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RISIKO MANAGER 01.2016

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8 RISIKO MANAGER 01|2016 Interview mit Martin Hellmich „Die Konsolidierung des Bankensektors ist überfällig“ Interview mit dem Frankfurter Finanzmathematiker Prof. Dr. Martin Hellmich über die Auswirkungen der Regulierung auf die Geschäftsmodelle von Banken. RISIKO MANAGER: Herr Professor Hellmich, Banken haben derzeit aufgrund regulatorischer Vorgaben sowie des historischen Niedrigzinsumfelds erkennbare Probleme, ihre Anlageziele zu erreichen. Was bedeutet dies für die Profitabilität und Risikotragfähigkeit der Institute? Hellmich: Für zahlreiche Banken ist das Halten der Liquiditätsreserve gemäß Liquidity Coverage Ratio (LCR) seit 2014 ein Negative Carry Trade, d. h. die Refinanzierungskosten übersteigen die Rendite. Dies reduziert die Fähigkeiten von Banken, Reserven aufzubauen und die Risikotragfähigkeit zu steigern. Aufgrund der multidimensionalen Nebenbedingungen der CRR besteht wenig Freiheitsgrad für Banken, die strategische Asset Allokation in ihren Depot-A-Portfolien anzupassen. Lediglich der über den Erfüllungsgrad von 100 Prozent der LCR hinausgehende Part des Depot A ist frei gestaltbar und in Aktiva mit höheren Renditen investierbar, allerdings kommen hier signifikant höhere Kapitalanforderungen zum Tragen. Zeitgleich ist aufgrund neuer regulatorischer Initiativen die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die künftige Kapitalplanung noch sehr hoch. Im Moment sind keine wesentlichen Umschichtungstendenzen im Depot A der Banken sichtbar. Die Struktur wird durch die zahlreichen Restriktionen weitgehend vorbestimmt. RISIKO MANAGER: Der neue Standardansatz für Kreditrisiken, die fundamentale Überarbeitung des Handelsbuchs und die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch sind regulatorische Initiativen mit einem besonders hohem Aufwand. Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die diversen Geschäftsfelder von Banken und deren Rentabilität? Hellmich: Die fundamentale Überarbeitung des Handelsgeschäfts von Banken hat zahlreiche Konsequenzen und führt dazu, dass Dienstleistungen, die von Handelsbüchern erbracht werden, höheren Eigenkapitalanforderungen unterliegen. Dies betrifft insbesondere Handelsprodukte mit geringer Liquidität, z. B. komplexe Derivate, die auf die Bedürfnisse einzelner Kunden zugeschnitten sind. Die Rolle von internen Modellen verändert sich mehrfach. Einer von mehreren Punkten ist die Einführung eines neuen Standardansatzes, der von Modellbanken parallel gerechnet werden muss und aus dem auch ein Floor für die Eigenkapitalanforderungen abgeleitet werden kann. Tendenziell reduziert sich damit die Reduktion der Eigenkapitalanforderungen, die durch ein internes Modell erreicht werden kann, und damit könnte sich für einige Banken auch die strategische Frage stellen, ob die zusätzlichen Kosten der Nutzung eines solchen Modells überhaupt noch durch genügend Skaleneffekte durch große Marktanteile gerechtfertigt werden kann. Bei der regulatorischen Behandlung von Kreditrisiken rückt das Baseler Kommittee von seinen ursprünglich geplanten Zielen, nämlich der gleichzeitigen Reduktion der Abhängigkeit von externen Ratings und von internen Ratingmodellen, zum Teil wieder ab. Nachdem die meisten Banken ja reine Bankbuch- und keine Handelsbuchinstitute sind, hat in der Regulierung das regulatorische Eigenkapital für Kreditrisiken ein besonderes Gewicht und einen besonderen Einfluss auf künftige Geschäftsmodelle von Banken. Dies mag zu einem Umdenken des BCBS geführt haben, was sich in dem neuesten Papier mit dem Titel „Revisions to the standardized Approach for Credit Risk“ vom Dezember 2015 ausdrückt. RISIKO MANAGER: Führt die Standardisierung der Methoden zu ähnlichen Risikoprofilen und erhöht damit die Gefahr von Systemrisiken? Hellmich: Vermutlich ja. Insgesamt führt die Gleichschaltung der Methoden zur Stärkung des regulatorischen Kapitalkonzepts bei gleichzeitiger Schwächung des ökonomischen Kapitalkonzepts in Banken und in der Tendenz tatsächlich zu ähnlichen Risikoprofilen. Generell werden die Kosten für bestimmte Handelsbuchdienst-

ERM 9 leistungen und Kreditnehmerklassen teurer. Die Gefahr ist, dass dieser Kostenanstieg dann auch nicht mehr von den Banken kompensiert werden kann, die in der Messung und dem Management von den mit diesen Geschäften verbundenen Risiken besonders kompetent sind. Das kann dann auch zu signifikanten Nachteilen für die Realökonomie führen. RISIKO MANAGER: Welche Konsequenzen erwarten Sie für die Kerngeschäftsfelder der Banken und die Struktur des gesamten Bankenmarkts? Hellmich: Für Deutschland und auch Europa gilt, dass zahlreiche Kreditinstitute existieren, die kein hinreichendes Geschäftsmodell haben. Neben Overbanking und Nullzinsumfeld machen die durch Digitalisierung bedingten Änderungen von Informationsflüssen und Distributionskanälen große Teile des klassischen Bankgeschäfts überflüssig. Die Konsolidierung des Bankensektors ist überfällig, um die Anzahl europäischer Banken sowie deren aggregierte Bilanzsumme gesundzuschrumpfen. Europaweite Bankzusammenschlüsse sollten Institute schaffen, die mit chinesischen und US-Konkurrenten auf einer Augenhöhe sind. In der Vergangenheit hat der Bank-Nationalismus in Europa mit Billigung der Aufsichtsbehörden zu einer weiteren Aufblähung der Bankenindustrie geführt und sinnvolle Zusammenschlüsse verhindert. RISIKO MANAGER: Durch die Regulierung sind die Kosten des Geschäftsmodells gestiegen. Kann dies zur Verlagerung von traditionellen Geschäftsfeldern der Banken in andere Marksegmente führen? Hellmich: Es ist sicher richtig, dass diese Tendenz zunimmt und zum Teil ist das ja auch gewünscht. In dem Grünbuch der EU-Kommission zur Kapitalmarktunion wird festgestellt, dass Banken nicht für alle Unternehmen die richtigen Finanzierungspartner sind. RISIKO MANAGER: Damit wären wir im Bereich des Shadow Bankings und der FinTechs, richtig? Hellmich: Ja, das ist korrekt, wobei Shadow Banking ein weiter Begriff ist, weil er generell die Verlagerung von Bankgeschäften in Institute ohne Banklizenz umfasst. Betroffen sind sicherlich innovative und wissensbasierte Wachstumsbranchen, da immaterielle Vermögenswerte nicht als Sicherheiten für Banken zur Kreditvergabe verwendet werden können. Dies spricht für Shadow Banking und zum Teil auch für Lösungen, die aus der FinTech-Welt kommen. In diesem Kontext kann dann Shadow Banking auch innovative und wünschenswerte Ansätze umfassen, etwa dass Banken Teile ihrer Kreditrisiken in Fonds verlagern, die sie in Partnerschaft mit institutionellen Investoren betreiben. RISIKO MANAGER: Aus regulatorischen Gründen ist auch das Modell der Universalbanken unter Druck. Wird es dieses Modell in Zukunft noch geben? Hellmich: Das Universalbanken-Modell steht zum einen unter regulatorischem Druck aufgrund der Tendenz, Investment-Banking-Aktivitäten vom Einlagengeschäft zu trennen sowie der strengeren Anforderungen an große Institute. Gleichzeitig fehlen vielen Banken auch die Eigenkapital-Ressourcen, um in allen Geschäftsfeldern konkurrenzfähig zu sein oder skalierbare Marktanteile zu erreichen. Teile des Geschäfts, u. a. das Privatkunden-Segment, verändern sich durch neue Technologien. Das Investment-Banking ist durch regulatorische Anforderungen, technologische Entwicklungen und rasante Anpassungen in den Markt-Infrastrukturen sehr vielen Veränderungen ausgesetzt. RISIKO MANAGER: Welche Banken haben die Ressourcen, um dieses Modell noch zu leben? Hellmich: Ich sehe sowohl in Europa als auch in den USA noch immer Banken, die die Stärke besitzen, eine Universalbank zu sein. Die Stärke allein wird allerdings nicht der ausschlaggebende Punkt sein, für welches Geschäftsmodell man sich letztendlich entscheidet, sondern die Entwicklung der Profitabilität unterschiedlicher Geschäftsfelder. Die Suche nach strategischen Antworten auf diese fundamentalen Entwicklungen verlangt dann oft ei-

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