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RISIKO MANAGER 09.2016

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22 RISIKO MANAGER 09|2016 Abb. 07 Die meisten Institute planen eine primär barwertige Steuerung, ergänzt um eine ertragsorientierte Steuerung. Eine nicht unerhebliche Minderheit möchte hingegen primär den Ertrag und ergänzend barwertig steuern. Diese Frage wurde je einmal bzgl. der barwertigen und einmal der ertragsorientierten Steuerung beantwortet. Wie werden Sie zukünftig das Zinsrisiko im Bankbuch steuern? Ertragsorientiert Barwertig 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % Primäre Steuerungssicht Sekundäre Steuerungssicht nicht ausreichend Rechnung getragen. Beispielsweise werden in einigen Häusern Produkte, deren Barwert vom Kundenverhalten abhängt, finanzmathematisch bewertet, als ob diese Abhängigkeit nicht bestünde. Zudem enthalten Kredite in der Regel umfangreiche Optionalitäten wie beispielsweise Sondertilgungsrechte, die in Bewertung und Risikomessung (und oft schon bei der Geschäftserfassung) nicht berücksichtigt werden. Eine Abbildung des Bankbuchs in der Zinsrisikomessung durch aggregierte Cashflows, wie es in vielen Häusern üblich ist, lässt nicht zu, das Ausübungsverhalten zinsabhängig zu modellieren; dazu müssten die Cashflows szenarioabhängig modelliert sein. Zudem wird das Zinsrisiko im Anlagebuch in vielen Häusern nur aus einer barwertigen Perspektive gemessen, wie es für das Handelsbuch angemessen ist, obwohl die Anlagebücher mit einer Hold-to-Maturity-Absicht und damit primär aus Ertragssicht gesteuert werden. Aus dem Gegensatz zwischen diesem Hintergrund und den neuen Anforderungen ergeben sich Herausforderungen, die auf die Institute im Umfeld Zinsrisiko im Anlagebuch zukommen. Sie spiegeln sich auch in den Antworten auf die Frage wider, welche Anforderungen besonders große Herausforderungen mit sich bringen ( Abb. 08): Aus Sicht der Befragten ist die Einführung einer simultanen Steuerung von Barwert und Zinsertrag die größte Herausforderung. Wir möchten darauf hinweisen, dass die Einführung einer dualen Steuerung auch einen Einfluss auf die Risikotragfähigkeit hat, da es künftig Abschätzungen zum Zinsrisiko aus barwertiger wie aus Ertragssicht geben muss. Es ist zu konzipieren, wie beide hier angemessen und widerspruchsfrei berücksichtigt werden können. Für viele Banken bedeutet dies einen Paradigmenwechsel, der neben dem Aufbau entsprechender Modelle, Infrastruktur und Zuständigkeiten eine Anpassung der Risikosteuerung und damit der Risikostrategie bedeutet. Interessant ist, dass die vier in ( Abb. 08) am häufigsten genannten besonders großen Herausforderungen von keinem Schweizer Institut genannt wurden. Die Schweizer Institute nennen hier ausschließlich die Modellierungen der Optionen und der Bodensatzprodukte als große Herausforderungen. Dies ist ein bemerkenswerter Unterschied. Zum einen deutet dies darauf hin, dass die Schweizer Häuser, entsprechend der Erfahrung der Autoren, substantielle Erfahrung mit der Zinsertragsrisikorechnung haben. Zum anderen zeigt dies womöglich auch Lücken und Handlungsbedarf in der Steuerung während einer Negativzinsphase in der Praxis auf, denn schließlich existiert das Phänomen negativer Zinsen in der Schweiz schon etwas länger als in Deutschland. Oft fehlt aus Erfahrung der Autoren in Deutschland aktuell eine Zinsertragsrisikorechnung ( Abb. 09) und in der Schweiz die barwertige Steuerung. Diese sind dann neu zu entwickeln. Insbesondere die Entwicklung eines Zinsertragsrisikomodells sollte mit dem Bereich Finanzen abgestimmt erfolgen, da im Rahmen der Ertragsvorschau oftmals bereits Szenarien für den Zinsertrag berechnet werden und eine Zinsertragsrisikorechnung konsistent zur Bestimmung des Zinsertrags erfolgen sollte. Außerdem stellt sich die Frage nach dem primären und sekundären Steuerungskreis (die Einführung einer dualen Steuerung betrifft diverse Bereiche, wie insbesondere Treasury, Markt, Finanzen, Risikocontrolling und IT. Damit wird es künftig Abschätzungen zum Zinsrisiko aus barwertiger Perspektive wie aus Ertragssicht geben. Wie beschrieben, ist zu konzipieren, wie beide angemessen und widerspruchsfrei in der Risikotragfähigkeit berücksichtigt werden können). Die Umfrageteilnehmer haben hier eine klare Präferenz für eine barwertige Betrachtung als primäre Steuerungssicht ( Abb. 07). Die Länderunterschiede sind insbesondere in den Unterschieden im Geschäftsmodell begründet. Zur Modellierung von Produkten, die vom Kundenverhalten abhängen, sind Annahmen notwendig, wie zum Beispiel zu Sondertilgungsraten von Krediten, Annahmequoten von Zusagen oder Replikationsportfolios von Einlagen. Diese Annahmen sind in Zukunft regelmäßig zu validieren, da sie richtigerweise als Teil der Risikomodellierung gesehen werden. Diese Validierung hat unabhängig vom Marktbereich zu erfolgen und, so weit möglich, anhand beobachteter Verhaltensdaten. In vielen Häusern fehlen entsprechende Validierungsprozesse. Für sie sind Verantwortlichkeiten zu definieren, geeignete Methoden und Tools zu erstellen und die benötigten historischen Daten zu sammeln. Die Aufsicht verlangt, insbesondere in den Leitlinien der EBA (vgl. Tz 41 von [vgl.

Marktrisiko 23 Abb. 08 Die Hauptherausforderungen werden in der dualen Steuerung, der Validierung und der Ertragsrisikomessung gesehen. 30 Prozent der Befragten sehen die Implikation auf die IT Architektur als besonders große Herausforderung an. Es war eine Mehrfachauswahl möglich. Welche neuen Anforderungen aus Basel oder der EBA zu IRRBB sind besonders große Herausforderungen? Duale Steuerung (barwertig und ertragsorientiert) Validierungsanforderungen Aufbau oder methodische Anpassungen der Ertragsrisikomessung Auswirkungen von IRRBB auf die IT-Architektur Aufbau von Datenhistorien für Cashflow-Modellierung (z. B. Ausübungshistorien) Abbildung Vorfälligkeiten/Prepayments Abbildung vorzeitige Rückzüge/Redemptions Abbildung Bodensatzprodukte Abbildung automatischer Optionen Aufbau oder methodische Anpassungen der barwertigen Risikomessung Cashflow Slotting/Ausrollen der Cashflows EBA, 2015]), das Zinsrisiko im Anlagebuch mit verschiedenen Methoden zu messen, um damit den unterschiedlichen Aspekten des Risikos gerecht werden zu können. Dabei sind sowohl Messmethoden zu verwenden, die das barwertige Risiko abdecken, als auch solche, die die Ertragssicht berücksichtigen. Der im Vergleich zum Basler Papier zusätzliche Fokus der EBA auf Modellvalidierung mag erklären, wieso kein Schweizer Institutsvertreter die Validierung als besonders große Herausforderung genannt hat. Abb. 09 gibt einen Überblick, welche Verfahren heute schon von den Häusern eingesetzt werden und welche künftig ergänzt werden sollen. Es zeigt sich, dass die Messung eines barwertigen Risikos durch ein Value-at-Risk-Modell am weitesten verbreitet ist und somit einen Marktstandard darstellt. Aus unserer Erfahrung sind in diesen Modellen jedoch Positionen, die vom Kundenverhalten abhängen, oft nicht 2 4 5 6 6 8 9 angemessen dargestellt. Stresstests und Sensitivitäten der Barwerte betrachten ebenfalls viele Häuser. Etwas überraschend: Einige Häuser, die barwertige Risiken messen, bestimmen aktuell keine Barwertperformance. Das heißt, sie berechnen das Risiko von Barwertverlusten, stellen jedoch nicht fest, ob diese eintreten. In den Antworten der Häuser spiegeln sich einige Pläne wider, diesen Punkt zu verbessern. Die meisten Pläne zur Erweiterung der Messverfahren für das Zinsrisiko im Anlagebuch werden, wie erwartet, im Umfeld des Zinsertragsrisikos angegeben. So geben zwölf der Befragten an, ihr Haus plane eine Zinsertragssimulation einzuführen. Nur zehn Befragte aus Häusern, die bisher darüber nicht verfügen, geben an, dass es keine Pläne gibt, eine solche einzuführen. Insgesamt haben 30 Befragte auf diese Frage geantwortet. 14 16 17 22 Zur Abbildung von Produkten ohne wohldefinierte Laufzeit und von solchen, die vom Kundenverhalten abhängen, müssen deren Cashflows geeignet modelliert werden. Das heißt, Wahlrechte von Kunden werden vernachlässigt oder Einlagen werden mit fiktiven Laufzeiten modelliert. Dies reflektiert auch, dass die Unterteilung nach stabilen und weniger stabilen Einlagen aus dem Standardansatz die Praktiken für die Bodensatzprodukte beeinflussen wird – sei dies durch eine fundamentale Überarbeitung der Methodik oder durch sanftere Anpassungen. Da verschiedene Anspruchsgruppen involviert sind, bedingt dies eine klare Abstimmung mit Treasury und Controlling, wie im ersten Abschnitt weiter ausgeführt wird. ( Abb. 10) zeigt, dass die Häuser auch in diesem Umfeld großen Anpassungsbedarf sehen und entsprechende Maßnahmen planen. Vor allem eingebettete Optionalitäten, die sich im Kreditgeschäft häufig in großer Zahl finden, sollen künftig besser abgebildet werden. Die Pläne zur Verbesserung der Abbildung von Optionalitäten in der Zinsrisikorechnung werden in ( Abb. 11) dargestellt. Es zeigt sich, dass viele Häuser planen, in diesem Bereich in eine bessere Modellierung zu investieren. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Sondertilgungs- und Prolongationsrechten, dicht gefolgt von gesetzlichen Kündigungsrechten, wie unter anderem nach § 489 BGB in Deutschland. Zusammenfassend lässt sich ableiten: Die Banken planen erhebliche Erweiterungen in der Messung des Zinsrisikos. Sowohl die stärkere Berücksichtigung des Kundenverhaltens als auch die genannten neuen Basler Zinsszenarien lassen die Kapitalanforderungen steigen. Dies gilt umso mehr, als dass das Zinsrisiko im Anlagebuch sowohl für den Barwert als auch für den Zinsertrag zu berücksichtigen ist. Eine moderne Zinsbuchsteuerung ist somit nicht nur aufgrund der regulatorischen Vorgaben, sondern auch aus Kapitalgesichtspunkten eminent wichtig. Im folgenden Abschnitt stellen wir einen Lösungsansatz zur dualen Messung und verzahnten Steuerung von Zinsrisiken im Anlagebuch vor. Eine Diskussion

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