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RISIKO MANAGER 01.2016

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RISIKO MANAGER ist das führende Medium für alle Experten des Financial Risk Managements in Banken, Sparkassen und Versicherungen. Mit Themen aus den Bereichen Kreditrisiko, Marktrisiko, OpRisk, ERM und Regulierung vermittelt RISIKO MANAGER seinen Lesern hochkarätige Einschätzungen und umfassendes Wissen für fortschrittliches Risikomanagement.

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10 RISIKO MANAGER 01|2016 nen Management-Fokus, was wiederum die Tendenz zur Spezialisierung fördert. RISIKO MANAGER: Sie haben das Grünbuch der EU-Kommission zur Kapitalmarktunion erwähnt. Darin wird unterstellt, dass die Refinanzierung der Realwirtschaft in der EU immer noch zu stark von den Banken abhängt. Wo ist denn da eigentlich das Problem? Hellmich: Na ja, der politische Wille ist es eben, die Finanzierungsmöglichkeiten mit Hilfe eines integrierten Kapitalmarkts zu diversifizieren. Die EU-Kommission ist der Ansicht, dass die Unternehmensfinanzierung in Europa immer noch viel zu stark von den Banken und zu wenig von den Kapitalmärkten abhängt, was u. a. dazu führt, dass Krisen des Bankensektors sich ungefiltert auf die Refinanzierung der Realwirtschaft auswirken. Deshalb wäre eine Diversifizierung der Refinanzierungsquellen europäischer Unternehmen wünschenswert. Treten nämlich Banken vornehmlich als Endinvestoren in Kreditrisiken auf, dann führt dies zu großen und gehebelten Bankbilanzen und einer großen Konzentration von Risiken im Bankensektor. RISIKO MANAGER: Diese Argumentation ist aber nicht zwingend, oder? Hellmich: Nein, die Lösung des Problems stellt vielmehr das gegenteilige Szenario dar: Weniger Banken mit geringeren Bilanzsummen, dafür aber Diversifikation der Risiken auf viele Investoren mithilfe der Kapitalmärkte. Die Situation im Jahr 2009 hat die Problematik aufgezeigt, als zahlreiche große europäische Unternehmen aufgrund der damaligen Schwäche der Banken Unternehmensanleihen emittiert haben, um traditionelle Bankkredite zu ersetzen. Diese Tendenz, den Kapitalmarkt direkt zu nutzen, wird als European Corporate Funding Disintermediation bezeichnet und bedeutet weiteren Druck auf die Geschäftsmodelle von Banken. RISIKO MANAGER: Die ohnehin bereits vorhandene Tendenz zur Verkleinerung von Bankbilanzen wird sich somit fortsetzen und damit auch den Konsolidierungsdruck erhöhen. Hellmich: Das ist richtig. Andererseits wirken die besonderen regulatorischen Anforderungen an systemrelevante Banken auch hemmend auf europaweite Zusammenschlüsse von Banken. Darüber hinaus sprechen die gegenwärtigen ungünstigen politischen Entwicklungen in der Europäischen Union zumindest mittelfristig für ein Wiederaufleben des Bank-Nationalismus. RISIKO MANAGER: 2016 startet Solvency II. Welche Wechselwirkungen zwischen der Regulierung von Banken und der Regulierung von Versicherungen sind zu erwarten? Dr. Martin Hellmich hat an der Frankfurt School die Karl Friedrich Hagenmüller-Professur für Financial Risk Management inne. Gleichzeitig betreut er als Geschäftsführer der SCDM Germany GmbH zahlreiche Finanzinstitutionen weltweit bei der Bewertung und Analyse komplexer Finanzinstrumente. Darüber hinaus ist er als akademischer Berater in einem Projekt des Eurosystems (Common European Pricing Hub/CEPH) für die quantitativen Methoden zur Bewertung von notenbankfähigen Wertpapieren zuständig. Davor war Hellmich in unterschiedlichen Funktionen bei mehreren Banken tätig, u. a. als Director im Bereich Trading & Sales bei Barclays, als Bereichsleiter für das Kreditportfolio-Management auf dem Bankbuch bei der Dekabank und als Managing Director der ABS-Group bei Cantor Fitzgerald Europe in London. Hellmich: Traditionell haben Versicherungen Banken refinanziert und diesen damit geholfen, ihre Bilanzen aufzublähen. Es wird aufgrund der Kapitalanforderungen unter Solvency II für Versicherungen tendenziell teurer, Anleihen mit geringerer Bonität zu halten, was dann insbesondere Banken mit schlechteren Ratings und Investments in Nachranganleihen betrifft. Versicherungsunternehmen, die eine starke Kapitalbasis besitzen, werden in Zukunft sicher ihre Kapitalanlagestrategien anpassen. Wenn Versicherungen das Volumen der gehaltenen Bankanleihen reduzieren und über geeignete Kapitalmarktprodukte direkt in die bisher von Banken gehaltenen Risiken investieren, dann führt dies zur besseren Diversifikation in ihrer Kapitalanlage. Andererseits sind Banken durch die Net Stable Funding Ratio (NSFR) gezwungen, den Anteil ihrer langfristigen Refinanzierung zu erhöhen. Das geringere Engagement der Assekuranz könnte somit zur Steigerung der Refinanzierungskosten und damit zur weiteren Verkleinerung der Bilanzsummen von Banken führen. RISIKO MANAGER: Hat die Gesamtheit aller regulatorischen Initiativen der letzten Jahre das Ziel erreicht und das Finanzsystem stabiler gemacht? Hellmich: Ja und Nein. Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell können nicht ausreichend Gewinne zum Aufbau von Risikopuffern nutzen und sind der Versu-

chung ausgesetzt, sich in risikoreichen Geschäften außerhalb ihrer Kernkompetenz zu engagieren. Die Risikoentflechtung zwischen Banken und Staaten ist nur partiell gelungen, weil Banken für die Staatsfinanzierung noch immer eine tragende Rolle spielen. Systemische Risiken infolge von Ansteckungsgefahren bzw. der Tatsache, dass unterschiedliche Finanzinstitute sehr ähnlichen Risiken ausgesetzt sind, haben für Banken und Staaten immer noch das größte Drohpotenzial. Die durch Regulierung determinierten Anlagestrategien von Versicherungen und Banken in Verbindung mit Geldpolitik und Niedrigzinsumfeld erhöhen die Tail Correlation von Finanzinstitutionen … RISIKO MANAGER: … und damit auch die Gefahr von Systemrisiken? Hellmich: Definitiv. Tail Correlation bedeutet, dass die Materialisierung dieser Risiken für einige Institute oder Märkte mittels einer Reihe von Kanälen auf andere Institute oder Märkte übertragen werden kann, durch welche dann im schlimmsten Fall eine systemische Krise ausgelöst wird. Als Fazit gilt, dass lediglich durch Schaffung neuer regulatorische Rahmenbedingungen die Finanzmärkte nicht sicherer und effektiver werden. Dies kann nur eine grundlegende Überarbeitung der Architektur der europäischen Finanzmärkte erreichen. RISIKO MANAGER: Herr Professor Hellmich, haben Sie vielen Dank für Ihre Ausführungen. Interview: Stefan Hirschmann Fotos: Bernd Schaller (Bank-Verlag) Webinar IT-Risiken Zunehmend im Fokus der Aufseher Das Webinar zeigt u. a. neueste, aufsichtsrechtliche und gesetzliche Entwicklungen sowie resultierende Anforderungen zum Thema IT-Sicherheit auf. Die Referenten stellen Ansätze für eine realistische Bewertung von IT-Risiken durch die Einbindung der Fachbereiche vor und berichten von ihren Erfahrungen aus Prüfungen der Aufsicht. Darüber hinaus geben sie Praxisbeispiele für typische IT-Risiken bei Banken und Vorgehensweisen zum effizienten Management dieser Risiken. Zielgruppe: Mitarbeiter in der Informationssicherheit, im Compliance, Risikomanagement, IT und Controlling in Kreditinstituten. am 28. Januar 2016, 14:00 bis 15:30 Uhr 169 € je Teilnehmer (zzgl. MwSt.) Information und Anmeldung: Stefan Lödorf Tel.: 0221-5490-133 events@bank-verlag.de Jetzt anmelden www.risiko-managertrainings.com

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