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RISIKO MANAGER 05.2019

RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

22 firm Frankfurter

22 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung allerdings die berühmte Glaskugel. Wichtig ist vor allem, dass die Entwicklungen der nahen Zukunft mit Augenmaß begleitet werden und dabei nicht nur die möglichen Vorteile betrachtet werden. Letztlich geht es für die Institute darum, sinnvolle Entwicklungen nicht zu verschlafen, aber auch die Kontrolle über ihr Handeln zu behalten. Wenn mit Innovationen „Black-Box-Effekte“ verbunden sind, ist Vorsicht geboten. FIRM-Redaktion: Risikomanagement insgesamt und OpRisk im Speziellen hat viel mit einer gelebten Risikokultur zu tun. Welche Maßnahmen würden Sie empfehlen, und welche Rolle spielt hierbei die Unternehmensleitung? Hannemann: In den Instituten gibt es seit jeher eine ganze Reihe von Regelwerken, die sich zumindest implizit mit der Risikokultur befassen, wie etwa die Risikostrategie oder die Organisationsrichtlinien. Mit den vier Indikatoren vom Finanzstabilitätsrat (FSB) ist das Thema nochmals befördert worden. Die Banken haben bereits diverse Maßnahmen umgesetzt, die der in den MaRisk geforderten Entwicklung, Förderung und Integration der Risikokultur dienen. Dazu gehören beispielsweise Schulungen oder Workshops, in denen die angestrebte Ziel-Risikokultur sowie Beispiele für (nicht) erwünschte Verhaltensweisen erläutert werden, um den Mitarbeitern das Thema noch näher zu bringen. Um das gegenseitige Verständnis zwischen Mitarbeitern zu fördern, können insbesondere in Bereichen, zwischen denen Interessenkonflikte bestehen oder vermutet werden, Hospitationen angeboten werden. Auch eine Rotation von Mitarbeitern kann diesem Ziel dienen. Werden Defizite festgestellt, können im Rahmen der Berichterstattung auch Handlungsvorschläge unterbreitet werden. Die Geschäftsleitung spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil sie insgesamt eine Vorbildfunktion im Unternehmen hat, an der sich die Mitarbeiter orientieren. Außerdem würden Maßnahmen zur Verbesserung der Risikokultur ggf. weniger Beachtung finden, wenn die Geschäftsleitung nicht deutlich macht, dass sie darauf großen Wert legt. FIRM-Redaktion: Verhindert eine enge Regulierung möglicherweise eine positive Risikokultur, da der Schwerpunkt des Risiko- und Compliance-Managements darauf ausgerichtet ist, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen? Hannemann: Das glaube ich nicht. Dieser Effekt würde ja nur entstehen, wenn die regulatorischen Anforderungen den angestrebten Zielen der Risikokultur entgegenstünden. Das ist meines Erachtens aber nicht der Fall. Man kann sich natürlich trefflich darüber streiten, wie sinnvoll oder risikosensitiv einzelne regulatorische Vorgaben sind. Die Risikokultur zielt jedoch vor allem darauf ab, eine angemessene Leitungskultur zu etablieren, klare Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter festzulegen, einen transparenten und offenen Dialog zu risikorelevanten Fragen zu fördern sowie angemessene Anreizstrukturen zu schaffen. FIRM-Redaktion: Der Faktor „Vertrauen“ spielt in der Beziehung zwischen einer Bank und ihren Kunden eine herausragende Rolle. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Reputationsrisiken und ähnliche „weiche“ Gefahrenpotenziale besser als bislang im Risikomanagement einer Bank zu berücksichtigen und effizienter zu steuern? Hannemann: Na ja, zunächst einmal dürfen wir uns im Risikomanagement einer Bank im Grunde keine Fehler erlauben. Wie die Fi- nanzmarktkrise gezeigt hat, ist es sehr leicht, in Sippenhaft genommen zu werden, wenn einzelne Banken Fehler machen. Die Reputation der Finanzbranche hat in der Finanzmarktkrise nachhaltig Schaden genommen und darunter immer noch zu leiden. In den letzten Jahren sind deshalb die nicht-finanziellen Risiken (Non-Financial Risks) stärker in den Fokus geraten. Dazu werden neben den operationellen Risiken unter anderem auch die Reputationsrisiken sowie die Geschäfts- und die strategischen Risiken gerechnet. Das Management der nicht-finanziellen Risiken spielt eine zunehmend große Rolle in den Instituten, was sicherlich auch der Kundenbeziehung dient. Letztlich sollte sich eine gute Risikokultur im Unternehmen auch auf den Umgang mit den Kunden positiv auswirken. FIRM-Redaktion: Herr Dr. Hannemann, vielen Dank für dieses Interview! Die Fragen stellte Frank Romeike | Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Risikomanagement & Regulierung sowie geschäftsführender Gesellschafter des Kompetenzportals RiskNET. Dr. Ralf Hannemann ist Direktor und Bereichsleiter Bankenaufsicht beim Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB. Der Bereich Bankenaufsicht bearbeitet alle Themen gemäß Säule 2 von Basel III einschließlich der Ermittlung des ökonomischen Kapitals und der Risikotragfähigkeit (ICAAP), der Stresstests, der guten Unternehmensführung (Governance) und des bankaufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP). Ebenso kümmert er sich um die bankaufsichtlichen Vorgaben zum Beschwerdemanagement sowie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten. Auch widmet er sich der Tätigkeit der Internen Revision und strukturellen Fragen der Bankenaufsicht, wie der Diskussion zu Trennbanken. Ralf Hannemann ist zentraler Ansprechpartner des Verbands für die EZB in ihrer Funktion als Bankaufsicht und koordiniert die ECB Industry Group, eine Interessenvertretung bedeutender Institute aus Deutschland, Österreich und Spanien. Außerdem ist er Autor zahlreicher Fachartikel und eines Kommentars zu den MaRisk. Bildquelle: VÖB.

23 Ausgabe 05/2019 Wissenschaft SAFE wird Leibniz-Institut Das LOEWE-Zentrum SAFE („Sustainable Architecture for Finance in Europe“) im House of Finance an der Goethe-Universität Frankfurt wird in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) fasste Anfang Mai einen entsprechenden Beschluss. Damit wird SAFE ab dem 1. Januar 2020 zu einem von Bund und Ländern geförderten Leibniz-Institut. Das Institut widmet sich der interdisziplinären Erforschung des Ordnungsrahmens für die Finanzmärkte und ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft in Europa sowie einer wissenschaftsbasierten, unabhängigen Politikberatung. Weitere Informationen unter: www.safe-frankfurt.de Trendwende beim Bezahlen im Einzelhandel Sieht eine Trendwende der Deutschen beim Bezahlen im Einzelhandel: Panagiotis Karasavvoglou von Worldline. Bildquelle: Worldline/Felix Matthies. In einem aktuellen Kommentar spricht Panagiotis Karasavvoglou, Head of Merchant Services Germany von Worldline, von einer „Trendwende beim Bezahlen im Einzelhandel“. Nach Karasavvoglous Worten galt Deutschland lange als (letzte) Bastion des Bargelds. So zahlten die Bundesbürger am liebsten mit Bargeld, während Karten überall auf der Welt immer beliebter wurden. Doch nun scheint sich eine Trendwende anzubahnen: „Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts EHI hatte Bargeld 2018 im Einzelhandel einen Anteil von 48,3 Prozent, Kartenzahlungen kamen hingegen auf 48,6 Prozent. Giro- und Kreditkarten liegen damit in der Gunst der Verbraucher erstmals leicht vor Bargeld“, so Karasavvoglou. Und er ergänzt: „Dabei dürften auch Kontaktlos- und Mobile Payment eine große Rolle gespielt haben, sind diese Verfahren für die Nutzer doch sehr bequem und durch das Handy allgegenwärtig.“ Kurz notiert: Finanzdienstleister im Visier von Cyberkriminellen Unternehmen der Finanzindustrie werden für Cyberkriminelle ein immer beliebteres Angriffsziel. Dies legt der aktuelle Report „Email Fraud in Financial Services“ von Proofpoint, einem Cybersecurityund Compliance-Unternehmen, nahe. So hat allein die Zahl der Angriffe auf Unternehmen aus dieser Branche im Vergleich des je- weils letzten Quartals zwischen 2017 und 2018 um 60 Prozent zugenommen. Und noch ein weiteres Studienergebnis stimmt nachdenklich: Bei mehr als der Hälfte (56 Prozent) der Unternehmen waren über fünf Mitarbeiter mit Betrugsversuchen konfrontiert gewesen. Gothaer KMU-Studie 2019 Hackerangriff, Datenklau, Viren oder Trojaner: Kein anderes Szenario fürchten kleine und mittlere nehmen – kurz KMU Unter- – so sehr wie das einer Cyber-Attacke. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle KMU-Studie des Gothaer Konzerns, durchgeführt als Online-Studie des Onlinepanels der „data field Feldservice GmbH“. Die zunehmende Digitalisierung erhöht die Gefahr für Unternehmen, Opfer von Cyber-Kriminalität zu werden: So sehen 43 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland Cyber-Risiken wie einen Hackerangriff, Datendiebstahl, Viren oder Trojaner als bedrohlichste Gefahr für ihren Betrieb an. 2017 waren es mit 32 Prozent noch deutlich weniger (2018: 40 Prozent). Nach Angaben von Gothaer war bereits jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) Opfer eines Cyber-Angriffs. Größere Unternehmen mit 200 bis 500 Mitarbeitern waren mit 26 Prozent häufiger betroffen als kleinere Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern (11 Prozent). Deshalb sei es nach Ansicht des Versicherungskonzerns umso erstaunlicher, dass weiterhin – wie auch im Jahr 2018 – nur rund 13 Prozent der Unternehmen einen Versicherungsschutz für Cyber Risiken hätten (2018: 13 Prozent, 2017: 9 Prozent). „Unsere Studien zeigen, dass das Risikobewusstsein und die Angst vor Cyber-Angriffen bei den KMUs seit Jahren kontinuierlich steigen. Das Risiko, selbst von einem Cyber-Angriff betroffen zu sein, wird von den Unternehmen erkannt. Gleichzeitig wird die Absicherung durch eine Cyber-Police immer noch zu selten genutzt. Wir spüren aber bei jedem öffentlichkeitswirksamen Hackerangriff eine deutlich steigende Nachfrage nach Cyber-Policen“, erklärt Frank Huy, Leiter Produktmanagement Haftpflicht und Financial Lines bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG. Weitere Informationen unter: www.gothaer.de Bildquelle: Gothaer Konzern.

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