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RISIKO MANAGER 09.2017

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8 RISIKO MANAGER 09|2017 Abb. 03 Mehrstufiges NPL-Template Level 1: Pan-European (generic data fields) Level 2: National (data fields required in a national context to capture national specificties) der meldepflichtigen Banken als vertraulich einzustufen sind (z. B. Name des Schuldners). Hier wird abzuwägen sein, welche Datenfelder nicht allgemein zugänglich gemacht werden, sondern nur gegenüber Aufsichtsbehörden bzw. Zentralbanken offengelegt werden müssen. Die genauen Hintergründe sind nicht leicht feststellbar, ein wesentlicher Grund dürfte aber sein, dass NPLs nach einem Zahlungsausfall an Abwicklungseinheiten übertragen werden, die eigene Datenbanken unterhalten, die wiederum nicht mit den Datenbanken, die für das ABS-Berichtswesen relevant sind, verknüpft wurden. Dieses Beispiel zeigt, dass in der Realität vermutlich erhebliche zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind, um ein zufriedenstellendes Transparenzniveau für NPLs zu erreichen. Notwendige Schritte hin zu einer verbesserten NPL-Transparenz 1. Dimensionen der NPL-Transparenz Basierend auf der Erfahrung der ABS Loan- Level-Initiative der EZB müssen zunächst die Dimensionen eines Transparenzprojekts analysiert und Prioritäten festgelegt werden. Als erster Schritt sollte hierbei auch der jeweilige Addressatenkreis definiert werden, den man in zwei Gruppen unterscheiden kann: a. Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und politische Institutionen für die Analyse des NPL-Bestands auf Bank- und Länderebene b. Investoren und andere Markteilnehmer wie z. B. Ratingagenturen oder Portfoliomanager für die Analyse und Bewertung von NPL Portfolios Level 3: Asset class specific (data fields which are needed to provide additional details for valuations) Für die erste Gruppe werden regelmäßig Datenfelder bezüglich der NPL-Klassifizierung (z. B. „Forbearance”, „Default”, „Unlikely-to-pay”) sowie Bewertungsthemen für die Rechnungslegung entscheidend sein. Für die zweite Gruppe sind diese Datenfelder auch interessant, indes werden weitere Datenfelder zur genauen Bestimmung der Sicherheitenwerte sowie erwartete Cashflows aus deren Verwertung im Vordergrund stehen. Ein standardisiertes, pan-europäisches Datentemplate sollte idealerweise beide Ebenen abdecken und separate Abschnitte enthalten, die für den jeweiligen Adressatenkreis relevant sind. Im Folgenden sind weitere Dimensionen zu berücksichtigen: a. Nationale und pan-europäische Datenfelder Idealerweise hätte ein NPL-Template nur Datenfelder, die grenzüberschreitend vergleichbar wären. Durch die unterschiedlichen Insolvenzordnungen und Rechnungslegungsstandards müssen indes auch Datenfelder definiert werden, die nur auf nationaler Ebene Bedeutung haben und insofern für jedes Land unterschiedlich ausfallen werden. b. Pflichtfelder vs. optionale Datenfelder Das NPL-Template sollte eine Reihe von Pflichtfeldern enthalten, die durch optionale Datenfelder ergänzt werden können, beispielsweise um zusätzliche Bewertungsdetails aufführen zu können, die indes nicht für alle Darlehen relevant sind. c. Öffentliche versus vertrauliche Daten Um den Sekundärmarkt für NPLs zu entwickeln, müssen die Daten in den NPL-Templates den Marktteilnehmern grundsätzlich zugänglich sein. Allerdings werden regelmäßig auch Informationen zu berichten sein, die aus Sicht d. Anonymisierte vs. personalisierte Datenfelder General sollten alle Datenfelder anonymisiert sein, d. h. dass keine personenbezogenen Daten in den Datenfeldern berichtet werden. Personalisierte Daten sollten nur für Aufsichtsbehörden bzw. Zentralbanken verfügbar sein sowie zur direkten Verwaltung und Verwertung der NPL. e. Assetklassen Unterschiedliche Assetklassen erfordern unterschiedliche Datenfelder. Ein notleidendes gewerbliches Immobilienengagement wird andere Datenfelder benötigen als ein ungesicherter Konsumentenkredit. NPL-Templates müssen daher für jede Assetklasse angepasst werden. Die Zahl möglicher Variationen bedingt letztlich ein mehrstufiges NPL-Template, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Vergleichbarkeit, Detailtiefe und Komplexitätskosten sicherzustellen. 2. Entwicklung eines pan-europäischen NPL-Templates Durch die zuvor aufgezeigte Komplexität ist ein „one-size-fits-all”-Ansatz kein gangbarer Weg. Andererseits ist ein sehr granularer Ansatz mit möglicherweise Hunderten von Datenfeldern, plus Variationen auf Länderebene, ebenfalls sehr schwer umzusetzen, da regelmäßig viele Informationen nicht verfügbar sind sowie die Vergleichbarkeit erschwert wird. Des Weiteren sollten Definitionen nicht erheblich von dem abweichen, was Banken bereits berichten müssen. Dies ist auch für eine zeitnahe Umsetzung der NPL-Transparenz zwingend erforderlich. Ein guter Kompromiss ist eine Mischung bestehender Datentemplates auf Basis von Anacredit und der EZB ABS Loan-Level-Initiative, die mit zusätzlichen Datenfeldern auf anderen Ebenen erweitert werden.

9 Dieser hybride Ansatz sollte zu einem mehrstufigen NPL-Template führen, das mit einer klaren „Top-down”-Logik ausgestaltet ist: ( Abb. 03) » Die erste Ebene umfasst Datenfelder, die über Ländergrenzen hinweg einheitlich definiert werden können, beispielsweise auf Basis von EBA oder EZB Definitionen wie dem „Banks' Integrated Reporting Dictionary (BIRD)“. » Die zweite Ebene ergänzt die erste um Datenfelder, die für die NPL-Transparenz wichtig sind, wie z. B. Insolvenzstatus, die allerdings primär auf nationaler Ebene genauer definiert werden müssen. » Die dritte Ebene umfasst Datenfelder, die für die jeweiligen Assetklassen mehr im Detail beleuchtet werden müssen und hohe Relevanz für z. B. Investoren und Ratingagenturen haben. Die Aufteilung in mehrere Ebenen erleichtert auch eine Gruppierung in Arbeitsbereiche, um das recht komplexe NPL-Transparenzthema in der Entwicklungsphase durch mehrere Interessengruppen effizient begleiten zu können. Auf Ebene 1 sollten primär Institutionen wie EBA oder die EZB in einer Führungsrolle stehen. Auf Ebene 3 könnten wiederum Marktteilnehmer mit spezieller Kenntnis der jeweiligen Assetklasse eine wichtigere Rolle spielen. Für jede Ebene sollten separat weitere Merkmale auf Basis der zuvor genannten Dimensionen festgelegt werden. So würden z. B. in Ebene 1 mehr Datenfelder öffentlich zugänglich sein als auf Ebene 3, wobei auf allen Ebenen sowohl öffentliche wie auch vertrauliche Datenfelder zu finden sind. ( Abb. 04) Fazit Angesichts der aktuellen NPL-Situation in Europa gibt es gute Argumente für eine Verbesserung der NPL-Transparenz, sowohl aus aufsichtsrechtlicher Sicht als auch aus der Perspektive eines Sekundärmarkts für den Handel von NPLs. Zwar ist das Berichtswesen von NPL nicht neu und bereits durch eine Reihe anderer Berichtsmechanismen wie Anacredit, EZB ABS Loan-Level oder auf nationaler Ebene teilweise abgedeckt. Indes gibt es keinen pan-europäischen Ansatz, der sowohl ein hohes Maß an Vergleichbarkeit als Abb. 04 Level 1 Level 2 Level 3 auch genügend Detailtiefe liefern kann. Durch die relativ hohe Komplexität des NPL-Themas, begründet durch die unterschiedlichen Insolvenzordnungen, Bewertungsfragen von Sicherheiten, Definitionsschwierigkeiten und zersplitterten IT-Landschaften ist ein „one-size-fits-all”-Datentemplate kurzfristig kaum umsetzbar. Die Autoren schlagen daher ein mehrstufiges Datentemplate vor, das auf bestehenden Templates, wie z. B. Anacredit oder jenen der ABS Loan-Level-Initiative der EZB, aufsetzt und sie durch spezielle Datenfelder für NPLs ergänzt. Mittelfristig kann durch die Konvergenz von europäischen Insolvenz- sowie Rechnungslegungsvorschriften ein einheitlicher Ansatz erreicht werden, der wiederum eine deutlich erhöhte NPL-Transparenz zur Folge hat. Quellenverzeichnis Anteil öffentlich zugänglicher Informationen je Template-Ebene. Public (anonymised) Public (anonymised) Public (anonymised) European Central Bank – Banking Supervision (2017): Guidance to banks on non-performing loans, März 2017, https:// www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/guidance_on_npl.en.pdf. European Central Bank – Frequently Asked Questions, https://www.ecb.europa.eu/mopo/assets/loanlevel/faq/ html/index.en.html. European Commission (2017): Remarks by Vice-President Dombrovskis at the informal ECOFIN press conference in Valletta, 07 April 2017, http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-17-917_en.htm. European Council (2017): Council conclusions on Action plan to tackle non-performing loans in Europe, 11 July 2017, http://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2017/07/11-conclusions-non-performing-loans/. European DataWarehouse (2016a): Special Report: Commentary on Spanish RMBS Loan-Level Data, Frankfurt am Main 2016. European DataWarehouse (2016b): Special Report: Quality of loan level data – lessons learned for the AnaCredit project, Frankfurt am Main 2016. Schoenmaker, D./ Véron N. (2016): Bruegel Blue Print Series 25: European banking supervision: the first eighteen months, Brussels 2016. Private Private Autoren Private Markus Schaber, Senior Advisor, European DataWarehouse. Dr. Christian Thun, Chief Executive Director, European DataWarehouse. 1 Schoenmaker/Véron 2016, S. 20. 2 European Commission 2017. 3 European Commission 2017. 4 European Council 2017. 5 ECB 2017. 6 European DataWarehouse 2016b. 7 https://www.ecb.europa.eu/mopo/assets/loanlevel/faq/ html/index.en.html. 8 RMBS: Residential mortgage-backed securities. 9 European DataWarehouse 2016a, S. 6.

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