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RISIKO MANAGER 01.2015

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10 Ausgabe 01/2015

10 Ausgabe 01/2015 Kalkulation eines Passiv-Festzinsgeschäfts Kundenzins briefkurve entsprechend des gedeckten Anteils. Der Begriff „Liquiditäts-Nutzen“ bezeichnet die Prämie für die strukturkongruente Anlage von Liquidität. Für ein Passiv-Festzinsgeschäft (beispielsweise einen Sparbrief) ergibt sich die Bruttomarge (nach Liquiditäts-Nutzen) durch strukturkongruente Refinanzierung mit der Pfandbriefkurve. Eine Kalkulation mit der Swapkurve liefert die reine Zinsmarge, der Liquiditäts-Nutzen ergibt sich als Differenz zwischen der Bruttomarge und der Zinsmarge. Der Zusammenhang ist in t Abb. 06 dargestellt. Die Kalkulation des variablen Geschäfts erfolgt im Rahmen der Marktzinsmethode typischerweise nach der Methode der Gleitenden Durchschnitte. Hierbei wird im bisherigen Ein-Kurven-Ansatz für das jeweilige Kollektiv (beispielsweise ein bestimmtes Produkt) über eine geeignete Mischung von Gleitenden Durchschnitten („Mischungsverhältnis“) ein Replikationsportfolio gebildet, dessen Durchschnittszins den „Bewertungszins“ bildet. Die Entwicklung des Bewertungszinses erfolgt hinreichend parallel zur Entwicklung des Produktzinssatzes, sodass sich eine von der Zins- und Spread-Entwicklung unabhängige Marge ergibt. Die Methodik ist analog der Vorgehensweise beim Festzinsgeschäft auf den Drei- Kurven-Ansatz zu erweitern. Dies erfolgt durch die Verwendung von zwei Mischungsverhältnissen: (1) Zins-Mischungsverhältnis: Über das Zins-Mischungsverhältnis wird das Produktzins-Anpassungsverhalten auf ungedeckte Refinanzierung Pfandbrief Swap Zinsmarge Liquiditäts- Brutto- Nutzen Marge (nach Liquidität) Änderungen der Zinskurve (Swapsätze) abgebildet. Hierbei werden Mischungen von gleitenden Swapsätzen verwendet. (2) Liquiditäts-Mischungsverhältnis: Über das Liquiditäts-Mischungsverhältnis wird das Produktzins-Anpassungsverhalten auf Änderungen der für das jeweilige Produkt relevanten Liquiditäts- Spreads (beispielsweise für das Passivgeschäft: Pfandbriefspreads) abgebildet. Hierbei werden Mischungen von gleitenden Liquiditäts-Spreads verwendet. Bei der Festlegung der Fristigkeiten für das Liquiditäts-Mischungsverhältnis ist hierbei zu beachten, dass es (analog der bisherigen Abbildung in Bezug auf den „Zins“) nicht um die Abbildung von durchschnittlichen Haltedauern aus der Zahlungsfähigkeitsperspektive geht, sondern um den Grad der Abhängigkeit vom Risikofaktor Liquiditäts-Spread. Am Beispiel eines variablen Passivgeschäfts (beispielsweise einer variablen Spareinlage) ergibt sich die Bruttomarge nach Liquiditäts-Nutzen als Differenz zwischen dem Bewertungszins und der Kundenkondition. Der Bewertungszins setzt sich dabei zusammen aus dem gemischten gleitenden Swapsatz und dem gemischten gleitenden Pfandbriefspread. Liquiditäts-Risikokosten t Abb. 06 Zunächst ist zu diskutieren, welches „Liquiditäts-Risiko“ durch die Verrechnung von Liquiditäts-Risikokosten glattzustellen ist. Das Risiko, dass sich für ein Aktivgeschäft die Refinanzierung während der Liquiditäts-Bindungsdauer verteuert (beziehungsweise für ein Passivgeschäft die Gegenanlage verbilligt), ist durch die im vorigen Abschnitt dargestellte Vorgehensweise zur strukturkongruenten Refinanzierung der Liquidität (über die gesamte Liquiditäts-Bindungsdauer) bereits kalkulatorisch glattgestellt. Chancen und Risiken aus dem Offenlassen der strategischen Liquiditäts-Position sind damit ausschließlich dem Liquiditäts-Treasury zuzurechnen. Das Risiko, dass nach Ablauf der vertraglichen Liquiditäts-Bindung bei zukünftigen Prolongationen (beispielsweise im klassischen Wohnungsbaugeschäft) die zu diesem Zeitpunkt gültigen Liquiditäts- Spreads nur noch in einem geringeren Umfang „durchgesetzt“ werden können, führt zu einer Reduzierung der Margen. Potenzielle Risiken aus Margenschwankungen (oder auch Volumenschwankungen) sind dem Vertriebsrisiko zuzuordnen (mithin wäre eine Aufteilung auf Zinsrisiko, Liquiditäts-Risiko und Adressenrisiko ohnehin willkürlich). Damit verbleibt für die Begriffsinterpretation nur noch das einem Produkt oder einem Geschäft verursachungsgerecht zurechenbare Zahlungsfähigkeitsrisiko: Bei bestimmten Kundengeschäften – im Wesentlichen im Variablen Geschäft – haben die Kunden die Möglichkeit, Liquidität über das durch die Verrechnung von Liquiditäts-Kosten und -Nutzen abgedeckte Maß hinaus abzuziehen. Dies umfasst nahezu alle variablen Passivgeschäfte (Abzug der Einlage), beispielsweise bei Geldmarktkonten sowie im Aktivgeschäft im Wesentlichen Kontokorrentkonten (Ausschöpfen der Linie). Das damit für die Bank verbundene Zahlungsfähigkeitsrisiko muss auch im Zahlungsfähigkeitsstressfall aufgefangen werden können. Daher sind für die relevanten Produkte Liquiditäts-Puffer vorzuhalten. Die Kosten der Pufferhaltung, nämlich Kosten für zusätzliche Liquiditäts-Aufnahme über die Inanspruchnahme hinaus bei den relevanten Aktivgeschäften beziehungsweise Ertragseinbußen aufgrund der nicht vollständigen Gegenanlage der Liquidität bei den relevanten Passivgeschäften,

11 können dem Einzelgeschäft beziehungsweise dem Produkt verursachungsgerecht und entscheidungsorientiert zugeordnet werden. Beim Passivgeschäft muss zur Abdeckung des relevanten Zahlungsfähigkeitsrisiko- oder -stressfalls ein Teil der vom Kunden bereitgestellten Liquidität „kurz“ vorgehalten werden. Dies reduziert die Erträge aus der Gegenanlage der Liquidität. Diese Mindererträge stellen die Liquiditäts-Pufferkosten für das Passivgeschäft dar. Beim Aktivgeschäft besteht die Gefahr, dass über die aktuelle Inanspruchnahme hinaus Liquiditäts-Linien gezogen werden. Für diesen Fall ist zusätzliche Liquidität kurzfristig vorzuhalten. In Höhe des für den relevanten Risiko- beziehungsweise Stressfall unterstellten Abrufs ist Liquidität in der Liquiditäts-Fristigkeit des Produkts aufzunehmen; diese zusätzliche Liquidität wird „kurz“ wieder angelegt. Dies erhöht die Aufwände aus der Aufnahme der Liquidität. Diese Mehraufwände Kalkulation Passivgeschäft mit Pufferkosten Kundenzins ungedeckte Refinanzierung Pfandbrief Swap Zinsmarge Liquidi- täts- Nutzen Pufferkosten t Abb. 07 Brutto- Marge (nach Liquidität) stellen die Liquiditäts-Pufferkosten für das Aktivgeschäft dar. In diesem Zusammenhang bezeichnet der Begriff „Liquiditäts-Risikokosten“ die Kosten für das Vorhalten eines Liquiditäts-Puffers zur Abdeckung des Zahlungsfähigkeitsrisikos aus dem betrachteten Produkt, damit handelt es sich eigentlich um „Zahlungsfähigkeitspuffervorhaltekosten“. Anzeige Webinar Delegierter Rechtsakt zur Liquidity Coverage Ratio 29. Januar 2015, 14:00 bis 16:00 Uhr Infos und Anmeldung unter www.risiko-manager-trainings.com

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