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RISIKO MANAGER 01.2017

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8 RISIKO MANAGER 01|2017 Zinsänderungsrisiko Szenarienbezogene Immunisierung von Cashflow-Profilen Traditionelle durationsbasierte Immunisierungsstrategien beziehen sich typischerweise auf kleine parallele Änderungen der Zinsstrukturkurve. Die Absicherung gegen einzelne, konkret vorgegebene und größere Parallelverschiebungen der Zinsstrukturkurve sollte hingegen nicht auf der alleinigen Betrachtung der Duration und gegebenenfalls der Konvexität beruhen. Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der Optimierung des (Gesamtbank-)Cashflows auseinander; diese soll eine möglichst gute Immunisierungswirkung gegen spezielle Zinsszenarien, die größere Änderungen der Zinsstrukturkurve beinhalten, erzielen. Als vorgegebene Zinsszenarien werden hier exemplarisch die beiden Szenarien des Baseler Zinsschocks gewählt, also deutliche Parallelverschiebungen der Zinsstrukturkurve nach oben und unten. Speziell diese Wahl der Szenarien nehmen wir vor dem Hintergrund einer möglichen Kapitalunterlegung des Baseler Zinsschocks vor. Durch die Vorgaben der EBA (SREP Guidelines) für weniger bedeutende Institute (sog. LSI – less significant institutes) werden Kapitalfestsetzungen oberhalb der Säule-1-Mindestanforderungen in Zukunft zur Regel. Man spricht dann auch vom Säule-1-plus-Ansatz, in dem der SREP darauf ausgerichtet ist, von der Säule 1 nicht erfasste Risiken mithilfe aufsichtlicher Modelle zu quantifizieren und Instituten Kapitalzuschläge aufzuerlegen. Für alle vorhandenen Risiken, die nicht explizit durch CRR-Anforderungen abgedeckt sind, werden Zuschläge erhoben werden. Als Risikoart, welche nicht in Säule 1 enthalten ist, wird das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB) im Sinne des Säule-1-plus-Ansatzes berücksichtigt werden. Bei der Methodik für die SREP-Kapitalfestsetzung speziell des IRRBB bildet die negative Barwertänderung beim Baseler Zinsschock den Ausgangspunkt. Die Szenarien des Baseler Zinsschocks bestehen in sofortigen Verschiebungen der aktuellen Zinsstrukturkurve (over night) parallel um +/- 200 Basispunkte, wobei ein Floor von 0 Prozent eingezogen wird.

Marktrisiko 9 Vor diesem Hintergrund erörtern wir die Frage, welche Struktur eines Zinsänderungsrisiko-Cashflows optimal ist, um die Belastung durch die angewendeten Zinsschockszenarien möglichst gering zu halten. Die Optimalität bezieht sich im Rahmen dieser Untersuchung auf das simultane Verhalten des Cashflows in Bezug auf die beiden Szenarien des Baseler Zinsschocks. Der für die Berechnung des Zinsschocks maßgebliche Cashflow wird dabei in praxi nicht beliebig gewählt werden können, sondern muss gewissen Nebenbedingungen, die sich aus institutsinternen Anforderungen ergeben, genügen. Der vorliegende Beitrag setzt sich daher mit der Erzielung einer Cashflow-Struktur auseinander, die zu möglichst geringen negativen Auswirkungen auf den Barwert eines Portfolios bezüglich der zugrunde gelegten Schockszenarien führt, bei gleichzeitiger Einhaltung weiterer, aus der internen Risikosteuerung resultierender Anforderungen. Literatur, Notation und Beispiel In einer früheren Arbeit betrachten Bierwag/Khang [vgl. Bierwag/Khang 1979] die Immunisierung von Anleiheportfolien, wenn additive stochastische Zinsshifts die einzige Quelle von Unsicherheit sind. Alexander/Resnick [vgl. Alexander/Resnick 1985] erweitern dieses Modell um Kreditrisikoaspekte und legen ihrer Analyse von Immunisierungsstrategien ein Portfolio aus ausfallrisikobehafteten Bonds zugrunde. In dieser Arbeit betrachten wir den Zinsrisiko-Cashflow eines Kreditinstituts und verwenden die in Abb. 01 skizzierte Notation. Beispielsweise betrachten wir folgende Situation: Einer Bank liegen nur in drei Laufzeit-Buckets (Jahren) Zahlungen vor: Einem Aktivrückfluss von 130 Geldeinheiten in 10 Jahren steht eine Passivverpflichtung von 150 Geldeinheiten in 5 Jahren gegenüber ( Abb. 02). In Erwartung steigender Zinsen hat das Institut seine Liquiditätsüberschüsse von 200 Geldeinheiten im Tagesgeld angelegt; diese Position ist zinsrisikofrei. Der mit der aktuell gültigen Zinsstrukturkurve bewertete Barwert des Cashflows Abb. 01 := (1+ ) ( 1 ,… , ) Notation für Zinsrisiko-Cashflow ( , ) = = ( ) =1 , , , Abb. 02 =( 1 , 2,… , ) ( 1 ,… , ) Beispiel 150 130 Zeithorizont, typischerweise mindestens 10 Jahre Zahlung in Laufzeit-Bucket t, wobei t = 0, …,T Zinsrisiko-Cashflow mit Zahlung z t in Laufzeitband t Aktuelle Zinsstruktur mit (diskreten) Zinssätzen r t Aus der Zinsstruktur r abgeleitete Diskontierungsfaktoren Barwert des Cashflows CF, bewertet mit der Zinsstruktur r Zinsstrukturen/ Diskontfaktoren, die sich aus der nach oben bzw. nach unten verschobenen Zinsstrukturkurve ergeben Laufzeitband (Jahr) t 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10=T Zahlung 200 0 0 0 0 – 150 0 0 0 0 130 Zinssatz [%] – 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 5,5 Szenario 1: Zinssatz um 2% nach Upshift Szenario 2: Zinssatz nach Downshift um 2% (Floor bei 0%) – 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 – 0,0 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 beträgt 200 + 1,03 5 , also 146,7 Geld- 1,055 10 einheiten. Bei einem Zinsanstieg „over night“ von 200 Basispunkten (Szenario 1) ergibt sich ein Barwert von 145,6 Geldeinheiten, also ein Vermögensverlust von 1,1 Geldeinheiten; bei der Zinssenkung (Szenario 2) um 200 Basispunkte, wobei hierbei ein Floor von 0 Prozent eingezogen ist, ergibt sich entsprechend eine Erhöhung des Barwerts um 2,7 Geldeinheiten. Das relevante Schockszenario besteht hier also wie allgemein üblich in einem Anstieg der Zinsen, während bei fallenden Zinsen ein Barwertgewinn resultiert. Der Verlust von 1,1 Geldeinheiten bildet dann den Ausgangspunkt für die Festsetzung des SREP-Zuschlags. Der hier berechnete Standardzinsschock bietet allerdings keine umfassende Aussage über das Zinsänderungsrisiko, sondern dient allenfalls als Indikator [vgl. Bundesbank 2012]. Vorteile des Zinsschocks sind dessen einfache Berechnungsweise sowie dessen Vergleichbarkeit. Als wesentlicher Nachteil gilt seine Beschränkung auf reine Parallelverschiebungen der Zinsstrukturkurve. Wegner et al. [vgl. Wegner et al. 2011] unterziehen den Standardzinsschock einer umfassenden Kritik auf Basis einer deskriptiven Analyse historisch beobachteter Zinsszenarien sowie hinsichtlich des gewählten Planungshorizonts. Eine aussagekräftige Messung des Risikos etwa mithilfe der historischen Simulation integriert weitere Szenarien und greift insbesondere mit Versteilungen und Verflachungen einhergehende Drehungen der Zinskurve ab.

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