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RISIKO MANAGER 05.2019

RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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12 RISIKO MANAGER 05|2019 odischen Kennziffern für die zukünftig geforderte normative Risikotragfähigkeitssicht einzubeziehen. Für die strategische Festlegung der Zinsrisikostrategie sind die operativen und meist statischen Risikomodelle und -maße wie der VaR für kurze Haltedauern sowie der BPV eher ungeeignet, da die Vermögensentwicklung nur unzureichend oder überhaupt nicht dargestellt wird. Hierzu eignen sich zukunftsorientierte Analysen verschiedener Zinsrisikobenchmarks (Fristentransformationsstrategien) wie z. B. „gleitend 10 Jahre“, um die Vermögens- und Ertragswirkung anschaulich und dynamisch darzustellen. In Abb. 03 und Abb. 04 ist der Vergleich der Performance und GuV-Wirkung exemplarisch für die Zinsrisikostrategie „gleitend 10 Jahre“ unter verschiedenen Zinsentwicklungen dargestellt. Hierauf basierend können sachgerechte Schätzer für die Vermögens- und Ertragsentwicklung sowie das strategische Risiko abgeleitet werden. Bei der GuV-Wirkung ist in Abhängigkeit der Ausgangssituation zu berücksichtigen, ob das Institut bereits in die Struktur investiert ist oder plant, dort zu investieren. Die exemplarische Analyse der GuV-Wirkung unterstellt, dass die Benchmark bereits vor zehn Jahren aufgebaut wurde. Handlungspotenzial 2: Es ist eine zentrale Zinsbuchstrategie zu entwickeln sowie in Abb. 06 die Geschäfts- und Risikostrategie einzubetten und zu verankern, in der der Vorstand den Grad der Fristentransformation explizit vorgibt. Hier bieten sich einheitliche Benchmarks für alle zinsrisikorelevanten Portfolien an, die aus einer Gesamtzielstruktur des Zinsbuchs abgeleitet werden. In den Diskussionsbeiträgen zur ökonomischen Zinsbuchsteuerung wird insbesondere auf die aufsichtsrechtliche Notwendigkeit hingewiesen, dass ein Gesamtbild zu den Zinsänderungsrisiken vorliegen muss, dass die Geschäfts- und Risikostrategie in der operativen Umsetzung mithilfe eines quantitativen Limitsystems präzisiert werden muss und dass geeignete ablauforganisatorische Voraussetzungen für die Zinsbuchsteuerung zu schaffen sind. Für signifikante Institute ist es überdies herausfordernd, dass die ökonomische Steuerung häufig dezentral über verschiedene Teilportfolios organisiert ist. Eine effiziente Gesamtbankstrategie ist dann nur schwer umzusetzen. In großen Instituten wird zinstragendes Geschäft zudem in der Regel in diversen Systemen abgebildet. Eine vollständige und zu den vielfältigen Auswertungsmöglichkeiten jeweils konsistente Datenbasis für den Gesamtbank-Cashflow als zentrale Dispositionsgrundlage zu schaffen, ist dadurch ebenfalls sehr aufwändig. Mögliche Kundenbedürfnisse zur Feststellung der Nachhaltigkeit von Einlagen Zahlungsverkehr Sparen/Altersvorsorge Liquiditätsreserve Über die im vorherigen Abschnitt vorgestellte zukunftsorientierte Analyse von Zinsbuchbenchmarks können der Ergebnisbeitrag und das strategische Risiko zur Limitallokation abgeleitet und eine zur Geschäftsstrategie konsistente Zinsrisikostrategie fundiert festgelegt werden. Idealtypisch erfolgt der Zinsrisikostrategieprozess im Zusammenspiel mit der Gesamtallokation aller weiteren wesentlichen Risiken (Adressrisiken, Marktpreisrisiken, operationelle Risiken, …) [vgl. Beck et al. 2012]. Der operative Umsetzungsprozess zur Zinsbuchsteuerung und die Definition einer klaren Strategie können durch explizite Benchmarks aus der barwertigen Steuerung, wie z. B. „gleitend 10 Jahre“, transparenter und einfacher gestaltet werden. Für eine dezentrale Steuerung können die Vorgaben entsprechend angepasst werden, sodass die strategische Positionierung auf Gesamtbankebene sichergestellt wird. Handlungspotenzial 3: Die Abbildung des variablen Geschäfts ist kritisch zu hinterfragen. Hierbei sind insbesondere die Bedürfnisse der Kunden, die Einschätzungen der Marktbereiche und die quantitative Expertise in den Steuerungseinheiten einzubeziehen. Eine zentrale Rolle für die sachgerechte Modellierung des Gesamtbank-Cashflows sind die variabel verzinslichen Positionen der Passivseite, deren Zinsanpassung nicht an Referenzzinsen wie z. B. den Euribor gekoppelt ist. Auch wenn die Einlagen nicht zum Kerngeschäft eines SI-Instituts gehören, ist deren Bedeutung als Refinanzierungsquelle und deren Wirkung auf den Ertrag und die Zinsrisikoposition in der Regel dennoch wesentlich. Die korrekte Abschätzung der nachhaltigen Bodensätze und deren Zinsreagibilität sind somit zentrale Aufgaben sowohl für die Zinsrisikosteuerung als auch für die Konditionsfindung und Deckungsbeitragsrechnung. Hierbei gilt zusätzlich die aufsichtsrechtliche Vorgabe, dass der Gesamtbestand eine Duration von fünf Jahren nicht überschreiten darf (ansonsten ist die Anlage in der Steuerung als Risikoposition anzusehen), die in der Regel zu keinem Engpass führt. Rein historisch basierte Modelle liefern zur Festlegung der Bodensätze und Zinsreagibilität nur unzureichende und häufig

Marktrisiko 13 widersprüchliche Impulse, da aufgrund der sehr lang anhaltenden Niedrigzinssituation die Produktzinshistorie in der Regel nur Zinssenkungen widerspiegelt. Zentrale Aspekte wie die Produktstrategie des Instituts sowie der Vergleich zu Wettbewerbern, insbesondere bei einem zukünftigen Zinsanstieg, werden hierbei nicht berücksichtigt. Hier bieten sich einfache, zukunftsgerichtete Konzepte [vgl. Beck & Bleses 2013; Beck & Fuchs-Buchner 2013] an, um die Stabilität der Einlagen zu verifizieren und ggfs. neu abzuleiten. Verbesserte Ansätze für eine zinsreagible Abbildung der Produkte können aus einer zukunftsorientierten Analyse generiert werden. Kannibalisierungseffekte zwischen Produkten und hiermit verbundene hohe Ausgleichszahlungen sollen vermieden werden. Eine Revision der Produktpalette zur Abdeckung aller wesentlichen Kundenbedürfnisse bietet sich in diesem Kontext an. Fazit Die IRRBB-Guidelines fordern eine gesamtheitliche Betrachtung des Zinsänderungsrisikos aus dem Anlagebuch in der ökonomischen und ertragsorientierten Sicht (normative Perspektive). Im Gegensatz zu den MaRisk werden deutlich konkretere Anforderungen an die Modellierung und Dokumentation zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos gestellt. Bei der gezielten Auseinandersetzung mit den Anforderungen zeigt sich, dass diese in den überwiegenden Fällen deckungsgleich mit den Anforderungen an eine zielführende und widerspruchsfreie Zinsänderungsrisikosteuerung ist. Zentrale Aspekte sind: » Harmonisierung und Weiterentwicklung der Steuerungswelten » Veränderung und Erweiterung des Steuerungsinstrumentariums (Zinsspannenrisiko, differenzierte Auseinandersetzung mit VaR-Zahlen und Einbeziehung der Ertragskomponente) » Klare Festlegung einer effizienten IRRBB- Strategie: Gesamtsicht und nachvollziehbare Operationalisierung der Strategie » Variabel verzinsliches Einlagengeschäft: sachgerechte und zukunftsorientierte Identifizierung der Bodensätze und Zinsreagibilität zur Festlegung der passenden Dispositionsvorschriften für die korrekte Cashflow-Modellierung und Ergebniszuordnung (Konditionsbeitrag) » Harmonisierung der Datenwelten Aufgrund der meist hohen Bedeutung des Zinsbuchs für das Betriebsergebnis der Bank und der aktuellen Zins- und Wettbewerbssituation ist die praxisadäquate Umsetzung der dargestellten Anforderungen nicht nur eine aufsichtsrechtliche Pflicht, sondern eine Notwendigkeit zur optimalen Bewirtschaftung des zukünftigen Zinsergebnisses. Im Vordergrund sollte zunächst die vollständige ökonomische Betrachtung des Zinsbuchs zur Ableitung der Zinsrisikostrategie unter Berücksichtigung der Auswirkung auf die ertragsorientierten Kennziffern stehen. Hierauf basierend können die Steuerungslimite zur Operationalisierung abgeleitet werden, eine widerspruchsfreie und konsistente Begründung der erforderlichen Modellprämissen erfolgen und der Prozess der Zinsbuchsteuerung effektiv und effizient gestaltet werden. Ökonomie und aufsichtsrechtliche Anforderungen stehen sich somit nicht komplementär gegenüber. Vielmehr zeigt sich, dass eine sinnvolle ökonomische Vorgehensweise häufig auch die bestmögliche Begründung für ein aufsichtskonformes Risikomanagement liefert. Als weitere wesentliche Erkenntnis aus der neuen aufsichtlichen Rahmengebung lässt sich festhalten, dass eine deutlich höhere Transparenz in der Zinsrisikosteuerung eingefordert wird. Die Institute sollten im Sinn einer qualitativ hochwertigen Steuerung explizite Strategien definieren, die dynamische Mehrjahressichten und nachvollziehbare Szenarien im Sinn einer ausgewogenen Analyse beinhalten, und den Vorstand in diesen Entscheidungsprozess angemessen einbeziehen. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass der aufsichtliche Prozess zur Zinsbuchsteuerung mit den aktuell formulierten Guidelines noch nicht abgeschlossen ist. Die Berücksichtigung von weiteren Bewertungseffekten im Anlagebuch (wie Credit-Spread-Risiken im Anlagebuch), von erwarteten Cashflows (aktuell bei Non-Performing Exposures explizit genannt) oder zukünftig einer dynamischen Sicht auf die Vermögensentwicklung seien hier exemplarisch erwähnt. Es ist somit empfehlenswert, fortlaufend den ökonomischen Nutzen in einer qualitativ verbesserten Zinsbuchsteuerung zu erkennen und in den Vordergrund zu stellen, um nicht nur den ökonomischen, sondern auch den zukünftigen aufsichtlichen Herausforderungen in der Zinsbuchsteuerung bestmöglich begegnen zu können. Quellenverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise: BaFin, Rundschreiben 9/2018 (BA): Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch vom 12. Juni 2018. Andreas Beck, Martin Feix, Ralf Stückler, Becker, Gruber, Wohlert, Fritz: Handbuch MaRisk und Basel III, Neue Anforderungen an das Risikomanagement in der Bankpraxis (2., überarbeitete Auflage) „Risikointegration und Fundierung der Risikostrategie unter Einhaltung der Risikotragfähigkeit“, Knapp Verlag, 2012. Beck, Bleses: „Variable Geschäfte besser abbilden“, Bank Information, 01.2013. Beck, Fuchs-Buchner: „Zukunftsorientiert mischen“, Bank Information, 05.2013. Beck, A., Paeßens, H., Schmitt, B., Sievi C.: „Eine systematische Analyse über Implizite Optionen im Retail Banking“, Betriebswirtschaftliche Blätter 01/2001. BCBS: Interest Rate Risk in the Banking Book, April 2016. CEBS: Technical aspects of the management of interest rate risk arising from Nontrading activities under the supervisory review process: 2006. EBA/GL/2015/08: Guidelines on the management of interest rate risk arising from non-trading book activities, 2015. EBA/GL/2018/02: Guidelines on the management of interest rate risk arising from non-trading book activities, 2018. Feix, Stückler: „Ertragspotenziale impliziter Optionen“, RISIKO MANAGER 04/2008. Jansen, G.: "IRRBB-Strategie – Ein aktives strategisches Zinsbuchsteuerungskonzept", Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 05/2019. Autoren Martin Feix, Partner und Prokurist, ICnova AG Karlsruhe. Dr. Gunnar Jansen, Leiter Marktrisiko/Bewertungsmethoden, NORD/LB, Norddeutsche Landesbank Girozentrale. Die in diesem Artikel geäußerten Auffassungen und Einschätzungen sind die des Verfassers und müssen nicht notwendigerweise mit denen der NORD/LB übereinstimmen.

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