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RISIKO MANAGER 02.2017

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18 RISIKO MANAGER 02|2017 gen Wachstum aus. Für Europa rechnete er weiterhin mit niedrigen Zinsen. Investoren müssten folglich noch ein Stück weiter ins Risiko gehen. Hierfür empfahl Wilhelm eine intelligente Ausnutzung bestehender Risikobudgets und die flexible Nutzung taktischer Anlage-Ideen. Die Gefahr einer dramatischen Zinswende bei Anleihen sah der Marktstratege noch nicht. Wilhelm empfahl Anleihe-Investoren daher einen sorgfältigen Blick auf risikoreichere und renditestärkere Segmente des Rentenmarkts. Darüber hinaus sah er trotz der erreichten Bewertungsniveaus nach wie vor Argumente für ein Engagement in Aktien. So sei 2017 ein Anstieg der Unternehmensgewinne im mittleren einstelligen Bereich realistisch, was Spielraum für entsprechend höhere Kurse eröffne. Abschließend warf Wilhelm einen Blick auf die Anforderungen an modernes Investieren in Zeiten instabiler Kapitalmärkte. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Notwendigkeit, neue Renditequellen zu erschließen, etwa durch die Nutzung alternativer Risikoprämien und marktneutraler Anlagestrategien. Darüber hinaus vermittelte Wilhelm einen Einblick in neue Research- und Portfoliokonstruktionsmethoden. Insbesondere zwei Themen seien für Investoren wichtig, um Kursbewegungen besser zu antizipieren: die Nutzung von Big-Data-Analysen und die Untersuchung von Reaktionsmechanismen an den Kapitalmärkten. „Unsere Empfehlung für 2017 ist klar. Trotz aller Unsicherheiten gilt es, auch 2017 kontrolliert ins Risiko zu gehen“, fasste Wilhelm zusammen. Mehr Aktien, mehr Alternatives oder mehr Outsourcing? Der renommierte US-Ökonom Stephen A. Ross zeigte sich skeptisch, dass Blasen sich jemals vorhersehen ließen. hierfür sei die Asset Reallocation, dass heißt eine Portfolioumschichtung, wobei der Wissenschaftler allerdings darauf hinwies, dass Anleihen heutzutage nicht unbedingt risikoärmer seien als Aktien. Kritisch betrachtete Ross auch die Nutzung rein statistischer Berechnungen zur Risikominimierung. Stattdessen setzt er lieber auf Diversifikation. Außerdem stellt für Ross als Entwickler mehrerer Optionspreismodelle ein Options-Overlay natürlich ebenfalls eine wesentliche Maßnahme der Risikoabsicherung dar: „Derivate haben dieselben Vorteile wie die Asset Allocation. Ganz gleich, ob die Märkte nach oben oder unten gehen“, betonte Ross. Kontrolliert ins Risiko gehen Worauf sollen sich Investoren im kommenden Jahr einstellen? Und wie sollen sie ihre Geldanlage strukturieren, um trotz niedriger Zinsen bei vertretbarem Risiko noch eine auskömmliche Rendite zu erzielen? Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment für Portfoliomanagement und Immobilien zuständig, beschäftigte sich in seiner Marktanalyse mit den Handlungsoptionen bei der Asset Allocation. Insgesamt ging er dabei für Europa und die USA von einem stabilen, aber niedri- Insgesamt mehr als 1.000 Milliarden Euro zählte das verwaltete Vermögen der Teilnehmer der diesjährigen Risikomanagement-Konferenz. Drei von ihnen berichteten in Kurzvorträgen über ihre Investitionsansätze im aktuellen Kapitalmarktumfeld. Dr. Lars Kleffmann, Bereichsleiter Treasury der DKM Darlehenskasse Münster eG, erläuterte, wie die katholische Kirchenbank ihre Anlagestrategie in den vergangenen Jahren an das Niedrigzinsumfeld anpassen musste. Dabei setzte die DKM Kleffmann zufolge vor allem auf eine Verlängerung des strategischen Anlagehorizonts von fünf auf zehn Jahre. Gleichzeitig wurde das Engagement in Anlageklassen ausgeweitet, die gemeinhin als risikoreicher gelten, nämlich in Aktien und Immobilien. „Aktien bewegen sich langfristig auf einem Wachstumspfad. Somit baut sich über Jahre ein Risikopuffer auf“, so Kleffmann. Langfristig seien Aktien daher weniger riskant. Anschließend stellte Anders Svennesen, Chief Investment Officer von Danica Pension, dem zweitgrößten dänischen Pensionsfonds, seine Anlagestrategie vor. Danica verwaltet ein Vermögen von rund 50 Milliarden Euro, rund die Hälfte davon für Garantieprodukte Er müsse bei der Portfoliokonstruktion neben dem Niedrigzinsumfeld auch den demografischen Wandel berücksichtigen, schilderte Svennesen. Vor rund eineinhalb Jahren entschied sich Danica für eine Erweiterung der Anlagen im Portfolio, um sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Dafür baute Svennesen den Anteil alternativer Anlagen in Kombination mit Derivaten aus, nahm alternative Investments in

Marktrisiko 19 einem beachtlichen Umfang von rund 30 Prozent in das Portfolio auf. Dazu zählten Immobilien, Infrastrukturprojekte, Investitionen in Wald- und Forstwirtschaft sowie zahlreiche derivative Instrumente. Neben der Vermögensaufteilung gibt es für Investoren noch weitere, organisatorische Stellschrauben, um auf den erhöhten Rendite-, Kosten- und Zeitdruck zu reagieren. Die Optionen schilderte Carola Schroeder, Bereichsleiterin Kapitalanlagenmanagement der VPV Versicherungen. Schroeder hat rund 15 Jahre Erfahrung im Outsourcing des Asset Managements gesammelt, sowohl für Spezialfonds als auch den Direktbestand. Sie erläuterte die Vorteile einer breiter aufgestellten Outsourcing-Lösung: „Ein einzelner Anbieter kann als Generalist in allen Dingen, die Sie haben wollen, höchstens gut sein.“ Mit dem „Best of Breed-Ansatz“ stünden der VPV dagegen in allen Disziplinen, vom Reporting über die einzelnen Asset-Klassen bis hin zu den Investmentansätzen, Experten zur Verfügung. Zwar gebe es hier mehr Schnittstellen als bei einer Lösung aus einer Hand, doch würde dies durch eine gute Kommunikation mit den Spezialisten ausgeglichen. Die EU ist stärker als ihr Ruf Wachstumskurs in der Eurozone derzeit von der guten Konjunktur getragen. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig sicherzustellen, komme es darauf an, überfällige Strukturreformen und den Schuldenabbau der Haushalte voranzutreiben. Zudem sah Meister die Gefahr, dass die Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank die Preise am Markt verzerren würden: „Wir müssen sehr aufpassen, dass es nicht zu einer Blasenbildung kommt, und dass wir nicht in neue Krisensituationen hineinlaufen.“ In diesem Zusammenhang appellierte Meister an Brüssel: „Ich würde mir wünschen, dass die EU-Kommission stärker auf die Einhaltung verabredeter Regeln und Gesetze drängt.“ Die Ethik des Risikos Danach betrat mit Professor Julian Nida-Rümelin einer der renommiertesten deutschen Philosophen das Podium. Der ehemalige Kulturstaatsminister lehrt Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und beschäftigt sich intensiv mit Ethik, Ökonomie und Entscheidungstheorie. Auch setzt er sich in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) für eine ethisch sensible Ausbildung von Finanzmanagern ein. In seinem Vortrag zur Ethik des Risikos erläutert Nida-Rümelin die Problematik des Risikotransfers. Wie die Finanzkrise gezeigt habe, würden Marktteilnehmer dazu neigen, Risiken zu delegieren, aber im Zweifelsfall keine Verantwortung dafür übernehmen wollen. Dieses mangelnde Ethos rufe letztendlich auch die Regulatoren auf den Plan. Nida-Rümelin sprach sich dafür aus, ethische Werte bei der Risikobeurteilung stärker einzubeziehen. Niemandem dürfe ein Risiko gegen seinen Willen auferlegt werden. In der Finanzbranche stellte der Philosoph ethische Schwachstellen in der Risikopraxis fest. Exemplarisch nannte er eine durch die Digitalisierung verstärkte Anonymität und mangelnde Transparenz bezüglich der Anlagerisiken. Wo es keinen Ethos gebe, dürfe man sich nicht über mehr Regulierung beschweren. Dennoch sei es ein Irrweg, allein auf staatliche Vorgaben zu vertrauen. „Wir brauchen Ethos-Normen des anständigen Verhaltens, der Wahrhaftigkeit, des Vertrauens, der Verlässlichkeit“, betonte Nida-Rümelin zum Abschluss der Konferenz. Viel hängt in den nächsten Jahren für Investoren von der Entwicklung der Europäischen Union ab. Gegen die in jüngerer Zeit zunehmenden Zweifel am Projekt Europa argumentierte Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Er warb dafür, bei aller Skepsis die erzielten Fortschritte nicht aus den Augen zu verlieren. Insgesamt sei die EU auf einem besseren Weg, als ihr oft attestiert werde. Dennoch dränge die Zeit, notwendige Reformen anzugehen. Damit zum Beispiel die Bankenunion ihrem Ziel gerecht werden könne, müsse der Risikoabbau im Vordergrund stehen. Meister sprach sich für eine Neubewertung der Risiken von Staatsanleihen aus. Als Erfolg wertete Meister die Maßnahmen in der Euro-Peripherie gegen die Staatschuldenkrise. Allerdings werde der Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen: „Wir müssen sehr aufpassen, dass es nicht zu einer Blasenbildung kommt, und dass wir nicht in neue Krisensituationen hineinlaufen“.

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