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RISIKO MANAGER 09.2019

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4 RISIKO MANAGER 09|2019 Reflexionen über Theorie und Praxis Was es bedeutet, effektive Risikomanagement-Entscheidungen zu treffen Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube im Risikomanagement des Bankwesens, dass Logik und Mathematik in Wirtschaft und Finanzwirtschaft als Allheilmittel für alle Herausforderungen dienen, denen sich Risikomanager gegenübersehen. Vor dem Hintergrund der lauernden (Denk-)Fallen auf diesem Gebiet des Risikomanagements darf der Appell nach einer Vermeidungsstrategie nicht ignoriert werden. Wir umreißen fünf Leitlinien, die auf dem Weg hin zur mehr Entscheidungskompetenz im Risikomanagement eingehalten werden sollten: 1) Nehmen wir intellektuelle Bescheidenheit an und sehen dadurch ein, dass jeder Risikomanagementansatz erfolglos bleiben kann. 2) Effektives Risikomanagement macht sich an gut informierten Entscheidungen fest, bei denen die Risiken den Entscheidungsträgern bekannt und verstanden sind. 3) Das Verständnis von Risiken mündet wiederum nicht in einer Risikokontrolle, sondern schafft Raum für eine stärker systemorientierte Regulierung. 4) Sensibilisieren wir uns für ein latentes Paradoxon: Effektives Risikomanagement kann bei dynamischer, systemischer Betrachtung an den Erwartungen scheitern. 5) Praktische Weisheit ist Trumpf bei der Bestimmung der Entscheidungskompetenz: Formale Modellierung ist kein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen bei der Risikobewertung. Letzteres sollte man auch vor dem Hintergrund des vermeintlichen Siegeszugs von Künstlicher Intelligenz im Auge behalten. Einleitung Es gibt eine Kunst, von der jeder Mensch ein Meister sein sollte, nämlich die Kunst der Reflexion. 1 Durchschlagend ist sodann die Frage, die der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge stellte: „Wenn du kein denkender Mensch bist, wozu bist du dann überhaupt ein Mensch?“ [Coleridge, 2015]. Daniel Kahneman unterscheidet zwischen schnellem Denken und langsamem Denken. Doch sowohl instinktives, respektive emotionales Denken (was er schnelles Denken nennt) und eher deliberatives, logisches oder analytisches Denken (was er als langsames Denken bezeichnet) können oberflächlich und schnell, aber auch vorzeitig und unzureichend sein. In unserer Zeit, in der analytisches und schnelles Denken oft gelobt, belohnt und überbewertet wird, könnte es tatsächlich aber irreleitend oder nur darum unerlässlich sein, weil wir zu spät begonnen haben, über ein Thema nachzudenken. Daher sollte das tiefgehende Denken – und als Sonderfall das kreative oder disruptive (Schumpeter) und das ganzheitliche oder systemische Denken (von Hayek) –, das Zeit braucht, gewürdigt und gefördert werden. Von Zeit zu Zeit müssen wir eben aus dem Strom der direkten Erfahrung und unseren un-

Marktrisiko 5 mittelbaren Reaktionen darauf aussteigen. Andernfalls besteht die veritable Gefahr, dass wir bloß auf dem vermeidbaren Weg zum Untergang und zur Katastrophe schnell unterwegs sind. 2 Durch tiefgehendes Nachdenken oder Reflexion können wir die Illusion des Risikomanagements im Bankwesen enttarnen, dass Logik und Mathematik in Wirtschaft und v. a. der Finanzwirtschaft als Allheilmittel für alle Herausforderungen dienen, mit denen Risikomanager konfrontiert sind. Ein aussagekräftiges Beispiel für eine solche Falle eines Logikers wäre die Verwendung eines Standardrisikomodells wie Value-at-Risk [vgl. Riedel, 2013: 21; Litzenberger & Modest, 2010: 75; Jorion, 1997] für vergangene Daten aus einer unvollkommenen Welt, die eher eine schwer fassbare und zufällige Abfolge von Ereignissen als eine Reihe von unabhängigen oder normal verteilten usw. Beobachtungen darstellen, was viele Standard-, d. h. probabilistische Risikomodelle verlangen, da viele ökonomische und Finanz-Variablen und -Größen so aussehen, als würden sie solche idealisierten Eigenschaften besitzen. Aber die Ähnlichkeit zwischen Modell und abgebildeter Wirklichkeit ist nicht dasselbe wie Kongruenz [Bernstein, 1996: 335]. Mit anderen Worten: Einige Risikoanalysten oder „Quants“ vernachlässigen die Frage, ob die Annahmen, die sie nach Auswahl und Anwendung eines bestimmten formalen Apparats festlegen müssen, in ihrem jeweiligen realen Kontext wirklich erfüllt sind [z.B. Brose et al., 2014: 369; Mikes, 2009; MacKenzie, 2006]. Trotz der häufigen Lippenbekenntnisse für kritischeres [Mikes, 2011: 240; Taleb et al., 2009; Power, 2007: 122] und ganzheitlicheres [Nario et al., 2016: 24; McNish et al., 2013; Pergler & Lamarre, 2009] Risikomanagement, insbesondere nach der globalen Finanzkrise, gibt es immer noch fundamentale und konzeptionelle Probleme und viele weitere Beispiele für Mängel der technischen Risikobewertung [vgl. auch Stulz, 2009; Hellwig, 2008: 52; Duffie, 2007; Daníelsson et al., 2001]. Wiewohl wir anerkennen, dass die Grenzen der formalen Risikomodellierung nicht unbekannt, sondern in der Literatur des Bank- und Finanzwesens streckenweise skizziert sind, kann die Forderung nach einer Vermeidungs- und Minderungsstrategie nicht länger ignoriert werden, wenn man sowohl lauernde Fallen auf dem Gelände des Risikomanagements als auch fehlende Einsichten und Lehren aus früheren Erfahrungen in der wirtschaftlichen Praxis bedenkt. Als Entgegnung darauf stellen wir die nachstehende Leitfrage: Wie kann technische oder mathematische Risikobewertung in die Beurteilungspraktiken der Risikobewertung eingebettet und von diesen kontrolliert werden, um bessere und effektivere Entscheidungen im Risikomanagement zu treffen? Dieser Frage nehmen wir uns im Folgenden durch die Herausarbeitung von sechs Prinzipien der guten Praxis im Risikomanagement an. Wie den Fallen für Logiker zu entkommen ist: Mehr Entscheidungskompetenz im Risikomanagement Follow effective action with quiet reflection. From the quiet reflection will come even more effective action. [Peter Ferdinand Drucker, 2005] In unserer dicht vernetzten und turbulenten Welt können Optimierung oder Effizienz, ermöglicht durch elegante Risikomodelle, immer noch Desiderata sein. Aber die Sicherstellung der Effektivität oder effektiver Risikomanagement-Entscheidungen, die oft als selbstverständlich abgetan oder als Mindestleistung unterschätzt werden, würde sich als ein respektables Hauptziel und -fokus erweisen. Ein fundiertes und effektives Risikomanagement wiederum ist nämlich letztendlich entscheidend für gute Entscheidungen. Die Risikobewertung habe einen entscheidungsleitenden Zweck [Taleb, 2013: 7]. Das Ergebnis des Risikomanagementprozesses, bei dem die Bewertung von Risiken der entscheidende Schritt ist, ist Folge einer Reihe von konkreten Entscheidungen, wie z. B. die Entscheidung, ob ein Kredit gewährt oder abgelehnt wird, ob Kapital in das Unternehmen eingebracht wird oder wie eine Position gesichert wird (hedging). Was kann da ein adäquates oder effektives Risikomanagement leisten, und was werden die Kriterien sein?

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