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RISIKO MANAGER 02.2017

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44 RISIKO MANAGER 02|2017 Abb. 01 Gestaffeltes Inkrafttreten der Besicherungspflicht unter EMIR Die genannten Schwellenwerte sind der Mittelwert der Monatsendwerte März, April und Mai an ungeclearten OTC-Derivaten einer Unternehmensgruppe im jeweiligen Kalenderjahr einer Stufe. Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Variation Margin Die Anforderungen erlangen erst dann Wirksamkeit, wenn beide Parteien von einer Schwelle betroffen sind. Somit definiert der kleinere Kontrahent die Anwendbarkeit der Besicherungspflicht. Ersichtlich ist die Notwendigkeit zur Messung der relevanten Schwellenwerte auf Ebene der Unternehmensgruppe und die Veröffentlichung einer Selbsteinstufung damit Kontrahenten entsprechend agieren können. 1 RTS steht für Regulatory Technical Standard. 2 NFC+ sowie FC. in Bezug auf die ausstehenden ungeclearten OTC-Derivate. Sie wird gemessen am jeweiligen Nominal der ungeclearten Derivatekontrakte einer Unternehmensgruppe und der Komponente der Besicherungspflicht (VM oder IM). Die Besicherung des Marktwerts (Variation Margin) ist heute bereits Standard im Interbankenhandel und wird nun erstmals ein aufsichtsrechtlich verbindlicher Bestandteil ( Abb. 01). Vormals wurde die Besicherung aus Gründen der Risikobegrenzung und der Eigenkapitalentlastung umgesetzt. Nunmehr werden diese frei verhandelbaren Rahmenparameter der Besicherung mit Mindestanforderungen belegt. Die Berechnung der Variation Margin soll mindestens auf täglicher Basis auf aktuellen Bewertungen und Marktdaten erfolgen. Der auszutauschende Betrag der Variation Margin wird hierbei als noch offene Differenz zwischen dem Gesamtmarktwert aller Produkte des Netting-Sets (ein Netting-Set bildet eine Gruppe von Transaktionen mit einem Kontrahenten, die einer rechtlich bindenden Aufrechnungsvereinbarung unterliegt) und Initial Margin Einen Monat nach Inkrafttreten des RTS1 für Kontrahenten 2 mit einem Schwellenwert über 3.000 Mrd. EUR. Vermutlich der 01. Januar 2017 oder 01. Februar 2017. 01. März 2017 für Kontrahenten mit einem Schwellenwert unter 3.000 Mrd. EUR. 01. September 2017 für Kontrahenten mit einem Schwellenwert über 2.250 Mrd. EUR. 01. September 2018 für Kontrahenten mit einem Schwellenwert über 1.500 Mrd. EUR. 01. September 2019 für Kontrahenten mit einem Schwellenwert über 750 Mrd. EUR. 01. September 2020 für Kontrahenten mit einem Schwellenwert über 8 Mrd. EUR. Abb. 02 Zukünftiger Abwicklungsprozess der Variation Margin dem Gesamtwert der bereits vorher gestellten Variation Margin berechnet. Weiterhin sehen die Mindestanforderungen unter anderem einen Mindesttransferbetrag von 500.000 EUR vor. Liegt die Änderung der Variation Margin unter diesem Wert, so ist kein Austausch notwendig. Weiterhin sind Freibeträge (Thresholds) oder Zusatzsicherheiten (Independent Amount) nicht mehr zulässig. Eine besondere Herausforderung liegt in der schnelleren Abwicklung der Sicherheiten, welche bereits am Tag der Aufforderung zum Austausch (Margin Call), und damit einen Tag früher als in der Vergangenheit, ausgetauscht werden müssen ( Abb. 02). Es besteht die Möglichkeit einige Produkte bis zum Inkrafttreten der MiFID II / Mi- FIR Regulierung (FX-Termingeschäfte) oder für einen definierten Zeitraum von drei Jahren (Equity Optionen) von der Variation-Margin-Berechnung auszunehmen. Zahlreiche Kontrahenten planen jedoch, diese Ausnahmen aufgrund des hohen zusätzlichen Implementierungsaufwands nicht zu nutzen. Weiterhin sind nur die Geschäfte, die bis 16:00 Uhr Ortszeit abgeschlossen worden sind, in die Besicherung am nächsten Tag einzubeziehen. Wenn die Kontrahenten in unterschiedlichen Zeitzonen ansässig sind, so ist die Zeitzone relevant, in der es zuerst 16:00 Uhr ist. Aufgrund der Komplexität bei der Ermittlung (Zeitzonen pro Kontrahent, Sommer- und Winterzeit etc.) und der oftmals nicht einheitlichen Handelszeit, planen zahlreiche Kontrahenten freiwillig auch Geschäfte zwischen 16:00 Uhr und dem Tagesende in die Besicherung einzubeziehen. Mit der größenabhängigen Einführung beginnt die Pflicht zur Berechnung und dem Austausch der Initial Margin für die meisten deutschen Institute erst zum 01. September 2020. Im Unterschied zur Variation Margin, die auf Nettobasis und damit durch eine Zahlung ausgetauscht wird, wird die Initial Variation Margin Montag (t+0) Dienstag (t+1) Mittwoch (t+2) Aktueller Marktstandard Neuer Standard unter EMIR Bewertung der Geschäfte im Rahmen der End-Of-Day Verarbeitung auf Dienstag. Abstimmung der Sicherheitenanforderungen Abstimmung und Abwicklung Abwicklung Falls die Markteilnehmer noch weitergehende Verzögerungen zwischen dem Berechnungstag und dem Abwicklungstag vereinbart haben, so sind die Auswirkungen entsprechend größer. In der Praxis wird dies dazu führen, dass die neuen Verträge unter der Besicherungspflicht (t+1) zeitlich vor den Altverträgen ohne Besicherungspflicht (t+2) bearbeitet und abgewickelt werden müssen.

Regulierung 45 Margin auf Bruttobasis gestellt. Somit kommt es bei der Initial Margin nicht zur Verrechnung zweier entgegengesetzter Zahlungen mit teilweise unterschiedlichen Beträgen, sondern beide Kontrahenten müssen Initial Margin stellen. Marktteilnehmer mit einem Schwellenwert von unter 8 Mrd. EUR sind jedoch dauerhaft ausgenommen, sofern dieser Wert nicht überschritten wird. Weiterhin besteht ein Initial-Margin-Freibetrag bei Geschäften gegenüber anderen Unternehmensgruppen in Höhe von mehr als 50 Mio. EUR (bezogen auf die berechnete IM). In diesem Fall muss die Initial Margin unterhalb dieses Werts nicht ausgetauscht werden. Darüber hinaus existiert ein entsprechender Freibetrag auch innerhalb der Unternehmensgruppe bei Kontrahenten ohne Intragruppenausnahme, jedoch nur in Höhe von 10 Mio. EUR (wiederum bezogen auf die berechnete IM). Dauerhaft ausgenommen von der Initial-Margin- Pflicht sind Devisentermin- und Devisenswapgeschäfte sowie teilweise Cross Currency Swaps. Dies soll mögliche Auswirkungen auf Währungsabsicherungen in der Realwirtschaft minimieren. Während die Berechnung der Marktwerte für die Variation Margin ohne weitere Modelle möglich ist, müssen für die Berechnung der Initial Margin entweder das Standardmodell oder ein internes Modell implementiert und mit den Kontrahenten vereinbart werden. Hierzu hat u. a. die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) ein „Standard Initial Margin Modell“ (SIMM) entwickelt. Dieses soll den Banken die Einführung erleichtern und Abweichungen minimieren. Neben der Berechnung und Abstimmung muss die Initial-Margin-Anforderung durch den Austausch von Wertpapieren oder die Hinterlegung von Barsicherheiten bei Drittparteien gedeckt werden. Dies stellt zahlreiche Marktteilnehmer, die heute über keine Möglichkeit verfügen, Wertpapiere als Sicherheiten zu akzeptieren, vor große Herausforderungen. Zur Deckung der beiden neuen Besicherungskomponenten der IM und VM wird ein breiter aufsichtsrechtlicher Rahmen an Sicherheiten definiert, der neben Barsicherheiten auch Wertpapiere (unter anderem Staats- und Unternehmensanleihen, Covered Bonds, Aktien, Fondsanteile, Wandelanleihen), Asset-Backed Securities und sogar Gold zulässt. Im Rahmen der bilateralen Vertragsverhandlungen über die Besicherungsvereinbarungen können jedoch Einschränkungen, zumeist auf Barsicherheiten, vorgenommen werden. Bei der Akzeptanz weiterer Sicherheitsklassen ist ein Marktzugang durch beide Parteien und damit die Möglichkeit zur zeitnahen Verwertung im Insolvenzfall nötig. Anders als bei Barsicherheiten unterliegen Wertpapiere Bewertungsabschlägen (Haircuts) bei der Anrechnung. Diese werden durch die Bonität, Laufzeit sowie Assetklasse und einen möglichen zusätzlichen FX-Bewertungsabschlag definiert. Neben einem aufsichtsrechtlichen Standardmodell haben die Kontrahenten ebenfalls die Möglichkeit, ein internes Modell zu verwenden, wenn dies mit dem Kontrahenten vereinbart ist und die weitergehenden Vorgaben des Gesetzes erfüllt werden. Neben diesen Anforderungen existieren weitere administrative Anforderungen an die Dokumentation der Besicherungsverträge, die internen Prozesse sowie jährlichen Prüfungen. Aufgrund der bereits etablierten MaRisk-Vorgaben wird hier nicht mit hohen zusätzlichen Umsetzungsaufwänden für deutsche Institute gerechnet ( Infobox 01). Für zahlreiche Aspekte der neuen Besicherungspflicht – unter anderem die Ermittlung der Schwellenwerte und die Ausnahmen von der Besicherungspflicht – ist eine genaue Definition der Unternehmensgruppe maßgeblich. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Gruppenbegriff der EMIR. Er umfasst neben Konzernen auch institutsbezogene Sicherungssysteme (Verbünde der Sparkassen und Volksbanken). Dahinter stand die gesetzgeberische Überlegung, dass die Mechanismen zur Risikoabsorption eines institutsbezogenen Sicherungssystems denen eines Konzerns in nichts nachstehen. Wo es also um die Inanspruchnahme der Intragruppenfreistellung von der Clearing-Pflicht und der Pflicht zur Besicherung bilateraler Derivatekontrakte geht, gelten für Konzerne und Verbundinstitute die gleichen Voraussetzungen. Anders als vor der Berufung auf die Freistellung gruppeninterner Transaktionen von der Clearing-Pflicht ist bei der Intragruppenausnahme von der Besicherungspflicht ein vorheriges Anzeigeverfahren nur im grenzüberschreitenden Kontext durchzuführen. Sind sämtliche Konzernunternehmen – bei institutsbezogenen Sicherungssystemen ist dies faktisch stets der Fall – im selben Mitgliedstaat ansässig, gilt die Intragruppenausnahme von Gesetzes wegen, ohne dass es eines gesonderten Verwaltungsakts der Aufsicht bedürfte. Wenn umgekehrt Gruppenmitglieder im Ausland ansässig sind, ist ein Antrag auf Inanspruchnahme der Intragruppenfeststellung von der Besicherungspflicht in allen Sitzländern zeitgleich bei der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde einzureichen. Für größere Konzerne ergibt sich hierzu ggf. eine Vielzahl von Anträgen, da jede Einzelbeziehung zwischen den einzelnen Unternehmen über zwei Anträge (in Land A: Unternehmen A gegen Unternehmen B; und in Land B: Infobox 01 Zeitplan zum finalen Gesetz Der RTS Entwurf von ESMA (European Securities and Markets Authority), EBA (European Banking Association) und EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) wurde am 04. Oktober 2016 von der EU-Kommission veröffentlicht und am 26. Oktober 2016 vom EU-Parlament verabschiedet. Der RTS liegt damit nun beim EU-Rat zur finalen Bestätigung. Mit einem Inkrafttreten wird vermutlich bereits im Dezember 2016 gerechnet. Der Beginn der Besicherungspflicht wird somit für die ersten Kontrahenten Anfang 2017 erfolgen. Im internationalen Vergleich, vor allem mit den amerikanischen Großbanken, hat die EU damit eine Verzögerung für die besonders großen Kontrahenten von ca. vier bis fünf Monaten, da die entsprechenden Anforderungen in den USA gemäß der internationalen Übereinkunft bereits am 01. September 2016 in Kraft getreten sind. Zahlreiche Länder, u. a. Singapur und Australien, haben zum Schutz ihrer Banken die Erstanwendung jedoch ebenfalls verschoben und warten auf die entsprechende Umsetzung in der EU. Quelle: Eigene Recherche, Stand November 2016.

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