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RISIKO MANAGER 15-16.2015

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RISIKO MANAGER ist die führende Fachzeitschrift für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen.

20 Ausgabe

20 Ausgabe 15-16/2015 [ buchbesprechung ] Veit Etzold Die Finanzkrise – Eine tragische Komödie Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2015, 303 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-527-50816-7 r Ein Buch über die Finanzkrise und ihre Ursachen anno 2015 mutet zunächst verspätet an. Allerdings thematisiert Veit Etzold nicht nur die vorangehenden Ereignisse und die Krise selbst, sondern auch die sich anschließende sogenannte Staatsschuldenkrise mit ihren Auswirkungen. Somit bietet das Buch einen durchaus hohen Grad an Aktualität. Ausgangspunkt der Schilderung der Finanzkrise ist der Anstieg des Gewichts der Branchen Finanzen, Versicherungen und Immobilien an der Volkswirtschaft der USA in den 80er und 90er Jahren. Die Politik in Person von Präsident Jimmy Carter forciert den amerikanischen Traum in Form eines Eigenheims auch für einkommensschwache Amerikaner über den Community Reinvestment Act. Präsident Bill Clinton setzt den Kurs der „Ermunterung“ der Immobilienkreditvergabe von Banken an Geringverdiener fort. Hypothekenfinanzierer vergeben Kredite an eben jene Geringverdiener und verbriefen diese mittels spezieller Zweckgesellschaften zu forderungsbesicherten Wertpapieren. Investmentbanken fungieren als Helfer bei der Strukturierung dieser Wertpapiere und bei deren Vertrieb an Anleger. Hinzu kommt die Rolle der Ratingagenturen bei der bonitätsmäßigen Einstufung dieser Wertpapiere. Die positive Wertentwicklung am US-Häusermarkt wiegt alle Beteiligten inklusive der Hauseigentümer in Sicherheit. Die Hausbesitzer in den USA verschulden sich über die Maßen. Doch dann kehrt sich diese Entwicklung um. Erstes größeres Opfer der Finanzkrise in den USA ist Bear Stearns. Nach der Pleite zweier Hedgefonds mit Investments in diese forderungsbesicherten Wertpapieren erlebt die Investmentbank eine Vertrauenskrise. Sie ist in Folge von Gerüchten über Liquiditätsprobleme gezwungen einem durch die New Yorker Fed orchestrierten Kauf durch den Konkurrenten J. P. Morgan im März 2008 zuzustimmen. Die Investmentbank Lehman Brothers hat in Folge von herben Verlusten im dritten Quartal 2008 mit einer ähnlichen Vertrauenskrise zu kämpfen. Die Gerüchte über Liquiditätsprobleme kommen ebenfalls auf, so muss Lehman bestimmte eigene Positionen auflösen und Abschreibungen und damit weitere Verluste erzeugen. In diesem Fall bemüht sich die New Yorker Fed ebenso um eine Lösung durch eine Übernahme, jedoch ohne Erfolg. Die Kapitalmärkte sind höchst verunsichert. In jenem Umfeld gerät ein Versicherer, die American International Group (AIG), ebenfalls ins Straucheln. Die Versicherung hat in großem Maße sogenannte Kreditausfallversicherungen geschrieben. Der damals größte Versicherer der Welt wird wegen seiner Bedeutung für das gesamte Finanzsystem mittels einer Kapitalspritze von 85 Mrd. US-$ verstaatlicht. Doch Veit Etzold schildert nicht nur das Schicksal dieser drei bedeutenden Verlierer, sondern auch einen „Gewinner“ der Finanzkrise. Der Hedgefonds von John Paulson setzt mittels verschiedener Finanzinstrumente auf fallende US-Immobilienpreise. Zunächst erscheint er als Rufer in der Wüste und kann nur wenige Investoren von einem Investment in seinen Hedgefonds überzeugen. Doch ab Sommer 2007 erzielt Paulson mit dem Fonds innerhalb von zwei Jahren einen Zuwachs von fast 600 Prozent. Über das Engagement verschiedener Banken am US-Hypothekenmarkt findet die Finanzkrise schnell den Weg aus den USA nach Europa. Die Verstaatlichung diverser Banken erweist sich als ein Belastungsfaktor. Nun nehmen die Kapitalmarktteilnehmer die Verschuldungssituation der (süd-) europäischen Staaten genauer unter die Lupe. Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt mittels Anleiheemissionen gestaltet sich für diese Staaten immer schwieriger. Aus diesem Grund wird zunächst 2010 die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und 2012 als deren Nachfolger der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) eingerichtet. Den ESM-Vertrag lässt der Autor in einem fiktiven Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel durch Bundesbankpräsident Jens Weidmann genauer analysieren. So ist etwa die Mitgliedschaft im ESM endlos, ein Austritt nicht möglich. Die Modalitäten einer Erhöhung des ESMs über 700 Mrd. ¤ hinaus werden ebenso skizziert wie die Haftungssummen der einzelnen Länder und die Haftung der übrigen Staaten bei einem Zahlungsausfall eines Staats. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und deren Anleihenkaufprogramme sowie deren volkswirtschaftliche Auswirkungen schildert das Buch ebenso detailreich. Es verdeutlicht zugleich, wer von den Risiken der Bilanzsummenausweitung durch die Anleihenkäufe final betroffen ist. Fazit: Veit Etzold erklärt komplexe Zusammenhänge wie etwa die Funktionsweise des Interbankenmarkts, die Geldschöpfung durch Banken mittels Giralgeld oder Leerverkäufe auch für Laien eingängig. Seine Ausführungen sind aber nie trivial oder zu vereinfachend. Selbst ein mit Finanzwissen beschlagener Leser langweilt sich nicht. Es handelt sich um eine fundierte Betrachtung der Finanzkrise, gerade weil Etzold keinen alleinigen Schuldigen an der Krise ausmacht: Weder die Hausbesitzer in den USA oder die Banken noch die Märkte oder die Politik tragen dieses Stigma. (Christoph A. Horst) RISIKO MANAGER Rating: Praxisbezug: rrrqq Inhalt: rrrrq Verständlichkeit: rrrrr Gesamtwertung: rrrrq

21 Sonderprüfungen KWG §44-Readiness in der IT Immer wieder werden Bankmanager mit den teils schwerwiegenden Folgen der Sonderprüfungen nach §44 Kreditwesengesetz (KWG) konfrontiert. Die Behebung festgestellter BaFin-Moniten mündet gerne mal in einem zweistelligen Millionenprojekt und lässt die verantwortlichen Abteilungs- und Bereichsleiter schlecht aussehen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung in den letzten Jahren für fast alle Institute immer weiter gestiegen ist, werden ihre Komplexität und Auswirkungen noch regelmäßig unterschätzt. Dabei können Banken sich mit einer geeigneten Prüfungsvorbereitung gut vor möglichen Sanktionen schützen. Der vorliegende Beitrag verdeutlicht, was genau eine §44er Prüfung für die IT bedeutet und wie Finanzinstitute am besten damit umgehen können. Um Maßnahmen wie die Auferlegung verschärfter Berichtspflichten oder die Versagung der Geschäftsleiterzulassung zu vermeiden, sind die Institute gehalten, sich gründlich auf die Sonderprüfung vorzubereiten. Der zentrale Prüfungsgegenstand kann dabei sowohl in der IT als auch im Kontext des Fachbereichs liegen. Die Vorbereitung der IT ist jedoch grundsätzlich notwendig, da sie – egal ob separat oder als Teil fachspezifischer Prüfungen – stets betroffen ist (t Abb. 01). Eine Sonderprüfung des IT-Bereichs liegt vor, wenn in den IT-Prüfungskategorien Sachverhalte ohne fachlichen Bezug geprüft werden (Beispiel: Erfüllt das Datensicherungskonzept der Bank die gesetzlichen Anforderungen?). Liegt der Fokus hingegen auf der Prüfung des Fachbereichs, so wäre die IT Teil einer fachspezifischen Sonderprüfung (Beispiel: Unterliegen die im Fachbereich verwendeten Excel-Tools zur Erfüllung GuV-relevanter Aufgaben einer zentralen Überwachung durch die IT?). Mängelvermeidung heißt Strafvermeidung Bekanntlich führen derartige Prüfungen oftmals zu plötzlich „gesetzten“ Großvorhaben zur Mängelbeseitigung, die schnell bis zu einem Drittel des jährlichen Gesamtbudgets für Projekte auffressen können. Dazu kommen möglicherweise sogar noch hohe Strafzahlungen. Da §44er-Prüfungen wiederkehrend durchgeführt werden, ist eine gute Vorbereitung zur Risikomitigation extrem wichtig. Die Erkenntnis, dass bestimmte Sachverhalte immer wieder von der BaFin moniert werden (t Tab. 01), erleichtert zwar einerseits die Vorbereitung auf eine Sonderprüfung. Andererseits offenbart sie, dass die Mängelvermeidung trotz besseren Wissens häufig zu kurz kommt. Um sich optimal auf eine Sonderprüfung vorzubereiten und Feststellungen zu verhindern, sollten alle Bereiche ausführlich daraufhin analysiert werden, ob sie die Mindestanforderungen der BaFin an das Risikomanagement und die Compliance- IT als Fokus oder Teilaspekt einer Sonderprüfung Sonderprüfung des IT-Bereichs Prüfung der IT als Teil fachspezifischer Sonderprüfungen t Abb. 01 Stamm-/ Markt-Daten Stamm-/ Markt-Daten Front/ Middle Office Kredit/ Zahlungsverkehr Kontokorrent Risikocontrolling Marketing und Vertrieb Produktgestaltung / Abwicklung Depot/ Investment Banking Vertrieb Handel Unternehmenssteuerung Kredit/ Zahlungsverkehr Kontokorrent Rechnungswesen Bewertung Meldewesen Internes Reporting Personal Recht Revision IT/ Org. Logistik Geschäftsübergreifende Prozesse Stamm-/ Markt-Daten Stamm-/ Markt-Daten Front/ Middle Office Risikocontrolling Marketing und Vertrieb Produktgestaltung / Abwicklung Depot/ Investment Banking Vertrieb Handel Rechnungswesen Bewertung Meldewesen Unternehmenssteuerung Internes Reporting Personal Recht Revision IT/ Org. Logistik Geschäftsübergreifende Prozesse Der IT-Bereich ist immer in der Sonderprüfung involviert. Eine ausführliche IT-Vorbereitung ist vor jeder Sonderprüfung notwendig.

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