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RISIKO MANAGER 05.2017

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26 firm Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung INTERVIEW Mehr Speed – weniger Risiko Interview mit Benedikt Böhm, Ski-/Speed-Bergsteiger und Geschäftsführer von Dynafit. sind ein immenses Trainingspensum und Disziplin, aber auch Kreativität, neue Techniken und Mut neu zu denken und zu handeln. Wir sprachen mit Benedikt Böhm über die Parallelen im Umgang mit Risiken im Extremsport und im Unternehmen. Denn in seinem zweiten Leben ist Benedikt Böhm Geschäftsführer von Dynafit, dem führenden Ausrüster für den Skitourenbereich. Ausgehend von dem innovativen TLT-Bindungssystem für Tourenski bietet Dynafit heute ein Vollsortiment für Skitouren und Trail Running an. Wie das Logo des Schneeleoparden signalisiert, setzt Dynafit auf Speed. FIRM-Redaktion: Lieber Bene, was ist für Dich Risiko? Benedikt Böhm: Risiko bedeutet für mich, dass sich nicht alle Komponenten eines Unternehmens hundertprozentig kontrollieren und bestimmen lassen. Das Risiko schätzen wir nach dem Umfang des Kontrollverlusts ein. Risiken bewältigen, Entscheidungen treffen, Führungsrollen übernehmen, im Team kooperieren, Ziele setzen, durchhalten und vielleicht auch mal der Mut zur Umkehr sind Situationen, die sich im Geschäftsleben in gleicher Weise finden wie bei der Besteigung eines Achttausenders. In Rekordzeit steigt Benedikt Böhm auf die höchsten Gipfel der Welt, um sie dann mit maximaler Geschwindigkeit auf Skiern wieder zu verlassen. Sein Ziel dabei ist ein möglichst kurzer Aufenthalt in der Todeszone, um so das Risiko zu reduzieren. Hierbei verzichtet er auf Rückzugsmöglichkeiten, künstlichen Sauerstoff, Gewicht sowie umfangreichen Proviant. Und trotzdem ist Benedikt Böhm – nach eigenen Aussagen – kein lebensmüder Risikosportler. Denn so eine Expedition erfordert absolute Präzession und Vorbereitung bis in die Haarspitze. Damit verbunden FIRM-Redaktion: Du weist immer wieder darauf hin, dass Speed auch im heutigen Wirtschaftsleben ein Überlebensfaktor ist. Wie kann Speed das Risiko eines Unternehmens mindern? Benedikt Böhm: Geschwindigkeit spielt auch in der Wirtschaft eine wesentliche Rolle, um sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten. Wir sind in einer ständigen Todeszone von Wettbewerbsdruck. Ein Jahr geschlafen, und es kann auch hier schon der Absturz folgen. Gerade für uns als sehr innovatives Unternehmen ist Geschwindigkeit der Schlüssel, um weiterhin an der Spitze zu bleiben. Geschwindigkeit impliziert aber nicht wildes und hektisches Draufloslaufen, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Analog zum Bergsteigen ist 80 Prozent des Erfolgs die Vorbereitung. Gerade wenn ich ins Risiko gehe und dazu auch noch schnell sein will, spielt die Planung die entscheidende Rolle. FIRM-Redaktion: Die mittlere Lebenserwartung von Unternehmen liegt laut unabhängiger Studien in der nördlichen Hemisphäre deutlich unter 20 Jahren. Der Grund: Man sitzt auf einem lahmen Gaul und hatte völlig vergessen, abzusteigen und das Pferd zu wechseln. Warum verharren Unternehmen zu lange in der Gefahrenzone? Was kann man hier von einem Ski-/Speed-Bergsteiger und einem erfolgreichen Geschäftsführer lernen? Benedikt Böhm: Ich weiß nicht, ob man von mir lernen kann. Aber ich denke, wir haben als Bergsteiger und Unternehmer die Aufgabe immer wieder unsere Ängste zu überwinden. Das sehe ich als wesentliche Aufgabe in meinem Leben – übrigens hat dies bereits in meiner Kindheit

27 Ausgabe 05/2017 angefangen, da ich von allen sechs Geschwistern das ängstlichste Kind war. Das heißt nicht, dass man sich jeder Angst stellen muss, aber jeder von uns hat Stärken und Bereiche, in denen er gut ist. Ich beobachte, dass viele Menschen träge werden, sobald sie ein bestimmtes Niveau im Rahmen ihrer Stärken erreicht haben. Anstatt Gefahrenzone könnte man auch sagen, dass Unternehmen zu lange in der Komfortzone verharren. Als Unternehmer sind wir dazu verpflichtet, die Fähigkeit zu haben, uns selbst zu stimulieren und neu zu erfinden. Die Fähigkeit zu haben, von einem weißen Blatt Papier zu denken und uns immer wieder aus der Komfortzone zu pushen, um auch im Unternehmen kein Fett anzusetzen. Und in dem Moment, wo wir uns aus der Komfortzone bewegen, müssen wir eben auch Ängste überwinden, da wir mit Unbekannten (Risiken) konfrontiert werden. Dies eröffnet aber ganz neue Möglichkeiten. Ich habe nur ganz selten Menschen getroffen die rückblickend bereut hatten, die Komfortzone zu verlassen – egal ob sportlich oder beruflich. FIRM-Redaktion: Wie muss man sich das Risiko- und Chancenmanagement bei Dynafit beziehungsweise Salewa vorstellen? Inwieweit spielt neben Intuition auch ein analytisches und strukturiertes Vorgehen eine Rolle? Benedikt Böhm: Intuition ist wichtig und ich habe den großen Vorteil mit Menschen zusammenarbeiten zu dürfen, die „ihre“ Marke und Produkte nicht nur lieben, sondern diese auch jede freie Sekunde leidenschaftlich nutzen. Das heißt, hier sind Menschen, die sich ständig Gedanken machen, wie man den Sport noch schneller, leichter und besser machen kann. In der Anfangszeit haben wir tatsächlich einfach losgelegt. Die Investitionen waren geringer, und es gab selten einen Businessplan. Man hatte aus dem Sport heraus eine Idee und setzte diese einfach um. Ich stellte früh einen Freund ein, der mit mir einige Jahre in der Skitourennationalmannschaft war und sämtliches Material sehr gewitzt und gekonnt akribisch frisierte. Heute ist er Product Director und überblickt alle Produktbereiche. Allerdings sind die Tage der superschnellen Innovationen vorbei. Skitourengehen steckte vor 13 Jahren in den Kinderschuhen, und wir konnten revolutionäre Ideen aus dem Rennlauf relativ einfach für den kommerziellen Gebrauch umsetzen, und die Menschen waren geschockt, aber vor allem begeistert. So stellt Dynafit heute beispielsweise den leichtesten Skischuh der Welt mit nur 400 Gramm her. Heute ist es aufwendiger geworden, Gewicht zu sparen und so wird inzwischen sehr genau geplant und analysiert. Schnell sind wir aber trotzdem noch, wenn wir von der Idee überzeugt sind. FIRM-Redaktion: Risiko wird von vielen Unternehmen als Synonym für Fehler angesehen. Dabei wird übersehen, dass man aus Fehlern lernen kann. Kannst Du uns Beispiele aus Deinem beruflichen und sportlichen Leben nennen, wo Du darauf verzichtet hast, den Gipfel zu erreichen? Benedikt Böhm: Wenn man neue Wege geht und die Komfortzone verlässt, muss man Fehler einkalkulieren. Alles andere wäre naiv. Ich habe sehr viele Fehler gemacht und mache immer noch viele. Es geht darum, ob man gewillt und fähig ist, sich kritisch mit sich und seinen Fehlern auseinanderzusetzen, um aus den Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen. Meine ersten Höhenerfahrungen außerhalb der Alpen – in Peru – waren eine einzige Katastrophe. Wir machten alles falsch, was man falsch machen kann und litten fürchterlich. Ich schwor mir, so etwas nie wieder zu machen. Ein Jahr später stand ich im Rahmen meiner ersten Höhen-Speed-Begehung innerhalb von nur neun Stunden auf meinem ersten 7.000er. Noch ein Jahr später in 12,5 Stunden auf meinem ersten 8.000er. Ich hätte das niemals in den Jahren danach erfolgreich umsetzen können, wenn ich nicht die negativen Erfahrungen in Peru gemacht und daraus gelernt hätte. Und so gibt es auch geschäftlich viele Beispiele, wo wir kläglich gescheitert sind, um es später richtig zu machen oder uns aus dem Bereich zurückzuziehen. FIRM-Redaktion: Was glaubst Du, warum von Unternehmen die „zweite Chance“ vergessen wird, nämlich das Lernen aus der Krise? Benedikt Böhm: Ist das so? Ich denke Krisen gehören zu jeder anständigen Unternehmensgeschichte. Warum ist die Krise gut? Weil sie uns aus der Komfortzone zwingt. Jede Krise zwingt uns, den Status quo zu überprüfen und jeden Stein umzudrehen, um wieder aus der Krise zu kommen. Besser ist es selbstverständlich, wenn man die Krise kommen sieht und sich entsprechend vorbereiten kann. Wir hatten die letzten drei Jahre eine Krise: Den ersten Schnee erst spät nach Weihnachten, und diese kurzen Winter haben dann nur fünf Wochen gedauert. Letztlich haben uns auch die unberechenbaren Winter dazu getrieben, uns zu verändern und umzudenken. Nämlich Dynafit 365 Tage im Jahr zu etablieren, anstatt unser Geschäftsmodell nur von der weißen Pracht abhängig zu machen und zu jammern, dass kein Schnee da ist. Dies hat uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Und das Dynafit-Alpine Running-Programm ist heute der Wachstumsmotor. FIRM-Redaktion: Welche Rolle spielen Angst und Überlebenswille als Teil eines Risikomanagements? Benedikt Böhm: Angst ist wichtig, da ich ohne Angst als Bergsteiger tot und als Unternehmer schnell pleite wäre. Aber ich spreche von den Ängsten, die wir eigentlich überwinden sollten, um unserer Verantwortung uns selbst gegenüber gerecht zu werden. Ich denke beispielsweise daran, wie jemand einen Karrieresprung nicht wagt, obwohl er/sie es vielleicht besser könnte als jemand anders. Es geht um die Überwindung der Ängste, darum unsere Potenziale auszuschöpfen. Wenn ich auf einen 8.000er gehe, mache ich dies auch, weil ich weiß, dass ich es theoretisch und praktisch kann und ich mich meinen Potenzialen (für die ich hart gearbeitet habe) stellen will oder eben auch nicht. Risiko, Angst, Mut und Vertrauen stehen im permanenten Austausch, um letztlich Ängste zu überwinden oder eben nicht.

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