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RISIKO MANAGER 02.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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26 RISIKO MANAGER 02|2016 nanzmarkt eher Unsicherheit nach Knight als Risiko nach Bachelier die Zustände einstellt. Hier ist das Problem, dass Zustände fundamental unsicher sind und die Finanzbranche stark am Begriff des Risikos orientiert ist, wie man es im Casino kennt, wo die Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt der möglichen Zustände bekannt sind. Dass Frank Knight schon in den 1920er Jahren die streng probabilistische Struktur zukünftiger Ereignisse bezweifelte – er trennte Risiko (Erwartungswerte existieren) von Unsicherheit (Erwartungswerte existieren nicht) und folgerte, dass die Welt unsicher (nicht berechenbar) und nicht riskant (berechenbar) ist – erklärt heute als Fundamentalunsicherheit, warum im Status quo die Mathematisierung der Finanzmärkte oft surreal sein muss, wenn die Messlatte für Erfolg die Praxistauglichkeit ist. Da Banker in der Subprime-Krise systematisch Risiko mit Unsicherheit verwechselten, ist „Knightian Uncertainty“ ein starkes Indiz dafür, dass sich die Finanztheorie zeitnah auch darum kümmern können muss, wie der Finanzmarkt wirklich funktioniert. Mehr und vor allem komplexere Mathematik ist erforderlich Am Finanzmarkt sind spieltheoretische Aspekte allgegenwärtig. Dies erfordert nicht weniger, sondern mehr und vor allem komplexere Mathematik. Die Spieltheorie ist ein wichtiger Baustein im Programm der Quantifizierung der Finanzmärkte. Ein Grund dafür ist die Nicht-Beschränkung auf Erkenntnisgewinn durch reine mathematische Optimierung. Dabei erweitert das Abgreifen der objektiven Perspektive mathematischer Wahrscheinlichkeiten und der subjektiven Perspektive handlungsleitender Prinzipien Finance gerade um die Problemfelder, auf denen Modelle zukünftig ihre Geltung behaupten müssen. Für Financial Engineers mögen substanzielle Erkenntnisbeiträge zur Erklärung der Erfahrungswirklichkeit ungewohnt sein; im akademischen Wettbewerb mag es Empfindlichkeiten berühren. Dies löst Befremden aus und legt Distanz nahe. Dem Vorteil dem mathematischen Verständnis des wahren Geschehens am Finanzmarkt näherzukommen, wird dann als Nachteil auch gegenübergestellt, dass die Spieltheorie schwer handhabbar ist. In der Tat: Die geeignete Spielauswahl muss nicht immer gelingen. Wird nicht erkannt, ob Annahmen in der Realität noch zu treffen oder schon eine Gefahr für die Anwendung sind, wird mit der richtigen Strategie das falsche Spiel gespielt. Fazit und Ausblick Es wird anspruchsvoller Zukünftig wird für die Reputation eines Finanzdienstleisters wichtig sein, auch mit dem umgehen zu können, was jenseits stochastischer Kennzahlenwelten passiert. Die schon bei Bachelier angelegte Grundüberlegung ist zu erweitern. Eine Theorie, die Anfälligkeit signalisiert, ist nach Karl Popper falsifiziert und wissenschaftstheoretisch problematisch. Dabei folgen Finanzmärkte nur bedingt den Metaphern einer physikalischen Kräftemechanik, da Rückkoppelungen dafür sorgen, dass das scheinbar Exakte der Modelle kaum noch die Schwächen der Annahmen verhüllt, die in die Berechnungen eingehen. Dass große Spiel, wo jeder gegen jeden spielt, erinnert an die Situation, in der Jean Baptist d' Alembert einem Zweifler an der Mathematik gesagt haben soll: „Allez en avant, la foi vous viendra" („Arbeiten Sie nur tüchtig, der Glaube wird Ihnen schon kommen“). Nichtsdestotrotz: Niemand zweifelt wohl ernsthaft am Nutzen der Finanzmathematik. Und dennoch: Die Empirie zeigt sehr konkret die Begrenztheit einer Methode, die im Kern der Versuch ist, künftige Risiken durch das Fortschreiben einer statistisch erfassten Vergangenheit identifizieren zu wollen. Brechen Kausalketten aber regelmäßig, bleibt ohne das Verstehen der Mikrowelt unklar, welches Risiko Banken beim Spielen um Marktrenditen wirklich nehmen. Wegen der Eigendynamik der Theoriebildung erscheint die These als nicht zu gewagt, dass die Spieltheorie wichtig für das Kommende sein wird. Dafür ist wesentlich, dass Finanz-(Spiel-)Modelle die Realität weniger schlicht auf wirklich wichtige Einflussgrößen reduzieren. Es gibt kein Rechnen ohne Risiko. Allen Bemühungen zum Trotz sind und bleiben Finanzmärkte unberechenbar. Deshalb ist auch für Finanz-(Spiel-)Modelle der Lackmustest die praktische Anwendung. Hier ist die oft schwierige Handhabung der bekannteste mehr oder weniger schwer wiegende Kritikpunkt. Auch sind Minimalbedingungen keine Garantien. Und dennoch: Finance, das sich auch mit der wahren Struktur des Finanzmarkts befassen kann, ist robuster. Realistischere Modelle und Researcher, die wissen sollten, wie weit sie in die Zukunft blicken sollen, unterstützen das Ziel von Risikomanagement, die Breite möglicher Entwicklungen und deren Gefahren bestmöglich abzuschätzen. Dadurch ist die Spieltheorie „nur“ notwendige Ergänzung; sie ist kein Ersatz. Cardano war Spieler und der wohl erste Stochastiker. Sein Rat, dass der größte Vorteil das Spiel liefert, das man nicht spielt, ist bei nicht gut verstandenen Zuständen das Credo der Spieltheorie. Es passt in die Zeit, da Standardmodelle sehr gut für die Zwecke funktionieren, für die sie in den 1970er Jahren geschaffen wurden. Autor Dr. Volker Bieta, Unternehmensberater in Berlin und Lehrbeauftragter für Finanzmathematik und Spieltheorie an der Technischen Universität Dresden.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, das neue Jahr mit vielen guten Vorsätzen ist gerade erst angebrochen und schon wabern die ersten Hiobsbotschaften in unsere Arbeits- und Wohnzimmer. Ein Fall, der uns wohl noch länger begleiten wird: VW und der Abgasskandal. Dem Autokonzern droht nun eine empfindliche Strafe durch die US-Behörden. Das dürfte nur der Anfang eines steinigen Wegs für die Wolfsburger Autobauer sein und zeigt die Dimension von C ompliance- Vergehen deutlich auf – nicht nur im Automobilumfeld. Mit anderen Worten: Ein Blick in die Medien verrät viel über die „Compliance-Seele“. Und in diese schaut Josef Scherer, Jura-Professor und Leiter des Internationalen Instituts für Governance, Management, Risk- und Compliancemanagement der Technischen Hochschule Deggendorf sowie FIRM-Beirat, im Rahmen unseres Interviews. Sein Urteil: „Non-Compliance als Wertbeitragsvernichter“. Darüber hinaus haben wir auch Positives aus dem Compliance- und Risikomanagementumfeld zu vermelden, sei es im Bereich der Wissenschaft oder bei der Ehrung des „Hochschullehrers des Jahres“. Auch die Konjunktur erholte sich und gibt Hoffnung. Und doch dürfen diese Lichtblicke nicht darüber hinwegtäuschen, dass es großen Nachholbedarf gibt. Angefangen bei der zunehmenden Digitalisierung im Bankenumfeld sowie spekulativen Anlageformen und deren Akzeptanz. Apropos Akzeptanz: Das Bargeld scheint sicher, vorerst zumindest. Auch das Thema Lobbyismus ist ein Dauerthema, was uns wieder zum Ausgangspunkt zurückführt: Compliance und im übertragenen Sinne den Werten. Diese sind in Gefahr, wie der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek in seinem neuen Buch mit dem provokanten Titel „Der neue Klassenkampf“ feststellt. Ansonsten bleibt vieles beim Alten, wie das beliebteste Passwort 1, 2, 3 ... zeigt. Und wenn dann doch vieles auseinanderbricht, haben wir ja noch einen Joker im Ärmel: die „gute“ alte D-Mark, wie unsere Rubrik „Risikomanagement in Zahlen“ verrät. Also, bleiben Sie uns gewogen. Beste Grüße, Ihre FIRM-Redaktion INHALT 27 EDITORIAL 28 INTERVIEW 32 WISSENSCHAFT 33 REGULIERUNGSTRENDS 34 FIRM-NEWS UND TERMINE HERAUSGEBER Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. MAIN TRIANGEL Zum Laurenburger Hof 76 D 60594 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 94 41 80 97 Telefax: +49 69 94 41 80 19 Internet: www.firm.fm E-Mail: info@firm.fm Redaktion: Frank Romeike (V.i.S.d.P.), Wolfgang Hartmann, Andreas Eicher E-Mail: redaktion@firm.fm Erscheinungsweise: 10 x im Jahr als Einhefter in der Zeitschrift RISIKO MANAGER Frank Romeike & Andreas Eicher

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