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RISIKO MANAGER 05.2017

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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6 RISIKO MANAGER 05|2017 Grenze bei ihrer Bank zu bleiben: entweder aus Unwissenheit oder aus Mangel an Initiative. Wahrscheinlich aber ist, dass ihr Unterschreiten große Auswirkungen auf die Höhe der Einlagen zulasten der Bank hätte, was wiederum weitere Folgen haben dürfte. Große Summen in bar zu halten, bringt jedoch ebenfalls Kosten mit sich, und die Opportunitätskosten der Bargeldhaltung werden üblicherweise als die „physische Untergrenze“ bezeichnet. Allgemein gilt: Je größer das Volumen, desto höher die Kosten. Wenn es keine besseren Alternativen gibt, würden die Kosten für sicheren Transport und Lagerung, Versicherungsprämien, Alarmsysteme und ähnliches die Untergrenze bei den Zinsen also unter null drücken. Dies bedeutet, dass die untere Zinsgrenze auf gewisse Weise proportional zum Einlagenvolumen ausfällt. Ein fairer Vorschlag dazu dürfte sein, dass sich auch die Höhe der negativen Einlagenzinsen daran orientieren sollte. Trotzdem lohnt es sich, im Hinterkopf zu behalten: Wenn negative Zinsen über längere Zeit anhalten, könnte sich die Untergrenze leicht erhöhen, weil innovative und kostengünstige Lösungen entwickelt werden ( Abb. 01). Tab. 02 November 2014 Dezember 2014 September 2015 Januar 2016 September 2016 Oktober 2016 November 2016 Februar 2016 Zusätzlich Einführung von Negativzinsen durch Banken auf Einlagen Deutsche Skatbank (eine Online-Bank) führt negative Einlagenzinsen (-0,25%) auf alle Einlagen über 500.000 EUR ein. Die Regelung gilt jedoch nur bei Konten mit mehr als 3 Mio. €. Commerzbank führt bei Girokonten negative Einlagenzinsen für manche großen Firmen- und institutionellen Kunden ab einer vereinbarten Schwelle ein. Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee führt negative Einlagenzinsen (-0,4%) auf alle Einlagen über 100.000 € ein. Alternative Bank Schweiz (ABS) führt negative Einlagenzinsen (-0,125%) auf allen Transaktionskonten ein. Royal Bank of Scotland führt negative Einlagenzinsen für manche Banken und Pensionsfonds mit Sicherheitenkonten in Pfund Sterling und Euro ein. Bank of Ireland führt negative Einlagenzinsen (-0,1%) für Einlagen oberhalb von 10 Mio. € für bestimmte Großunternehmen und Finanzinstitute ein. Postbank (eine Tochter der Deutschen Bank) führt eine Gebühr von 3,90 € pro Monat bei Konten mit monatlichem Geldeingang von weniger als 3.000 € ein, was die Mehrzahl der Kunden betrifft. PostFinance führt negative Einlagenzinsen (-0,1%) für alle Einlagen oberhalb von 1 Mio. CHF ein. Die meisten Retail- und Firmenkunden sind davon nicht betroffen. Von anderen Banken heißt es, sie würden manchen wohlhabenderen Kunden negative Einlagenzinsen berechnen, jedoch sind Ausmaß und Umfang nicht bekannt. Kundenverhalten: Institutionelle Kunden vs. Privatkunden Eine einfache Schlussfolgerung wäre, dass große institutionelle Kunden und Firmenkunden negative Einlagenzinsen eher tolerieren als durchschnittliche Retailkunden, Abb. 01 Zinssatz 0 Nachfragekurven von Einlagen Retail Kundeneinlagen Einlagen von Großkunden Opportunitätskosten Einlagevolumen weil ihr Gleichgewichtszins etwas weiter unter null liegt. Zudem dürften Einlagen darüber hinaus eine gewisse Trägheit aufweisen, die auf die Schwierigkeiten zurückzuführen ist, Einlagen durch alternative Kapitalmarktinstrumente zu ersetzen. Man könnte argumentieren, dies passe zu der Geldmarkt Art und Weise, wie Banken bislang mit negativen Zinsen umgehen. Jedoch gibt es hier einige interessante Beobachtungen: Als zum Beispiel eine kleine Raiffeisenbank in Bayern negative Zinsen von -0,4 Prozent auf Einlagen ab 100.000 € einführte, wechselte ungefähr die Hälfte der 140 betroffenen Kunden die Bank oder schichtete von Bargeld in andere Vermögenswerte um. Andere Banken könnten ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch in der Schweiz wird seit dem Beginn der Negativzinspolitik von einer Zunahme des Verkaufs von Versicherungslösungen zur Bargeldunterbringung berichtet. Die deutsche Versicherung Munich Re soll erfolgreich eine hohe Summe Bargeld in Tresoren gelagert haben, und die Commerzbank hat offen über einen ähnlichen Schritt nachgedacht. Auch Banken in anderen Ländern könnten Auswirkungen durch solche Schritte erlebt haben. Nach der Einführung von negativen Einlagenzinsen durch die Bank of Japan im Januar 2016 stieg der

OpRisk 7 Abb. 02 Long- und Shortstruktur der Nettoeinlagen Einlagenüberhang Hypothekarkreditüberhang Einlagenüberhang Hypothekarkreditüberhang Aktiva Passiva Aktiva Passiva Hypothekarkredite Einlagen Hypothekarkredite Einlagen Zinssatz Anleihen Besicherte Anleihen 0 Eigenkapital Anleihen Eigenkapital 0 Zinsüberschuss 0 Zinsüberschuss Verkauf von einbruchssicheren Minitresoren sprunghaft an, was allerdings zum Teil durch die japanische Angst vor Inflation zu erklären sein könnte. Die Kosten von Einlagensubventionierung Vor dem Hintergrund der obigen Erklärungen wird es zum Problem, wenn Zentralbanken die Einlagenzinsen stärker senken, als die Banken dies an ihre Kunden weitergeben können. Auch der Geld- und Kapitalmarkt stellt keine Alternative dar. Zum Teil führt dies zu einer wirtschaftlichen Entkoppelung zwischen den für Vermögenswerte erzielbaren und den für Verbindlichkeiten zu bezahlenden Zinsen. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer Subvention der Einlageprodukte durch die Banken, was mittelbis langfristig zur Instabilität des Bankensystems führen kann. Das klassische Geschäftsmodell und die volkswirtschaftliche Aufgabe der Bank – die Transformation – würde hinterfragt werden. Bilanzstruktur kann das Problem negativer Geld- und Kapitalmarktzinsen beschleunigen Allgemein ist bekannt, dass Zinskorrekturen (nach unten) bei Einlagen schneller erfolgen als bei Hypotheken. Trotzdem zögern die Banken damit, Negativzinsen auf Einlagen ohne feste Laufzeit, sogenannte Bodensatzprodukte, zu berechnen. Von deutschen Banken heißt es, sie würden rund 70 Prozent ihrer Gewinne mit der Transformation von kürzerlaufenden Einlagen in längerfristige Kredite erzielen. In einer Situation mit niedrigen oder gar negativen Zinsen laufen insbesondere Banken mit einem Einlageüberschuss (volumenmäßig mehr Einlagen als Hypotheken) Gefahr, die Nettozinsertragsmarge massiv zu reduzieren oder gar einen negativen Zinsüberschuss zu erzielen. Die Schweizer Bank PostFinance ist ein Beispiel dafür – wenn auch aus rechtlichen Gründen: Sie darf gemäß Statuten keine eigenen Hypothekarkredite verkaufen. Die Bank hat eine nicht risikobereinigte Einlagenquote von rund 94 Prozent ihrer gesamten Verbindlichkeiten, und der Nettozinsertrag macht etwa die Hälfte ihres Gesamtertrags aus. Ohne Hypotheken als Anlagemöglichkeit auf der Aktiv-Seite kommt die Bank in ein Zinsmargenproblem: Die Finanzierungskosten weisen eine Zinsuntergrenze von null Prozent auf, während die Anlagemöglichkeiten vielfach negative Renditen aufweisen. Im Extremfall kann dies mittelfristig und in Abhängigkeit der historischen Replikation der Einlagen zu einem Netto-Zinsaufwand führen. Die Weitergabe negativer Zinsen an Einleger oder ein Ausgleich durch Erhöhung von Gebühren erscheint mittelfristig unausweichlich sollte das Negativzinsumfeld verharren. Erste Schritte wurden bereits vollzogen. Die PostFinance ist lediglich ein Beispiel, bei dem das Geschäftsmodell und die daraus entstandene Bilanzstruktur zu Problemen führen kann. Unterschiedliche Online-Banken oder Banken mit Fokus auf das Private Banking weisen ähnliche Bilanzstrukturen auf wie die PostFinance ( Abb. 02). In einem anderem Fall, in dem eine Bank einen Hypothekenüberschuss ausweist (Hypotheken einer Bank überwiegen einlagenbasierte Finanzierungen), hat sie deutlich mehr Manövrierspielraum auf der Aktiv-Seite, um einen Nettozinsertrag aufrechtzuerhalten. Dabei verbleibt selbstverständlich ein negativer Konditionsbeitrag durch Kundeneinlagen, das heißt das Einlagengeschäft weist eine negative Marge auf. Insgesamt sinkt der Zinsüberschuss, bleibt jedoch positiv. Ein weiterer Effekt der Interventionen der Zentralbanken kann die Situation der Banken verschärfen: Wenn die Zentralbank ein umfangreiches Programm zum Kauf von Vermögenswerten betreibt (wie es in Europa und anderswo der Fall war beziehungsweise ist), wird dieser Effekt noch verstärkt. Weil die Fristentransformation den Kern der wirtschaftlichen Funkti-

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