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RISIKO MANAGER 05.2017

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8 RISIKO MANAGER 05|2017 on einer Bank ausmacht, bedeutet dies: Zur Erhaltung des Nettozinsertrags müsste die Laufzeitdifferenz, wie in Abb. 03 zu sehen, drastisch erhöht werden. Dies ist kein unwahrscheinliches Szenario. Viele Kunden mit Termineinlagen würden allmählich auf Einlagen ohne feste Laufzeit umsteigen, und Kreditnehmer würden von mittelfristigen zu längerfristigen Krediten und Hypotheken wechseln. Da es für die Einlagenzinsen eine Untergrenze gibt, läuft dies darauf hinaus, dass entweder die Rendite auf Vermögenswerte der Bank abnimmt, während die Finanzierungskosten weitgehend gleichbleiben; oder es entsteht ein erhebliches Laufzeitenungleichgewicht in der Bilanz, das langfristige strukturelle Auswirkungen haben kann. In der Schweiz waren die meisten Banken in der Lage, über Hypotheken einen Ausgleich zu erreichen, wobei viele Banken dort und anderswo dennoch einen Rückgang der Bruttozinseinnahmen hinnehmen müssen. Strategien für den Umgang mit dem aktuellen Zinsumfeld Die Möglichkeiten für einen Ausgleich auf der Aktiv-Seite sind begrenzt. Vielen Banken ist es gelungen, einen Ausgleich durch Hypotheken zu erreichen (wenn auch zum Teil durch die Übertragung von Absicherungskosten). Jedoch sind die Zinsen für Hypothekenkredite sehr wettbewerbsintensiv, und üppige Margen würden neue Kreditgeber auf den Markt locken. Derzeit werden in bestimmten Segmenten schrittweise negative Zinsen für Kundeneinlagen eingeführt. Unterstellt, das Zinsniveau verharrt in den nächsten Monaten oder gar Jahren, so ist damit zu rechnen, dass eine zweistufige Regelung zur verbreiteten Praxis wird: Kunden bis einer bestimmten Grenze werden von negativen Einlagenzinsen befreit, oberhalb eines Schwellenwerts werden negative Zinsen verrechnet; alternativ könnte es eine Regelung mit schrittweise steigenden Gebühren in Abhängigkeit des Einlagevolumens geben. Problematisch ist jedoch das Timing: Die ersten Banken, die negative Zinsen weitergeben, könnten die Verlierer sein. Lediglich bei quasi zeitgleicher Einführung negativer Zinsen auf Kundeneinlagen durch die ganze Branche, wäre ein Bankwechsel aus Sicht des Einlegers nur bedingt eine Alternative. Die Bargeldhortung bleibt jedoch für private Einleger eine Option. Entsprechend erscheint im Umgang mit der Anpassung des Kundenzinses wichtig, dass die Bank die eigene Bilanzstruktur analysiert und aktiv ausrichtet, das Kundenverhalten erörtert und in Szenarioanalysen evaluiert, um Zinsanpassungen bei Produkten möglicherweise in den negativen Bereich zu antizipieren. Darüber hinaus muss sie sich aber mit weiteren strategischen Alternativen beschäftigen. Viele Banken in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern hängen stark vom Nettozinsertrag ab, und bei Einlagenzinsen, die nicht weit unter null sinken können, werden die Auswirkungen davon spürbar sein. Einige Banken werden andere Wege für einen Ausgleich finden oder ihre Finanzierungsstrategien grundlegend überdenken müssen. Eine Option könnte sein, alternative Anlageprodukte mit Merkmalen ähnlich wie bei Einlagen ohne feste Laufzeit zu entwickeln und einen Teil der Einlagen in Lösungen im Private-Banking-Stil zu verlagern. Einlagenkunden können hier jederzeit Geld einzahlen oder abheben (möglicherweise bis zu einer festen Grenze), müssten aber darüber informiert sein, dass diese Anlageprodukte ein gewisses Risiko aufweisen. Dadurch könnte die Überleitung mancher Kunden von traditionellen einlagenbasierten Produkten gelingen, was höhere Provisionseinnahmen bedeuten würde. Wenn sich mit der Zeit zeigt, dass Banken bei den Zinsen einen volumenabhängigen Ansatz wählen, dürfte das Ergebnis Abb. 03 Veränderung von Zinskurve und Laufzeitdifferenz Zinskurve und Veränderung der Duration Vor Zinsreduktion Nach Zinsreduktion Aktiva Passiva Aktiva Passiva Passiva Aktiva Vorheriger Zinsüberschuss alt Festgelder Festgelder Zinssatz Passiva ~ 1,1 Jahre Aktiva Neuer Zinsüberschuss neu Hypothekarkredite Bodensatzprodukte Hypothen Bodensatzprodukte 0 ~ 2,5 Jahre Anleihen Equity Anleihen Eigenkapital Laufzeit ~ 4,0 Jahre ~ 2,9 Jahre ~ 5,7 Jahre ~ 3,2 Jahre

OpRisk 9 Tab. 03 Strategien Potenzielle Vorteile Potenzielle Risiken Überlegungen Berechnung negativer Zinsen auf Kundeneinlagen Einnahmen aus neuen oder bestehenden Gebühren erhöhen Erhöhung des Hypothekenvolumens Erhöhung der Hypothekenmargen Investieren in Instrumente mit höheren Credit Spreads Förderung von neuen oder alternativen Sparprodukten Verstärkte Finanzierung über Pfandbriefe Bargeld in Tresoren lagern Strategien zur Vorbereitung von Banken auf langfristig negative Zinsen ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ Teil der Last wird auf Kunden übertragen Erhöht den Nettozinsertrag Einlagen mit unterer Zinsgrenze werden auf andere Weise belastet Kunden bezahlen für Dienstleistungen, die ansonsten kostenlos wären Erhöht absoluten Zinsertrag und erlaubt Einlagensubventionierung Erhöht Zinsertrag und erlaubt Einlagensubventionierung Höhere Renditen als Alternative zu Zentralbankeinlagen Könnte manche Kunden von traditionellen Einlagen überleiten Könnte höhere Provisionseinnahmen bringen Weniger Abhängigkeit und damit unabhängigere Zinsanpassung bezügl. einlagenbasierter Finanzierung Diversifikation der Finanzierungsquellen verhindert die Berechnung von Negativzinsen ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ Könnte Risiko eines Banken-Runs deutlich erhöhen Manche Kunden könnten die Bank verlassen, was ebenfalls Liquiditätsauswirkungen haben würde Auswirkungen auf die Zinsrisikosteuerung Kunden könnten zu Wettbewerber wechseln Könnte das Kreditiriko erhöhen und zu höherer Volatilität führen Könnte Auswirkungen auf Kapitalanforderungen haben Infrastruktur, sofern noch nicht am Markt tätig Zentralbank könnte Beschränkungen einführen Hohe logistische Kosten 1 Das Risiko könnte reduziert werden, indem Einlagen bis zu einer bestimmten Höhe unbelastet bleiben. ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ ÿÿ Bestimmung des Gleichgewichtszinses möglicherweise schwierig Früh handelnde Banken werden stärker belastet Gebühren zur Erhöhung der Bargeldkosten würden die physische Untergrenze senken Wettbewerbsfähigkeit am Markt Wettbewerbsfähigkeit am Markt Nicht zwingend ein guter Ersatz für risikofreie Einlagen Ein Umfeld negativer Zinsen bietet nicht unbedingt gute Aussichten für alternative Renditen Größe des Kapitalmarkts könnte als Begrenzung wirken Anwendungsmöglichkeit hängt von Struktur der Bankbilanz ab In Ländern mit viel Kundeneinlagen nicht unbedingt durchsetzbar Kosten und Vorteile der Lagerung betreffen Banken gleichermaßen sein, dass Kunden ihre Einlagen auf mehrere Banken verteilen, um ihre Kosten zu minimieren. Von Vorteil wäre dies in Ländern, wo die Einlagensicherung nur bis zu einer bestimmten Summe gilt, da der geschützte Anteil der Einlagen bei der Liquiditätsberichterstattung von höherem Wert ist (so werden für versicherte Einlagen üblicherweise deutlich geringere Abschläge und Abflussraten angesetzt). Zudem würde es die Gefahr eines Banken-Runs verringern. Außerdem könnte darin eine Chance für Banken liegen, die ihre Einlagenquote senken wollen, um ihre Abhängigkeit von einlagenbasierter Finanzierung zugunsten einer stärker kapitalmarktbasierten Finanzierung zu verringern. Eine marktbasierte Finanzierungsalternative und damit mehr Spielraum für die Zinsanpassung bei Einlagen wäre beispielsweise, Hypotheken mit der Emission von Pfandbriefen bzw. besicherten Anleihen zu finanzieren. Die einzige Beschränkung dieses Konzepts ist, dass der Kapitalmarkt in Ländern wie der Schweiz zu klein sein könnte, um die Emission hypothekenbasierter Anleihen im großen Umfang aufzunehmen. Eine weitere Möglichkeit, einen Rückgang des Nettozinsertrags zumindest teilweise durch Einlagensubventionierung auszugleichen, besteht darin, andere Gebühren zu erheben oder schlicht bestehende zu erhöhen. Dies ließe sich beispielsweise durch eine Zusammenlegung von Einlagenprodukten mit anderen kostenpflichtigen Produkten erreichen, die den Wert erhöhen. Neue Maßnahmen könnten auch Gebühren auf ansonsten „kostenlose“ Dienstleistungen wie gedruckte Kontoauszüge und Überweisungen etc. umfassen. In Japan ist es üblich, eine Gebühr für die Nutzung von Geldautomaten zu verlangen, was die Kosten von Bargeld erhöht. Tab. 03 gibt einen Überblick über mögliche Optionen, den Ertragsreduktionen aufgrund negativer Geld- und Kapitalmarktzinsen entgegenzuwirken. Quellenverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise: Bech, M./Malkhozov, A. [2016]: How have central banks implemented negative policy rates?, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 2016. Cæuré, B. [2016]: Assessing the Implications of Negative Interest Rates’, Rede auf dem Yale Financial Crisis Forum, Yale School of Management, New Haven, 28. Juli 2016. Inaba, K./Rawdanowicz, L. [2016]: Central Bank Negative Deposit Rates and the Banking Sector’, verfügbar unter: www.oecdecoscope.wordpress.com, OECD Ecoscope Jobst, A./Lin, H. [2016]: Negative Interest Rate Policy (NIRP): Implications for Monetary Transmission and Bank Profitability in the Euro Area’, IWF-Arbeitspapier Nr. 16/172. Sveriges Riksbank [2016]: How do low and negative interest rates affect banks’ profitability?, Monetary Policy Report, April 2016, S. 20-23. SwissBanking [2016]: 2016 Banking Barometer: Economic Trends in the Swiss Banking Industry, Schweizerische Bankiervereinigung 2016. Autoren: David Aakervik, Senior Consultant bei der FINYON Consulting AG, berät Banken in Treasury-Themen. Sebastian Bodemer, Partner und Gründer von FINYON, berät Banken unter anderem in Modellierungsfragestellungen des Asset-Liability-Managements.

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