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RISIKO MANAGER 10.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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22 RISIKO MANAGER 10|2016 Kurznachrichten Bankinterne Risikomodelle auf dem Prüfstand Weltweit zweifeln Bankenaufseher an den komplexen Risikomodellen, auf die Banken derzeit vertrauen. Sie fürchten, dass die detaillierten Ergebnisse der Modelle den Instituten ein falsches Gefühl von Sicherheit verleihen könnten. Der Basler Ausschuss, der globale Bankenregeln festlegt, will nun einige Banken zügeln: Die Institute, deren Modelle die niedrigste Risikogewichtung ausspucken und die Kapitalanforderungen am stärksten senken, sollen strengeren Regeln unterworfen werden. Europäische Banken werden davon deutlich stärker betroffen sein als amerikanische, da das Geschäftsmodell ersterer schon seit langem auf einem risikobasierten Kapitalmanagement fußt. Letztere lassen sich hingegen von einfacheren Verschuldungskennzahlen leiten. Es ist leicht zu erkennen, welche europäischen Banken durch die möglichen Änderungen besonders in Schwierigkeiten geraten würden. Deutsche Bank, Société Générale, Barclays und BNP Paribas haben allesamt eine relativ geringe Risikodichte. Diese misst, wie groß das Risiko ist, das eine Bank ihren Aktiva beimisst. All diese Institute haben eine Risikodichte von weniger als 30 Prozent. Jeder Euro an Krediten oder sonstigen Papieren in ihrem Besitz entspricht demnach weniger als 30 Cent in risikogewichteten Aktiva. Es sind diese risikogewichteten Aktiva, aus denen sich die Kapitalanforderungen der Banken ergeben. Zum Vergleich: J.P. Morgan hat eine Risikodichte von 61 Prozent. Das hat teils damit zu tun, dass europäische Banken meist weniger riskante Papiere halten. Sie halten mehr hochwertige Hypothekenpapiere und vorrangige Anleihen, während US-Banken mehr riskante Anleihen halten. Diese vier europäischen Institute weisen jedoch eine besonders niedrige Risikodichte auf im Vergleich zu ihren europäischen Wettbewerbern, und auch ihre Kapitalquote ist auffällig gering. Das heißt, dass ihnen weniger Mittel zur Verfügung stehen, um steigende Kapitalanforderungen zu decken. Die Bankenaufsicht will jetzt eine Untergrenze für die Risikodichte setzen, um die Spannweite in der Branche zu verkleinern. Auch andere Banken haben eine geringe Risikodichte, zum Beispiel in skandinavischen Ländern, sie sind jedoch besser für Regeländerungen gewappnet. Die schwedische Swedbank hat eine der geringsten Risikodichten überhaupt, weil sie Hypothekenkredite als extrem sicher einstuft. Örtliche Aufseher haben das jedoch relativiert, indem sie die Kapitalanforderungen erhöht haben, ohne die Risikobewertung zu verändern. Der Grund für diesen Schritt war jedoch eher der Häusermarkt, der zu überhitzen drohte, als vermeintlich wirklichkeitsferne Risikomodelle. Auch in Großbritannien sehen Banken wie die Lloyds Banking Group Hypotheken als besonders risikoarm an. Das besonders dicke Kapitalpolster von Lloyds bedeutet jedoch auch, dass sie damit umgehen könnte, wenn neue Regeln sie zwingen sollten, solchen Papieren eine höhere Risikogewichtung zuzuteilen. Allerdings müsste sie unter Umständen ihre Ausschüttungen reduzieren. Andere Banken wie die italienische UniCredit und die spanische Santander, die vergleichsweise schwache Kapitalquoten haben, sind gut vor Regeländerungen geschützt, weil ihre Papiere als fast doppelt so riskant gelten wie die der Deutschen Bank oder der Société Générale und daher mit doppelt so viel Kapital besichert sind. Die Erfahrung der spanischen und italienischen Institute mit faulen Krediten könnte ihnen zu dieser geschützten Position verholfen haben. Dennoch zeigt sich daran, wie groß die Unterschiede bei der Risikobewertung selbst innerhalb Europas sind. Inflationsrisiken korrelieren mit der Globalisierung Der seit langer Zeit weltweit zu beobachtende Trend sinkender Inflationsraten hängt nach Einschätzung des Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Claudio Borio, maßgeblich mit der Globalisierung zusammen. Borio hält es für möglich, dass dieser Trend erst enden wird, wenn die Globalisierung rückgängig gemacht wird. "Möglicherweise braucht es eine Umkehr des Globalisierungsprozesses, um den disinflationären Gegenwind umzukehren, mit dem die Weltwirtschaft jetzt schon so lange zu tun hat", sagte Borio bei der ersten Jahrestagung des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) in Frankfurt. Borio hält einen Inflationsanstieg nach eigenen Worte für „gut möglich”, glaubt aber, dass dieser Prozess wegen des oben beschriebenen Zusammenhangs eine Weile brauchen wird. Und so lange werden seiner Einschätzung nach auch die Zinsen niedrig bleiben. „Angesichts der aktuellen geldpolitischen Rahmenwerke wäre die notwendige und hinreichende Voraussetzung für höhere Zinsen eine deutlich höhere Inflation. Hohes Wachstum allein wird nicht ausreichen”, sagte er. Borio verwies auf das Beispiel Japans, dass im vergangenen Jahrzehnt unter den Industriestaaten mit die höchsten Pro-Kopf-Wachstumsraten aufgewiesen habe und trotzdem alles daran setze, mehr Inflation zu bekommen. Der BIZ-Chefvolkswirt appellierte an Finanzindustrie und Behörden, das Risiko steigender Zinsen trotzdem nicht zu unterschätzen. „Finanzinstitute sollten klug mit den Snap-back-Risiken umgehen, und die Aufsichtsbehörden sollten darauf achten, dass sie es wirklich tun”, sagte Borio. Basel IV: Banken erhalten Rückendeckung Die beiden größten Länder der Eurozone versprechen ihren Banken, sie von noch strengeren Eigenkapitalanforderungen zu verschonen. „Bei der Finalisierung der Regeln von Basel wollen wir eine Benachteiligung europäischer Banken vermeiden”, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach einer Sitzung des Deutsch-Französischen Finanz-und Wirtschaftsrats in Berlin. Sein Amtskollege Michel Sapin pflichtete ihm bei. „Wir müssen auch sehen, welche Kapazitäten es gibt, um die Realwirtschaft und Unternehmen zu finanzieren und wir dürfen dabei keine Hindernisse aufbauen”, betonte Sapin. Am deutlichsten wurde Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der auch am Spitzentreffen der Finanz- und Wirtschaftsminister teilgenommen hatte. „Aus Basel III darf kein Basel IV werden”, sagte Weidmann. Die Finanzwirtschaft befürchtet, dass der Abschluss von Basel III – der in der Branche Basel IV genannt wird – zu neuen Belastungen führen wird. Die privaten Geldhäuser haben wiederholt vor den Plänen gewarnt, die Kapitalanforderungen noch weiter zu erhöhen. Neben den Niedrigzinsen sehen sie in einer verschärften Regulierung das größte Risiko für ihre Profitabilität. Der internationale Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) will bis Ende des Jahres sein Regelwerk zum Abschluss bringen. Nach quantitativen Untersuchungen der deutschen Banken und Sparkassen dürfte der aktuelle Verhandlungsstand dazu führen, dass die deutschen Institute künftig deutlich höhere Kapitalanforderungen erfüllen müssen. Daraus resultiert ein erheblicher zusätzlicher Eigenkapitalbedarf. Als Konsequenz müssten die Institute entweder ihre Kreditvergabe deutlich einschränken oder zusätzliches Eigenkapital beschaffen. Im aktuellen Marktumfeld sind Kapitalerhöhungen jedoch sehr schwierig. Kreditrisikobewertung benötigt solide Datenbasis In Folge der ansteigenden regulatorischen Anforderungen ist die Durchführung eigener Kreditrisikobewertungen für viele institutionelle Investoren inzwischen verpflichtend. Insbesondere die zugrundeliegende Bewertungsmethodik stellt dabei eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die Unternehmen und ihre Investmentmanager dar. Hinsichtlich Qualität und Validität der Verfahren müssen Anforderungen durch eine solide Datenbasis gewährleistet werden. „Nur mit einer ausreichend großen Datenbasis können Verfahren mit einer hohen Prognosegüte entwickelt werden, die auch im Zeitablauf die gewünschte Stabilität aufweisen“, erläutert Simon Hasse-Kleeberger, Manager bei der RSU Rating Service Unit GmbH. In Bereichen, in denen Unternehmen jedoch selbst nur über eine unzureichende Datenbasis verfügen, stellt die Hinzuziehung von Spezialisten eine Lösungsoption dar. Diese können die Daten sämtlicher Nutzer bündeln und so auf einer ungleich größeren Datenbasis Bewertungsverfahren entwickeln und validieren. Der Vorteil: Nutzer können sich so auf die Risikobewertung als Kernkompetenz konzentrieren, während die Pflege und Weiterentwicklung der Verfahren durch den Spezialisten geleistet wird. Insbesondere in Spezialfinanzierungsbereichen wie etwa der Projektfinanzierung ist ein Ratingmodell von Nutzen, das auf einer großen Datengrundlage basiert.

Liebe FIRM-Leser, bei einer sehr groben und oberflächlichen Analyse der letzten Finanzkrise kommen selbst ernannte und sogenannte „Experten“ nicht selten zu dem Ergebnis, dass eine Mischung aus unseriöser Kreditvergabe, einer massiven Unterschätzung von Risiken durch die Finanzmarktteilnehmer und die „Gier“ in den Chefetagen der Finanzindustrie die Krise verursacht haben. Und immer wieder tauchen auch die fehlerhaften Modelle der „Quants“ in der Argumentationskette auf. INHALT 23 EDITORIAL 24 INTERVIEW Eine tiefergehende Analyse führt zu dem Ergebnis, dass die eigentlichen Ursachen viel komplexer sind. Ein wesentlicher Grund für die Blasenentwicklung auf dem US-Immobilienmarkt liegt in der Niedrigzinspolitik der US-amerikanischen Notenbank nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Und in der Folge in der Verbriefung und dem Verkauf der Kreditrisiken, wodurch sich die ursprünglichen Gläubiger des Ausfallrisikos entledigt haben, sodass sie sorglos wurden und Kredite vergeben haben, die sie nicht vergeben hätten, wenn sie das Risiko in den eigenen Büchern behalten hätten. Exakt an dieser Stelle begann die Welttournee der US-Hypothekenrisiken – mit den Turbulenzen, die wir bis heute spüren. Eine wichtige Lehre: Insgesamt muss es darum gehen, mehr Zeit und Ressourcen auf das tatsächliche ernsthafte Nachdenken über die wesentlichen kritischen Zukunftsszenarien und Risiken zu lenken. Dies erfordert ein breites Verständnis, interdisziplinärer Zusammenarbeit und auch neue mathematische Methoden – zumindest neu in der Anwendung in diesem Segment. Jede Finanzkrise liefert daher keine Argumente gegen Risikomodelle, die unvermeidlich sind, sondern ein Argument für die Weiterentwicklungen – viele Schwächen der in der Praxis üblichen Modelle sind seit langem bekannt. So ist jede Krise eine Chance auf einen ernsthaften Fortschritt im Risikomanagement. Dies bestätigt auch David X. Li in unserem Interview. Als prototypischer Quant wurde ihm recht schnell der „schwarze Peter” zugeschoben – denn seine Erfindung des Gauß’schen Copula-Modells ermöglichte erst den Handel mit Portfolio-Kreditderivaten Beste Grüße und viel Spaß bei der Lektüre wünscht das FIRM-Redaktionsteam HERAUSGEBER Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. MAIN TRIANGEL Zum Laurenburger Hof 76 D 60594 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 94 41 80 97 Telefax: +49 69 94 41 80 19 Internet: www.firm.fm E-Mail: info@firm.fm Redaktion: Frank Romeike (V.i.S.d.P.), Wolfgang Hartmann, Andreas Eicher E-Mail: redaktion@firm.fm Erscheinungsweise: 10 x im Jahr als Einhefter in der Zeitschrift RISIKO MANAGER

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