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RISIKO MANAGER 03.2019

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22 RISIKO MANAGER 03|2019 Bestand sowie den NSFR-Faktoren der stochastischen Positionen abhängt. Für eine NSFR-konforme Gleichgewichtsposition muss somit formell zusätzlich folgende Bedingung erfüllt sein: Gleichung 06 Hierbei ist υ k bzw. b k die k-te stochastische Verbrauchs- bzw. Bereitstellungsposition, z. B. Einlagen, und ω k die Quote des gleichgewichtigen Bestandsvolumens, das gemäß Ablauffiktion mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr modelliert wird. Das Bestandsvolumen stochastischer Positionen ist bekannt und bleibt über den Zeitverlauf stabil. Zudem wird der Anteil, der auf Laufzeiten von mehr als einem Jahr entfällt, bankintern festgelegt. Angenommen, ein Institut verfüge über Einlagen i. H. v. 1.000 Mio. EUR mit einem ASF-Faktor von 50 Prozent, die in der Liquiditätsablaufbilanz rollierend über fünf Jahre modelliert würden (ω k = 80 Prozent). Darüber hinaus besäße die Bank nur deterministische Positionen. Nach der NSFR würden 500 Mio. EUR als stabile, langfristige Refinanzierung anerkannt. In der Gleichgewichtsposition hingegen würden 800 Mio. EUR der Einlagen mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr modelliert. Demzufolge wäre das gleichgewichtige Jahres-Gap gemäß Gleichung 6 auf mindestens +300 Mio. EUR zu begrenzen. Um die Anwendung des Gleichgewichtsmodells zu veranschaulichen, wird das NSFR-Beispiel um zusätzliche Positionen erweitert. Dabei sollen das optimale Refinanzierungsvolumen sowie die optimale Refinanzierungsstruktur mithilfe des Modells geplant werden. Die Tab. 01 zeigt die Ausgangslage der Beispielbank. In dieser können zuerst das gleichgewichtige Kreditgeschäft K* i , die gleichgewichtigen Einlagen E* i sowie – in allgemeiner Form – das gleichgewichtige Funding F* i bestimmt werden. Für das vorläufig unbekannte Funding gilt unter Zuhilfenahme der Gleichungen 4 und 5: F* 1 = f 1 = - f 2 - 2∙f 3 - 3∙f 4 - 4∙ f 5 F* 2 = f 2 + f 3 + f 4 + f 5 F* 3 = f 3 + f 4 + f 5 F* 4 = f 4 + f 5 F* 5 = f 5 Mithilfe von p i als laufzeitspezifischem Liquiditätsspread lässt sich das Optimierungsproblem formell wie folgt darstellen: max Die erfolgsmaximale Funding-Struktur wird durch das Risikokapital, das Volumenstrukturlimit sowie die NSFR-Anforderungen begrenzt. Da die NSFR im Beispiel eine Untergrenze für das Jahres-Gap von + 300 Mio. EUR fordert, ist sie deutlich restriktiver als das interne Volumenstrukturlimit von - 1.000 Mio. EUR. Die Nebenbedingung für die Geldmarktposition ergibt sich bei Beachtung von Tab. 02 folglich zu L* 1 = K* 1 + E* 1 + F* 1 = - 13.200 - f 2 -2∙ f 3 - 3 ∙ f 4 - 4 ∙ f 5 ≥ 300 Das allozierte Risikokapital i. H. v. 200 Mio. EUR limitiert den Barwertverlust, der sich aus einer Verschlechterung der Liquiditätsspreads ergeben kann. Vereinfachend soll der LVaR auf Basis einer Verdreifachung der Spreads berechnet werden. In diesem Fall gilt: Darin steht s i für den Liquiditätsspread und r für den Kalkulationszinssatz, der für das Beispiel laufzeitunabhängig bei einem Prozent liegen soll. Tab. 02 zeigt eine Lösung für das zu planende Funding. Diese wurde iterativ auf Basis aller möglichen Volumen-Laufzeit-Kombinationen mit einer Schrittweite von 250 Mio. EUR sowie einem maximalen überjährigen Funding-Volumen von 7.000 Mio. EUR unter Beachtung der genannten Nebenbedingungen ermittelt. Mit ihr geht ein Strukturbeitrag i. H. v. 5 Mio. EUR einher. Das LVaR-Limit wurde nur zu ca. 39 Prozent ausgelastet. Grund dafür sind die äußerst strengen NSFR-Vorgaben. Diese zwingen das Institut dazu, ein vergleichsweise hohes Funding-Volumen einzuwerben, das zu einem unrentablen Geldmarktüberschuss von 550 Mio. EUR führt. Im Gleichgewicht erzielt das Institut eine NSFR i. H. v. 1,02 und liegt damit knapp über der Mindestanforderung. Bei Verzicht auf die aufsichtsrechtliche Restriktion könnte ein Strukturbeitrag von 11 Mio. EUR bei einer Geldmarktposition von -950 Mio EUR sowie einer Auslastung des LVaR-Limits von 63 Prozent erzielt werden ( Tab. 03). Die NSFR läge in diesem Fall bei 0,91 und würde damit die aufsichtsrechtliche Norm nicht erfüllen. Aus rein ökonomischer Perspektive wäre eine größere Geldmarktposition daher rational. Die Abb. 04 stellt beide Gleichgewichtspositionen abschließend grafisch gegenüber. Ermittlung der optimalen Funding- Struktur am Beispiel n 1 1 LVaR =∑L* i ∙ - (1+r+3∙s i )ⁱ (1+r+s i )ⁱ i=1 ≥ - 200

ERM 23 Abb. 01 2.500 2.000 1.500 1.000 Mio. ¤ 500 0 -500 -1.000 -1.500 -2.000 Gleichgewichtspositionen i = 1 i = 2 i = 3 i = 4 i = 5 NSFR = 1,02 NSFR = 0,91 Bisher nicht in die Betrachtung einbezogen wurde die Liquiditätswirkung des Eigenkapitals. Auch dieses wird üblicherweise analog zu den Einlagen als nicht-deterministische Position anhand von Ablauffiktionen in der Liquiditätsablaufbilanz dargestellt. Da das Eigenkapital grundsätzlich bedarfsorientiert modelliert werden kann und keinen behavioristischen Abrufannahmen folgen muss, kann es als Teil des ermittelten Refinanzierungsbedarfs interpretiert werden und reduziert damit den Fremdkapitalbedarf. machen. Dies wird durch das Gleichgewichtsmodell ermöglicht, indem der langfristige Struktureffekt der innerhalb eines Jahres geplanten Geschäftsaktivitäten sowie deren Auswirkungen auf zentrale Performance- Indikatoren simuliert werden können. Im Beispiel wurde gezeigt, dass sich aus dem Modell jährliche Funding-Pläne entwickeln lassen, die konsistente Teilziele darstellen und so eine Rückkopplung auf das übergeordnete Strukturziel ermöglichen. Eventuelle Planabweichungen geben dem Treasury-Manager unmittelbar Impulse für strategiekonforme Gegenmaßnahmen. Zusätzlich kann dieser die Abweichungen zwischen der aktuellen Liquiditäts- und Gleichgewichtsposition überwachen, um seine Steuerungsmaßnahmen immer wieder in den strategischen Kontext einordnen zu können. Das vorgestellte Verfahren unterstellt zeitstabile Neugeschäfte und unterliegt demzufolge einem steten Geschäftsfortführungsgedanken. Zur Ableitung einer strategischen Zielposition, die per se mit großer Unsicherheit behaftet ist, erscheint dies gerechtfertigt. Darüber hinaus lassen sich die zentralen Grundgedanken des Modells beispielsweise auch auf Business Cases übertragen, denen ein temporäres Geschäftswachstum oder ein temporärer Geschäftsabbau zugrunde liegt. Fazit Die Übernahme von Risiken ist elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells von Banken. Im Sinne einer wertorientierten Steuerung ist die Allokation von Risikokapital mit einem adäquaten Erfolgsanspruch verbunden. Dies gilt ebenso für strukturelle Liquiditätsrisiken, auch wenn diese aufgrund ihres Charakters und ihrer tendenziell trägen Steuerbarkeit maßvollen Rendite-Risiko-Überlegungen unterzogen werden müssen. Ein strukturelles Liquiditätsrisikomanagement sollte eine strategische Perspektive einnehmen, da strukturelle Steuerungsmaßnahmen eher langfristig wirken. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, strategische Ziele zu operationalisieren und so konkreten Maßnahmenentscheidungen zugänglich zu Autor Kevin Schmidtko ist Spezialist für das strategische Asset-Liability-Management der Norddeutschen Landesbank, Hannover. Literaturverzeichnis: Basel Committee of Banking Supervision (2014): Basel III: the net stable funding ratio, Oktober 2014. European Banking Authority (2014): Guidelines on harmonised definitions and templates for funding plans of credit institutions under Recommendation A4 of ESRB/2012/2 (EBA/GL/2014/04), Juni 2014. Thomae, H. (2008): Das Risiko exakt bemessen – Berechnung des Liquidity Value at Risk, in: die bank, 12/2008.

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