Hedging oder Portfolioverkäufen Rechnung getragen werden. In der Logik der Planerstellung stellt die Risikovorsorge somit eine endogene Größe dar, deren (erwartete) Ausprägung von der Entwicklung des Bestands- und Neugeschäfts sowie verschiedenen weiteren Faktoren abhängt. In der Praxis ist die Handhabung der Risikovorsorge im Zuge der Planung sehr heterogen ausgeprägt. Das Spektrum reicht dabei von faktischer Nichtberücksichtigung bis hin zu methodischer Ableitung der Planergebnisse. Eine Nichtberücksichtigung der Risikovorsorge im Rahmen der Planung ist kaum begründbar. So macht ein Blick auf die nachfolgende Auswertung deutlich, dass die Risikovorsorge im Regelfall eine wesentliche Position deutscher Kreditinstitute darstellt und einen durchaus signifikanten Einfluss auf deren Ergebnissituation aufweist. Die Auswertung stellt das durchschnittliche Verhältnis der Risikovorsorge sowohl zum Nettoergebnis als auch zum Nettozinsergebnis von 50 börsennotierten Kreditinstituten im DACH- Raum für einen Zeitraum von 2006 bis 2015 dar ( Tab. 01). Wenngleich die Ergebnisse im angegebenen Zeitraum eine große Streuung aufweisen, ist insbesondere der bereinigte (aufgrund extremer Ausreißer während der Finanzkrise wurden zwei Institute nicht in die Ergebnisdarstellung miteinbezogen) Mittelwert des Verhältnisses Risikovorsorge zum Nettoergebnis in Höhe von 112 Prozent durchaus ein Indikator dafür, in welchem Maß die Risikovorsorge in der Breite der Stichprobe die Institute beeinflusst und dass ihr grundsätzlich auch für die Planung ein hoher Stellenwert beizumessen ist. Aktuelle Studien zeigen darüber hinaus, dass die Mehrzahl der Banken von einem bis zu zehnprozentigen Anstieg der Risikovorsorge bedingt durch die Neuregelungen durch IFRS 9 ausgehen [Vgl. Deloitte 2014a, S.1-3.; Ernst & Young 2015b, S. 10f., S.30.; Haaker 2016, S. 4368f.; Pallandt 2016, S. 101f.; Börstler 2015, S. 5]. Dabei ist zu beachten, dass 65 Prozent dieses erwarteten Anstiegs den Impairmentregeln, auf die im weiteren Verlauf detailliert eingegangen wird, zuzuschreiben ist [Vgl. Schebler 2014, S. 48.; Bankenanalyse 2013; Deloitte 2014a, S. 1-3.; Ernst & Young 2015b; S. 10f.; Haaker 2016, S. 4368f.; Börstler 2015, S. 5]. Doch auch wenn die Risikovorsorge bei der Planung berücksichtigt wird, divergiert die Qualität der Planwerte je nach verwendeter Methodik. Vergleichsweise einfache Verfahren zur Ermittlung von RiVo-Planwerten sind High-Level-Expertenschätzungen ohne spezifische Begründung der Ergebnisse (die Expertenschätzung gilt als wenig transparent und führt regelmäßig zu aufwendigen Abstimmungsprozessen und Unverständnis hinsichtlich der erwarteten Höhe) sowie unterschiedliche Formen historischer Fortschreibung. Hierbei sind eine unveränderte Verwendung der Vorjahresdaten als Erwartungswert sowie ein Fortschreiben der durchschnittlichen Veränderung der letzten Jahre auf den gesamten Planbestand oder aber getrennt nach Bestands- und Neuge-

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