Aufrufe
vor 2 Jahren

RISIKO MANAGER 01.2015

  • Text
  • Risiken
  • Unternehmen
  • Banken
  • Beispielsweise
  • Deutschland
  • Risikomanagement
  • Risiko
  • Mifid
  • Treasury
  • Anforderungen
RISIKO MANAGER ist die führende Fachzeitschrift für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen.

18 Ausgabe 01/2015

18 Ausgabe 01/2015 Wettbewerbspotenziale durch MiFID II t Abb. 04 neue Services und Preismodelle für Privatkunden, wie unabhängige Beratung, Honorarberatung oder erfolgsabhängige Beratung! Erbringung von Dienstleistungen für andere Finanzunternehmen, etwa in der Handelsabwicklung oder im Meldewesen! 28% 38% neue Services für institutionelle Kunden Weiterleitung von Kundenordern an OTFs 22% 22% Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen an Handelssystemen für Derivate Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen an KMU-Märkten Aufbau eines Markts für Wertpapiere von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU-Märkte) Aufbau von Organised Trading Facilities (OTFs) 14% 14% 12% 12% Vermarktung oder Konsolidierung von Post-Trade-Daten Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen an Handelsplätzen für Rohstoffderivate 8% 8% Nichts davon 30% der außerbörsliche Handel (OTC-Handel) reguliert werden soll. Ein OTF ist definiert als ein multilaterales System, das weder ein geregelter Markt noch ein multilaterales Handelssystem (MTF) ist und die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und Verkauf von Schuldverschreibungen, strukturierten Finanzprodukten, Emissionszertifikaten oder Derivaten zusammenführt. Da zusätzlich das Regime für Systematische Internalisierer (SI) inhaltlich ausgeweitet wurde – also für Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die Kundenaufträge regelmäßig und systematisch gegen das eigene Buch ausführen –, sollen unter MiFID II nur noch recht wenige Bereiche zum klassischen OTC-Geschäft zählen (t Abb. 04). Das eröffnet Chancen. So sollen ausreichend liquide Derivatkontrakte, etwa zur Absicherung von Zins-, Währungs- und Rohstoffpreisrisiken, zukünftig nicht mehr außerbörslich gehandelt, sondern über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden. Die Festlegung der von der Handelspflicht erfassten Derivate(klassen) obliegt dabei der Europäischen Kommission mittels technischer Regulierungsstandards auf Basis entsprechender ESMA-Vorschläge. Ferner soll die ESMA kontinuierlich die Aktivitäten in Derivaten überwachen, die nicht der Handelspflicht an organisierten Märkten unterliegen. Hierdurch sollen Derivateklassen identifiziert werden, die systemische Risiken verursachen. Insgesamt sehen jedoch nur zwölf Prozent die Möglichkeit, durch den Aufbau von OTFs neue Geschäftsfelder zu erschließen. Eng mit den sogenannten OTFs verbunden ist auch die oben skizzierte Möglichkeit, künftig als Systematischer Internalisierer (SI) aufzutreten und sich dadurch zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Bei Aktien ist dieses Modell – außerhalb von Deutschland – bereits etabliert. Künftig lässt sich dieses Angebot jedoch auf viele andere Finanzprodukte übertragen. Allerdings regelt Art. 20 Abs. 1-4 RL 2014/65/EU, dass das Betreiben eines OTF und eines Systematischen Internalisierers innerhalb desselben Unternehmens unzulässig ist. Eine strategische Entscheidung ist daher notwendig. q Fazit Die hier skizzierten Fälle sind nur einige Beispiele dafür, wie tiefgreifend die Auswirkungen von MiFID II auf den Finanzmarkt sind. Der Name täuscht also: MiFID II ist weit mehr als die Überarbeitung der bestehenden Finanzmarktrichtlinie. Die neuen Vorgaben werden den europäischen Finanzmarkt deutlich stärker verändern, als dies bei der ersten Fassung der Fall war. Einige geraten dadurch unter Druck und müssen sich beispielsweise fragen, ob der Vertrieb komplexer Produkte an Privatkunden aufgrund der steigenden Anforderungen weiterhin sinnvoll ist. Andererseits bietet das neue Regelwerk auch Chancen. Große Häuser etwa können sich als Anbieter Organisierter Handelssysteme (OTF) oder als Systematischer Internalisierer (SI) zusätzliche Einnahmequellen sichern. Kleinere Häuser haben die Möglichkeit, die erweiterten Reporting-Pflichten zu nutzen, um mit zusätzlichen Informationen das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen und so die Kundenkontaktfrequenz zu erhöhen. Gewinner werden diejenigen sein, die sich rechtzeitig auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den MiFID-II-Anforderungen macht es möglich, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Wettbewerbspotenziale auszuschöpfen. Wer MiFID II frühzeitig für strategische Richtungsentscheidungen nutzt, sichert sich damit eine vielversprechende Ausgangsposition. Autor: Christian Appel, Partner, PPI AG

19 01 . 2015 Compliance Risk Liebe Kolleginnen und Kollegen, Risikomanager von Finanzinstituten, deren Aufsichtsorgane und die Regulatoren haben teils schmerzvoll gelernt, mit allen Formen von Kreditrisiken, Marktrisiken und operationellen Risiken zurechtzukommen. Diese Risiken haben sie quantifiziert, in regulatorischen oder ökonomischen Kapitalmodellen zusammengefasst und unter allen möglichen Umweltszenarien gestresst. Welche Bedeutung hat nun die Risikokategorie „Compliance Risk“? Nur ein Appendix der operationellen Risiken, die irgendwie auch noch in das Risikomodell hineinzuzwängen sind? Auffällig ist schon, dass weltweit die großen Kreditinstitute aktuell ganz besonders unter allen Formen der Compliance Risk leiden, wobei die Strafen in die Milliarden gehen und persönliche Konsequenzen bei Organen die Regel sind. Was ist also besonders bei dem Management von Compliance Risk und gehen die Banken mit dieser neuen Herausforderung angemessen um? Nun, spätestens mit dem „Neubürger-Urteil“ des Landgerichts München vom 10. Dezember 2013 wurde klar, dass die Einrichtung eines funktionierenden Compliance-Systems in der Gesamtverantwortung des Vorstands aller Unternehmen in Deutschland liegt, losgelöst von Satzung und Geschäftsordnung. Bei Banken ist die Verantwortung sowohl des Vorstands als auch des Aufsichtsorgans seit Anfang 2014 im KWG sehr umfassend geregelt. Aber auch der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat mit seiner lesenswerten Veröffentlichung vom April 2005 („Compliance and the Compliance Functions in Banks“) einen Orientierungsrahmen gesetzt. Dagegen ist die Behandlung in den MaRisk der BaFin weiterhin eher „schmalbrüstig“. Die gesonderten MaComp befassen sich zudem nur mit den Pflichten des WPHG wie beispielsweise mit dem Umgang von „Insider-Informationen“. Wenig angemessen, bedenkt man, dass die Compliance-Risiken der Finanzindustrie so vielfältig und facettenreich wie in keinem anderen Industriezweig sind. Hierzu einige Stichworte: Geldwäsche, Terror-Finanzierung, Bestechung/Korruption, persönliche Untreue/Bereicherung, Kreditbetrug/unvertretbare Kreditvergaben, Anlegerschutz, Wertpapierhandel, Bankgeheimnis/Aussagen zur Kundenbonität, Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Marktmanipulation, Verstöße gegen Pflichten des Bankaufsichtsrechts etc. Im Gegensatz zu den banküblichen Risiken (beispielsweise aus der Kreditvergabe) ist man bei den Compliance-Risiken auch im Einzelfall schnell bei Fragen der Organhaftung. Wieso man leider immer noch so häufig in der Finanzindustrie dilatorisch, um nicht zu sagen dilettantisch mit dem Management der Compliance-Risiken umgeht und diese vernachlässigt, ist deshalb wenig verständlich. Hier sehe ich für den Regulator Handlungsbedarf. Wäre es beispielsweise nicht sinnvoll, auch das Management der Compliance-Risiken dem Chief Risk Officer einer Bank und die unabhängige Überwachung dem Risikoausschuss des Aufsichtsorgans zu unterstellen? Wie auch immer, die Bedeutung des Leiters der Compliance-Funktion einer Bank dürfte weiter wachsen. Das Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) hat deshalb jüngst beschlossen, zukünftig dem Management von Compliance-Risiken ein stärkeres Augenmerk zukommen zu lassen. Wir streben die Schaffung eines Compliance Risk Round Table – vergleichbar dem Risk Round Table der Leiter Risiko-Controlling – unter dem Dach von FIRM an. Alle Leiter der Compliance-Funktion von Finanzdienstleistern sind herzlich eingeladen, ihr Know-how einzubringen. Bitte schreiben Sie bei Interesse eine E-Mail an info@firm.fm. In diesem Sinne einen guten Start in das Jahr 2015 und ein glückliches Händchen bei dem Management aller Risiken der Finanzindustrie – woher diese auch kommen mögen. INHALT 19 EDITORIAL 20 INTERVIEW 22 WISSENSCHAFT 23 REGULIERUNGSTRENDS 24 FIRM-NEWS UND TERMINE HERAUSGEBER Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. MAIN TRIANGEL Zum Laurenburger Hof 76 D 60594 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 94 41 80 97 Telefax: +49 69 94 41 80 19 Internet: www.firm.fm E-Mail: info@firm.fm Redaktion: Frank Romeike (V.i.S.d.P.), Wolfgang Hartmann, Andreas Eicher Erscheinungsweise: 8 x im Jahr als Einhefter in der Zeitschrift RISIKO MANAGER Beste Grüße, Ihr Wolfgang Hartmann

RISIKO MANAGER

RISIKO MANAGER 01.2019
RISIKO MANAGER 02.2019
RISIKO MANAGER 03.2019
RISIKOMANAGER_04.2019
RISIKO MANAGER 05.2019
RISIKO MANAGER 06.2019
RISIKO MANAGER_07.2019
RISIKO MANAGER 08.2019
RISIKO MANAGER 09.2019
RISIKO MANAGER 10.2019
RISIKO MANAGER 01.2018
RISIKO MANAGER 02.2018
RISIKO MANAGER 03.2018
RISIKO MANAGER 04.2018
RISIKO MANAGER 05.2018
RISIKO MANAGER 06.2018
RISIKO MANAGER 07.2018
RISIKO MANAGER 08.2018
RISIKO MANAGER 09.2018
RISIKO MANAGER 10.2018
RISIKO MANAGER 01.2017
RISIKO MANAGER 02.2017
RISIKO MANAGER 03.2017
RISIKO MANAGER 04.2017
RISIKO MANAGER 05.2017
RISIKO MANAGER 06.2017
RISIKO MANAGER 07.2017
RISIKO MANAGER 08.2017
RISIKO MANAGER 09.2017
RISIKO MANAGER 10.2017
RISIKO MANAGER 01.2016
RISIKO MANAGER 02.2016
RISIKO MANAGER 03.2016
RISIKO MANAGER 04.2016
RISIKO MANAGER 05.2016
RISIKO MANAGER 06.2016
RISIKO MANAGER 07.2016
RISIKO MANAGER 08.2016
RISIKO MANAGER 09.2016
RISIKO MANAGER 10.2016
RISIKO MANAGER 01.2015
RISIKO MANAGER 02.2015
RISIKO MANAGER 03.2015
RISIKO MANAGER 04.2015
RISIKO MANAGER 05.2015
RISIKO MANAGER 06.2015
RISIKO MANAGER 07.2015
RISIKO MANAGER 08.2015
RISIKO MANAGER 09.2015
RISIKO MANAGER 10.2015
RISIKO MANAGER 11.2015
RISIKO MANAGER 12.2015
RISIKO MANAGER 13.2015
RISIKO MANAGER 15-16.2015
RISIKO MANAGER 17.2015
RISIKO MANAGER 18.2015
RISIKO MANAGER 19.2015
RISIKO MANAGER 20.2015
RISIKO MANAGER 21.2015
RISIKO MANAGER 22.2015
RISIKO MANAGER 23.2015
RISIKO MANAGER 24.2015
RISIKO MANAGER 25-26.2015
 

Copyright Risiko Manager © 2004-2017. All Rights Reserved.